Ausstellung „Das Unsichtbare“: Wort und Bild in selbstverständlicher Liaison

Ausstellung „Das Unsichtbare“ : Wort und Bild in selbstverständlicher Liaison

Zwei Freunde treffen sich und tauschen ihre Gedanken über die Welt, die Politik, die Liebe oder „Das Unsichtbare“ aus, so der Titel einer Ausstellung des malenden und schreibenden Künstlers Kai Savelsberg im Raum für Kunst der Sparkasse Aachen (Elisengalerie), die am Sonntag mit einer Matinee zu Ende ging.

Bei der Finissage, zu der Helga Scholl, Leiterin der Galerie, ein großes Publikum begrüßen konnte, stand ihm Kunsthistoriker Stefan Skowron zur Seite, Experte für die Moderne und ganz speziell für seinen langjährigen Weggefährten Savelsberg.

Der Freundschaftsdienst ist zugleich eine Erweiterung des Spektrums der Galerie, die sich mit Helga Scholl verstärkt regionalen Größen zuwendet. Für Savelsberg, Jahrgang 1975, ist die Verbindung von Wort und Bild so selbstverständlich, wie das Nachdenken über die Welt und über sich selbst. In manchmal heiteren Reimen verbirgt sich allerhand philosophisches Gedankengut, mit leichter Hand durcheinander geschüttelt und dann wieder entwaffnend offen und bewegend tiefgründig präsentiert.

Dezent hat bei seiner Ausstellung „Das Unsichtbare“ ein fortlaufendes Spruchband die Bilder des Künstlers begleitet, die eine stille, eindringliche Sprache sprechen, von der Kraft der Natur erzählen, von Annäherungen in Stille, herbstlicher Melancholie, Innehalten und Endzeit. „Wenn mir zu meinen Bildern keine Gedanken kommen, die ich aufschreiben möchte, muss ich sie nochmal überdenken“, sagt er dazu.

Gemeinsame Lesung

In der gemeinsamen Lesung nahmen er und Skowron die Zuhörer mit auf eine große Geist-Reise, „leisen Schrittes durch die Welt – ungestört und unbelärmt“, wie man es an der Wand lesen konnte. Wortbilder und Malerei – eine Verbindung, die bei Kai Savelsberg selbstverständlich erscheint. Dabei jongliert er virtuos mit gängigen Spruchweisheiten, stellt sie auf den Kopf, krempelt sie um, klopft sie auf ihre Tauglichkeit ab. Hier und da gönnt er sich Anklänge an die Sprache der Dadaisten mit ihren akrobatischen Verdrehungen, den wuchtigen Motiven und surrealen Visionen – von Emotionen etwa, die „von den Dächern stürzen“. „Ein Dichter-Maler oder ein Maler-Dichter, das ist ganz selten“, betonte am Sonntag Kunsthistoriker Skowron und erinnerte an Künstler wie Joachim Ringelnatz, Wilhelm Busch und Günter Grass. Wie die Malerei habe das geschriebene Wort bei Savelsberg einen biografischen Kern.

Ein bisschen Eulenspiegel

Kai Savelsberg steht dazu, lockt die Zuhörer hier und da gern auf Glatteis – ein bisschen Till Eulenspiegel steckt tatsächlich in diesem Künstler, der sich bei der Liebe sympathisch dünnhäutig zeigte.

Im Wechsel wurde gelesen, geplaudert und nachgefragt, wobei Skowron hier und da freundlich provozierte. „Können die Zuhörer das alles eigentlich glauben?“, wandte er sich über Zettel und Manuskripte hinweg an Savelsberg, der zunächst zögerte. „Na ja, Glaube? Ich nenne es lieber innere Notwendigkeit, für mich hat Relevanz, was ich aufschreibe“, meinte der Künstler selbstbewusst.

Selbstanalyse und politische Weltsicht sind für Kai Savelsberg wichtige Elemente. Was bei ihm verspielt und frech daherkommt, hat einen spannenden Hintergrund, Tod und Grab verlässt er mit dem hoffnungsvollen Gedanken „dass ich Verlust sein könnte“, schickt die Triebe in den Treibsand und verkündete schließlich zum Vergnügen seines Publikums: „Ich liebe, also spinn ich…“ Bei Sekt und Saft wurde danach noch so mancher Aspekt diskutiert. www.kai-savelsberg.de

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