Aachen: Yoga und Meditation im Klassenzimmer

Aachen : Yoga und Meditation im Klassenzimmer

Mit solcher Begeisterung erzählen junge Leute eher selten über ihren Unterricht: Die Käthe-Kollwitz-Schule hat ein neues Schulfach — Resilienz-Training. Und die 16 jungen Frauen und Männer, die es belegt haben, sind hellauf begeistert.

Resilienz, das kann man mit seelischer Widerstandsfähigkeit, psychischer Gesundheit, Belastbarkeit umschreiben. In Zeiten, in denen viele über die Beschleunigung des Alltags klagen und schon Kindergartenkinder in Stress geraten, ist Resilienz ein topaktuelles Thema.

Längst nicht jeder hat dieses „Immunsystem der Seele“, die Fähigkeit, Probleme beherzt anzupacken, Krisen zu bewältigen und trotz Belastung gesund zu bleiben. „Aber wir wissen aus der Hirnforschung, dass Menschen Resilienz entwickeln können“, sagt Elke Schleth-Tams. Sie unterrichtet an der Käthe-Kollwitz-Schule unter anderem Psychologie, auf ihre Initiative geht das neue Fach Resilienz-Training zurück.

„Extreme Belastungen“

An dem Berufskolleg der Städte­region kann man seit dem Schuljahr 2013/14 das Berufliche Gymnasium mit dem Schwerpunkt Gesundheit absolvieren. Viele von denen, die im Sommer 2016 an der KKS ihr Abitur mit dem Schwerpunkt Gesundheit machen, werden später vermutlich auch im Gesundheitsbereich arbeiten. „Gerade diese Tätigkeit bringt extreme Belastungen mit sich“, weiß Schulleiterin Monika Büth-Niehr. „Wir wollen den jungen Menschen etwas mit auf den Weg geben, damit sie die Herausforderungen bewältigen können.“ In der Jahrgangsstufe Q 1 hatten die Schülerinnen und Schüler deshalb als Wahlpflichtfach auch Resilienz-Training im Angebot.

„Aus der Resilienz-Forschung wissen wir, welche Faktoren wichtig sind, damit das Leben gut gelingen kann“, erklärt Elke Schleth-Tams. Lösungsorientierung gehört dazu, Optimismus oder die Pflege sozialer Kontakte. An solchen und weiteren Faktoren arbeitet sie nun mit den jungen Leuten einmal die Woche eine Doppelstunde lang im Unterricht.

Ein Glücksfall für das Resilienz-Training ist die Tatsache, dass Lehrerin Romana Burggraf (Politik und Wirtschaftslehre) auch ausgebildete Yogalehrerin ist. Yoga ist eine der Methoden, mit der die Schülerinnen und Schüler ihre Resilienz verbessern wollen. Aber sie meditieren und singen auch, spielen Theater, malen, gestalten Collagen, üben das Arbeiten im Team.

Nach acht Monaten Resilienz-Training ziehen die Schüler eine sehr positive Bilanz: „Das ist ein Fach, das einen wirklich stärkt“, formuliert eine Schülerin ihr persönliches Fazit. Alle schätzen es, in den Resilienz-Stunden mal nicht nur mit dem Kopf zu arbeiten. „Es ist erstaunlich was man mit Yoga schafft“, sagt eine Schülerin.

Für das Berufliche Gymnasium Gesundheit soll das Resilienz-Training auch im nächsten Schuljahr weitergehen, betont Abteilungsleiter Frank Röhlings. Schließlich passe Resilienz auch wunderbar zum Profil eines Bildungsgangs mit Schwerpunkt Gesundheit.

Rettungswesen und Pflege

Elke Schleth-Tams würde das Angebot gerne auch auf weitere Ausbildungsgänge ausweiten, etwa die Erzieherausbildung. „Denn Erzieherinnen sind wichtige Multiplikatoren in Sachen Resilienz“, sagt sie. Ihre Schulleiterin allerdings warnt mit Blick auf die knappe Personaldecke vor zu großem Optimismus. „Eine Ausweitung wäre absolut wünschenswert, aber derzeit sehe ich nicht, wie das möglich wäre.“ Erst letztes Jahr, erinnert Schulleiterin Monika Büth-Niehr, seinen an der Bayernallee sieben Kollegen in Pension gegangen. „Und nur eine Stelle ist neu besetzt worden.“

Einige der jungen Leute, die nächstes Jahr ihr Abitur mit dem Schwerpunkt Gesundheit machen, haben schon konkrete Pläne. Sie wollen zum Beispiel im Rettungswesen arbeiten, Medizin studieren oder in die Pflege gehen. Belastbar müssen sie da ganz sicher sein.

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