Aachen: Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge steigt dramatisch

Aachen: Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge steigt dramatisch

An einem einzigen Wochenende kamen vor kurzem 19 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Aachen. Beamte der Bundespolizei hatten sie an der Grenze aufgegriffen und in die Obhut des Jugendamts gegeben. Die Unterbringung dieser Jugendlichen wird in Aachen immer schwieriger. Denn die Zahlen steigen und steigen.

„Aktuell sind rund 150 junge Menschen in Betreuung der Jugendhilfe“, berichtete Brigitte Drews vom Fachbereich Kinder, Jugend und Schule jetzt im Kinder- und Jugendausschuss. Sie bezeichnete die Steigerung der Fallzahlen als „dramatisch“.

Seit einiger Zeit dürfen Jugendliche, die alleine als Flüchtlinge ins Land kommen, nicht mehr an die zentrale Anlaufstelle in Dortmund weitergeschickt werden, sondern müssen vor Ort vom Jugendamt versorgt werden.

Allein in wenigen Monaten, berichtete Drews, seien 54 zusätzliche Heimplätze zur Versorgung der jungen Flüchtlinge geschaffen worden. „Aber in Aachen und der gesamten Städteregion sind wir jetzt dicht“, sagte Drews. Deshalb werden mittlerweile vereinzelt junge Flüchtlinge sogar im Jugendgästehaus, in Pensionen und Hotelzimmern untergebracht.

„Wohnkonzept“ gefordert

Mit dieser Lösung allerdings ist niemand so richtig glücklich. Die CDU-Fraktion hat bereits in einem Ratsantrag ein „Wohnkonzept“ für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gefordert.

Auch Hilde Scheidt (Grüne) ist überzeugt: „Langfristig ist eine neue Einrichtung nötig, um die Probleme in den Griff zu bekommen.“ Die Zahl der jugendlichen Flüchtlinge wird nicht sinken, ist die Ratsfrau überzeugt: „Es werden noch mehr kommen, weil sie einen Neuanfang als einzige Chance sehen.“

Flüchtlinge brauchen nicht nur ein Dach über dem Kopf. Gerade die Jugendlichen, die ganz alleine über die Grenze kommen, brauchen intensive Betreuung. Auch hier wird es personell immer schwieriger, zumal manche der jungen Leute auf ihrer Flucht um die halbe Welt Schlimmes erlebt haben. „Das sind 13- bis 17-Jährige mit heftigen Einzelschicksalen“, berichtete Drews. „Die tun sich mitunter schwer, sich an unsere Vorgaben zu gewöhnen“.

Auch bei den Vormundschaften wird es eng. Laut Gesetz darf kein Vormund mehr als 50 Mündel betreuen. Da mittlerweile so viele junge Flüchtlinge in Aachen landen, seien „die städtischen Mitarbeiter über das vorgegebene Maximalmaß an Mündeln belegt“, berichtet Drews.

Für die Unterbringung der jungen Flüchtlinge muss die Stadt jedes Jahr viel Geld ausgeben. Kosten für Unterbringung, Sachleistungen und Dolmetscher werden der Kommune von den überörtlichen Trägern zwar erstattet. Das Personal für die Betreuung der Jugendlichen aber muss die Stadt selbst finanzieren. Hier sieht die Politik die Grenzen des Zumutbaren längst erreicht. „Aachen ist eine Grenzstadt“, so Ausschussvorsitzende Ruth Wilms (CDU), „es kann nicht sein, dass Land und Bund uns bei den Overhead-Kosten im Stich lassen.“

Wilms regte an, kurzfristig eine Gesprächsrunde anzusetzen und denkbare (Protest-)Aktivitäten zu erörtern. Auch mit anderen betroffenen Kommunen sollte man sich austauschen, findet Wilms. Aachen sei schließlich nicht die einzige Grenzstadt mit diesem speziellen Grenzproblem.

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