Aachen: Wunderbare Geburtstagsfeier zu Ehren eines beliebten Originals

Aachen : Wunderbare Geburtstagsfeier zu Ehren eines beliebten Originals

Dieser Mann mit Frack und Zylinder verdient einfach das Wort „Kult“, denn er ist ein echtes Öcher Original. Und selbstverständlich ist das 100. Todesjahr von Lennet Kann den Aachenern ein großes Fest wert.

Der Theater- und Konzertverein Aachen, der bereits im vergangenen Jahr mit mehreren ausverkauften und begeisternden Aufführungen des Lennet-Kann-Musicals für Aufsehen sorgte, veranstaltete dem berühmten Bürger der Stadt zu Ehren eine Matinee in den Burtscheider Kurpark-Terrassen.

Die Vereinsvorsitzende und Tochter von Lennet-Kann-Imitator Kurt Joußen, Heike Vogt, begrüßte die Gäste. Ein großer Erfolg in Zusammenhang mit dem Musical war der Verkauf von Printenmännern mit dem Abbild von Lennet. Bei einem Stückpreis von fünf Euro kamen in Zusammenarbeit mit der Firma Moss 3000 Euro zusammen, die Heike Vogt auf der Bühne an den „Nele und Hanns Bittmann Kinderhilfsfonds“ überreichte.

Journalistin Jutta Katsaitis-Schmitz gab mit ihrem „Plädoyer für einen Überlebenskünstler“ einen umfassenden Einblick in das Leben von Lennet Kann. Leonard van Kann, wie Lennet eigentlich hieß, war schon zu Lebzeiten ein Original. Ein exaktes Geburtsdatum ist nicht überliefert. Klar ist jedoch, dass der 1844 in Aachen Geborene am 5. Juni 1916 verstorben ist.

„Er war ein vielbesungenes und beliebtes Original, war ein geselliger Spaßvogel und ein stadtbekanntes Unikum. Arm wie eine Kirchenmaus, blieb ihm doch die Arbeit fremd. Er hatte unter anderem eine elende Bude an der Sandkaulstraße, und die Peterstraße 126 war seine letzte Adresse“, erklärte die Katsaitis-Schmitz, die lange mühevoll zum Thema recherchiert hat.

Lebensfreude

Viele Nachfolger waren von Lennets Lebensfreude angetan und sind in seine Rolle geschlüpft, um das Aachener Liedgut und die Mundart zu pflegen. Der erste der Nachahmer war Jupp Schollen, bekannt ist auch Dirk von Pezold. Kurt Joußen verkörpert den Lennet seit 1985 und erfüllte sich mit dem Musical über das Leben von Lennet im vergangenen Jahr seinen großen Traum.

Auch im weiteren Verlauf bot das Programm mit vielen Musicaldarstellern und Mundartgrößen kurzweilige Unterhaltung. Uli Havermann machte mit seinem Liedbeitrag „Aachen, Du schöne Kaiserstadt“ die Zeit um 1900 lebendig. Musical-Macher Kurt Joußen selbst betrat danach die Bühne als Lennet Kann und wurde bei der Aufführung der Verzällcher des beliebten Originals vom Ballett von Maria Athena Saacke unterstützt.

Öcher-Platt-Klassiker

Markus Krings, Thouet-Mundart-Preisträger der Stadt Aachen in diesem Jahr, begeisterte anschließend mit einer Biografie von Lennet auf Öcher Platt. Sein blonder Bart habe dem schlaksigen Kerl gut gestanden. „Und wäre er nicht gestorben, wäre Lennet sicher einmal Bürgermeister geworden“, stellte Krings fest.

Lothar Engels, ebenfalls aus dem Musical-Ensemble, bot gemeinsam mit Kindern aus dem Publikum und den Mädchen und Jungen des Kinderchors St. Katharina Forst unter der Leitung von Frank Sibum Öcher-Platt-Klassiker wie die „Kengerzitt“ und das Lied von der „Hotmannspief“ dar.

Zum großen Finale kamen noch einmal alle Mitwirkenden auf die Bühne und sangen „Vür sönd allemole Öcher Jonge“. Schöner hätte der Geburtstag des kultigen Lennet Kann kaum enden können, und so zeigte sich mancher Gast großzügig mit einer Spende in den Zylinderhut.

„Oft wird der Wunsch nach einer Fortsetzung des Musicals an uns herangetragen. Darüber können wir noch nichts sagen. Aber die Matinee, die mit einem restlos besetzten Saal ein großer Premierenerfolg war, soll eine feste Institution im Öcher Terminkalender werden“, erklärte Heike Vogt. Die zweite Matinee dieser Art veranstaltet der Verein am 11. Juni 2017 in den Kurpark-Terrassen — und möchte damit vielleicht ein anderes Öcher Original ehren.

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