Aachen: Wut über monatelange Verfahren in der Notunterkunft wächst

Aachen : Wut über monatelange Verfahren in der Notunterkunft wächst

Die Unzufriedenheit über die allgemeine Situation in der Notunterkunft am Westbahnhof und die Ungewissheit über die eigene Zukunft entlud sich am Freitag in einer Protestaktion der dort untergebrachten Flüchtlinge. Wütend sind sie vor allem über die Dauer des Verfahrens.

Einige sind offenbar schon seit fünf Monaten und länger in Notunterkünften untergebracht, ohne zu wissen, wie es für sie weitergeht.

Mit englischen und deutschen Wortbrocken versuchten sie am Freitag der kurzfristig hinzugerufenen Presse ihre Situation klarzumachen. „Help us“ (Helft uns), riefen sie immer wieder und wollten Pressevertreter auf das Gelände holen, was der Sicherheitsdienst jedoch unterband. Es ist offenbar vor allem der lange Aufenthalt in dem Lagerprovisorium, der an den Nerven zehrt und die Stimmung unter den Bewohnern unruhig werden lässt.

Aktuell leben 178 Menschen aus unterschiedlichsten Ländern, darunter auch rund 50 Kinder, in der Zeltstadt am Westbahnhof, in der bis zu 1000 Flüchtlinge untergebracht werden können. Das Essen sei miserabel, beklagen sie. Die medizinische Versorgung sei unzureichend, viele Kinder seien krank und würden nicht richtig behandelt. Auch seien Familien ausein­andergerissen worden, eine Frau berichtete, dass sie seit Monaten darauf warte, endlich zu ihrem Mann zu kommen, der derzeit in Berlin untergebracht sei. Auch für die Kinder sei der Aufenthalt eine Qual, sie wollen zur Schule und dürfen es nicht.

Hauptadressat ihrer Proteste ist die Kölner Bezirksregierung, von der zwar ein Vertreter vor Ort war, doch der durfte keine Presseauskünfte geben. Ansprechpartner bei der Bezirksregierung waren am Freitag kurz vor den Pfingsttagen nicht mehr zu erreichen. Vor Ort äußerte sich einzig Gisela Bosle vom Deutschen Roten Kreuz, Betreiber des Lagers.

Dass die Situation für die Bewohner schwierig ist, kann sie nachvollziehen. „Es ist eine Notunterkunft“, betonte sie. Gleichwohl hält sie die Essensqualität für akzeptabel. Auch gebe es regelmäßig Arztsprechstunden. Auf die Aufenthaltsdauer und die Länge der Bearbeitungsverfahren hat allerdings auch sie keinen Einfluss.

Warum kurz vor dem Wochenende die Emotionen so hochgingen, konnte auch sie auf die Schnelle nicht ergründen. „Wir müssen jetzt schauen, dass alles in geordneten Bahnen läuft“, bemühte sie sich um eine Beruhigung der Gemüter.

(gei)
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