Aachen: Yunus-Emre-Moschee: Dieser Grundstein hat viel Symbolkraft

Aachen: Yunus-Emre-Moschee: Dieser Grundstein hat viel Symbolkraft

Als Guntram Schneider am Sonntag sein Namensschildchen in Empfang nahm, musste er kurz stutzen. Denn zu lesen war darauf ein eindeutig türkischsprachiger Name. Ein kleiner Irrtum, der Nordrhein-Westfalens Integrationsminister (SPD) scherzen ließ: „Das zeigt doch, dass wir auf dem richtigen Weg sind.”

Doch auch unter seinem korrekten Namen durfte Schneider sich an der Stolberger Straße willkommen fühlen. Und so soll es auch in Zukunft jedem gehen, der die Yunus-Emre-Moschee besucht.

Diese wird von den Mitgliedern der Türkisch-Islamischen Gemeinde (Ditib) Aachen schon seit langem herbeigesehnt. Und noch mehr Symbolkraft als der erste Spatenstich im August hatte die Grundsteinlegung: Denn mit den muslimischen Imamen Ebubekir Gölpinar und Yakub Kochan, dem jüdischen Rabbiner Mordechai Max Bohrer sowie dem evangelischen Superintendenten Hans-Peter Bruckhoff und dem katholischen Regionaldekan Josef Voß beteiligten sich daran Vertreter aller drei abrahamitischen Religionen.

Und Freude, teils Überschwang stand nicht nur den muslimischen Besuchern der Grundsteinlegung ins Gesicht geschrieben, sondern hat auch die Ansprachen und das anschließende Kulturfest im Geschwister-Scholl-Gymnasium geprägt. In Worte gefasst hörte sich das etwa so an: „Dies ist ein Tag, an dem ein Traum wahr wird”, jubelte Gemeindemitglied Zikri Bilican geradezu.

Für Aachens türkische Muslime werde der 8. Mai in Zukunft der dritte große Festtag neben Fastenbrechen und Opferfest sein. „Das ist wirklich historisch, das ist außergewöhnlich, das muss man so festhalten”, stellte der stellvertretende AN-Chefredakteur Bernd Büttgens fest, der gemeinsam mit Bilican durchs Programm leitete. Und von einem „Jahrhundertereignis” sprach gar der Gemeindevorsitzende Abdurrahman Kol.

Zwar nicht um 100 Jahre, wohl aber um Jahrzehnte geht es in der Vorgeschichte der Yunus-Emre-Moschee. 1986 erwarb die Ditib ein altes Tankstellengebäude am Scheitelpunkt von Stolberger und Breslauer Straße. Eine angemessene Umgebung für die geschätzten 9000 bis 10.000 Muslime, die sich Kols Gemeinde zugehörig fühlen, war dieses freilich zu keinem Zeitpunkt ­- und eine zweckdienliche auch nur in bedingtem Maße. Die Tankstelle ist mittlerweile abgerissen, in der ausgehobenen Baugrube liegt seit Sonntag der Grundstein. Darin einbetoniert liegt nun eine Röhre mit den Namen der Spender, die das 40 Meter hohe Minarett, Gebetsräume für 600 Menschen sowie zahlreiche weitere Räumlichkeiten ermöglichen.

Neben ihrer spirituellen Hauptfunktion soll die Yunus-Emre-Moschee, entworfen von dem Architekten Serdar Aymen und benannt nach dem türkischen Dichter und Mystiker, auch ein Ort der Begegnung sein. Ein Gedanke, der durch das gemischte Publikum bunt unterstrichen und von den beteiligten Rednern immer wieder hervorgehoben wurde. „Nicht nur ein Show-Act” sei die interreligiöse Grundsteinlegung, zeigte sich OB Marcel Philipp überzeugt. Die Moschee werde ein „gemeinsames Haus” für alle Aachener sein. „Wer baut, der bleibt”, zitierte Philipp seinen Amtsvorgänger Jürgen Linden. Und das sei gut so: „Das Minarett, das hier errichtet wird, wird zu Aachen gehören. Und auch Sie gehören zu Aachen.”

Diese Ansicht teilt offenbar die große Mehrheit der Aachener. Das für sprachen nicht nur die mehr als 1000 Besucher des Fests, sondern auch, dass Proteste gegen den Moscheebau - wie etwa Köln sie erleben musste - bis heute ausgeblieben sind. Dafür bedankten sich auch der türkische Generalkonsul Mustafa Kemal Basa sowie der Vorsitzende des Ditib-Dachverbands, Professor Ali Dere.

Wie zuvor schon Marcel Philipp erinnerte Minister Schneider daran, dass sich am Sonntag das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa jährte. „Manche sprechen vom Tag der Kapitulation. Ich spreche vom Tag der Freiheit. Und zwar auch der Religionsfreiheit.” Nunmehr 66 Jahre nach Kriegsende sei es höchste Zeit, dass auch Muslime „ihren Glauben nicht länger in Hinterhöfen und Nebengebäuden - einschließlich Tankstellen - leben müssen”. Der Rohbau soll Ende dieses Jahres fertig sein.