Aachen: Wut trifft Gewerkschafter: „Es wird Austritte geben“

Aachen : Wut trifft Gewerkschafter: „Es wird Austritte geben“

Es ist offensichtlich nicht leicht, in diesen Tagen in Aachen Gewerkschafter zu sein. Der Fall eines ehemaligen Gesamtpersonalratsvorsitzenden der Stadt Aachen, dessen ebenso rasante wie dubiose Gehaltssprünge seit einer Woche Schlagzeilen machen, erregt die Gemüter — und das nicht nur bei Funktionären.

Viele einfache Gewerkschaftsmitglieder sind erzürnt darüber, dass sich da einer der Ihren über Jahre möglicherweise illegal die Taschen gefüllt hat.

Das ist in der Gewerkschaft Komba so, deren Vorstand in Aachen am vergangenen Freitag per Mitteilung sein „Entsetzen“ über den Fall kundtat und für „Aufklärung und Transparenz“ warb. Und das ist erst recht bei Verdi so: Schließlich ist der Mann, dessen dubioser Aufstieg und Fall hohe Wellen schlägt, Mitglied der Bundestarifkommission der Dienstleistungsgewerkschaft — und soll, wie er im April selber erklärte, künftig bei Verdi arbeiten.

Und der Zorn an der Basis äußert sich durchaus deutlich. Vertreter der Komba wie auch von Verdi berichten davon, dass Gewerkschafter in diesen Tagen förmlich angefeindet werden. „Die Stimmung ist beschissen“, sagt ein Verdi-Funktionär und fügt hinzu: „Es wird bestimmt Austritte geben.“ Dass all dies nur hinter vorgehaltener Hand geäußert wird, passt ins Bild. Denn mit der anrüchigen Geschichte des Ex-Personalratschefs will niemand namentlich in Verbindung gebracht werden.

Das gilt für die Verwaltungsspitze, wo sämtliche Auskünfte zu dem Fall mit Verweis auf das laufende und mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft angesiedelte Verfahren verweigert werden. Das gilt für die Politik, wo man den Eindruck hat, dass sich viele die bange Frage stellen, was wohl so alles hinter der Sache stecken mag. Und es gilt für die Gewerkschaften. Mittlerweile gibt es auch eine Stellungnahme von Verdi, die im städtischen Intranet veröffentlich wurde und die mit „Eure ver.di-Vertrauensleute“ unterschrieben ist.

Darin heißt es, dass die Inhalte der Zeitungsberichte sich nicht mit dem deckten, was der „betroffene Kollege uns gegenüber in der Vergangenheit ausgesagt hat“. Auch wird auf den Grundsatz der „Unschuldsvermutung“ verwiesen. Aber die Vertrauensleute berichten auch, dass man schon im vorigen Jahr mit der Verwaltung über „eine transparentere Beförderungsregelung für die Personalräte“ gesprochen habe, „da in der Vergangenheit offensichtlich unterschiedliche Personalräte nach unterschiedlichen Kriterien befördert worden sind“.

Ein Grund dafür war nach Informationen unserer Zeitung, dass sich bereits 2016 bei Verdi Hinweise auf die hohe Eingruppierung des Personalratschefs häuften und man wohl versucht hat, auf ihn einzuwirken — erfolglos. Verdi ruft nun ebenfalls zur konsequenten Aufklärung auf und setzt dem Vernehmen nach — wie große Teile der Politik — die Hoffnung in die Staatsanwaltschaft. Diese befindet sich aber immer noch im Stadium der „Vorprüfung“, so Behördensprecher Jost Schützeberg. Die Stadt habe den Fall „mit der Bitte um Prüfung auf strafrechtliche Relevanz“ übergeben. Ob Ermittlungen eingeleitet werden, entscheide sich wahrscheinlich kommende Woche.

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