Youtube-Star Rezo aus Aachen geht mit Wahlappell viral

Rezos Abrechnung mit der CDU : Aachener Youtuber erreicht Millionenpublikum

Mehr als zwei Millionen Aufrufe innerhalb von vier Tagen: Von dieser Reichweite können etablierte Medien nur träumen. Mit Klickzahlen, die an der Millionengrenze kratzen, kennt sich der Youtuber Rezo zwar aus. Die Resonanz auf sein jüngstes Video hat ihn dann aber doch überrascht. Zumal es sich dieses Mal nicht um eine kurzweilige „Helium-Challenge“ mit dem ebenfalls bekannten Aachener Youtube-Star Julien Bam handelt. Sondern um handfeste Politik.

Unter dem Titel „Zerstörung der CDU“ rechnet der gebürtige Wuppertaler Rezo, der seit Anfang 2018 in Aachen wohnt, 55 Minuten lang mit den Christdemokraten ab. Von Bildungs- und Klimapolitik über soziale Ungerechtigkeit und Armutsentwicklung bis hin zum umstrittenen Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform: Kurz vor der Europawahl lässt Rezo an der CDU kein gutes Haar; auch die SPD und die AfD bekommen ihr Fett weg.

Und das kommt offensichtlich nicht nur bei seinen Fans gut an. Seit der Aachener das Video am Samstag bei Youtube veröffentlicht hat, verzeichnet die Statistik knapp 2,5 Millionen Aufrufe (Stand Dienstag). Dazu kommen mehr als 66.000 Kommentare. Mit seinem Video hat der Youtuber mit den blauen Haaren eine Reichweite erreicht, die deutlich über seine bisherige Fangemeinde hinausgeht. „Habe den Typen vorher nie gesehen, aber ich will ihn im Bundestag“, schreibt etwa ein Nutzer in dem Sozialen Netzwerk. Glaubt man den weiteren Kommentaren, wird diese Meinung von vielen geteilt.

Mit seiner persönlichen Meinung hält Rezo, der seinen bürgerlichen Namen geheimhält, nicht hinterm Berg. „Der aktuelle Kurs von CDU und SPD wird unserer Zukunft zerstören. Und das ist keine übertriebene Parole, sondern das nüchterne Ergebnis von Tausenden wissenschaftlichen Untersuchungen und die Einschätzung von Zigtausenden Experten“, sagt Rezo in seinem Video und fordert vor allem mit Blick auf den Klimawandel einen drastischen Kurswechsel.

Er bemüht sich zudem, in dem 55-Minuten-Video zu zeigen, dass diese Meinung nicht aus der Luft gegriffen ist, sondern auf Fakten basiert. Die Quellen, auf die er sich beruft, sind fein säuberlich im Anmerkungsfeld verlinkt. Ausgedruckt füllen sie 13 Wordseiten. „In das Video sind ein paar hundert Stunden meiner Freizeit und durch die Unterstützung meiner Mitarbeiter auch viel Geld hineingeflossen“, sagt Rezo am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion. „Ich habe durch das Video natürlich keinen Cent verdient, aber am positiven Ergebnis sieht man, dass es sich gelohnt hat.“

Natürlich habe er gehofft, viele junge und alte Menschen mit seinem Video zu erreichen und eine politische Debatte anzustoßen. „Das dies aber in so einer positiven Form und großen Dimension passiert, hätte ich nicht gedacht. Vor allem hätte man eher davon ausgehen können, dass ein Video, in dem ich die Parteien scharf kritisiere, welche von den allermeisten Deutschen gewählt werden, viel Gegenwind bekommt. Stattdessen sieht man am demokratischen Like-Dislike-Verhältnis, dass es fast alle Leute total positiv auffassen“, sagt Rezo.

Neben welcher Partei man am Sonntag nun sein Kreuz setzen soll, dazu will der Aachener bewusst nichts sagen. Eindeutig ist sein Appell aber dennoch: „Geht wählen am nächsten Wochenende. Sonst entscheiden Rentner über eure Zukunft.“

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