Aachen: World Solar Challenge: Durch Australien, so weit die Sonne scheint

Aachen: World Solar Challenge: Durch Australien, so weit die Sonne scheint

Sonnenschein wird die größte Rolle spielen. Aber Sonnenschein wird das kleinste Problem sein. Team Sonnenwagen ist da zuversichtlich. Die Sonne spiegelt sich nicht nur im Namen des Studentenprojekts, sondern im Idealfall auch auf der Oberfläche seiner Entwicklung: einem solargetriebenen Rennwagen.

Zielgewicht: 150 Kilogramm ohne Fahrer. Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h. Reichweite: so weit die Sonne scheint und die Technik durchhält. Mit 3000 Kilometern wären die Aachener allerdings schon hochzufrieden. Bei der World Solar Challenge, dem weltweit härtesten Rennen für Fahrzeuge, die mit Sonnenenergie betrieben werden, gehte_SSRqs von Darwin im Norden Australiens bis Adelaide im Süden.

Die RWTH-Studenten wollen die Strecke schaffen — und zwar ziemlich zügig. Sie bilden eines von nur zwei deutschen Teams, die sich in Australien der Herausforderung vom Start am 8. Oktober 2017 an stellen. Im Moment jedoch stecken sie noch mitten in der Konstruktionsphase.

„Wir haben mehr oder weniger alle Monate bis zum Start durchgeplant und liegen insgesamt ganz gut im Zeitplan“, sagt Niklas Kaltz, 2. Vorsitzender von Sonnenwagen. Der erste Prototyp ist für November/Dezember geplant. Dann soll das Fahrwerk getestet werden — ob alles korrekt läuft. Zur Aerodynamik werden dann bereits praktische Erkenntnisse vorliegen. An ihr darf das Team im Windkanal der FH arbeiten. Die Batterietests laufen ebenfalls, wie die Entwicklung insgesamt auf hohen Touren.

Die Aachener starten in der sogenannten Challenger-Klasse für einsitzige Solarautos, bei denen es vorrangig um Performance geht. Daneben gibt es die Cruiser-Klasse — für Solarfahrzeuge, die sich in Form und Funktion schon eher an klassischen Alltagsautos orientieren — und die außer Konkurrenz startende Adventure-Klasse für Fahrzeuge, die schon einmal bei dem Rennen dabei waren oder die Voraussetzungen für den Start in einer der anderen Klassen nicht erfüllen.

Startschuss in Down Under im Herbst 2017 — das hört sich an, als bliebe dem Solar-Rennstall noch jede Menge Zeit. Was zunächst einmal bleibt, ist aber vor allem jede Menge Arbeit. An dem Wagen ist so gut wie alles Spezialanfertigung. Ein paar Kleinserienteile können verwendet werden. „Auch noch einen eigenen Motor in so kurzer Zeit zu entwickeln, ist kritisch für uns“, erklärt Daniel Offermann vom Sonnenwagen-Marketing. Obwohl man mit einigen Instituten der RWTH bereits in Kontakt steht wegen der Entwicklung eines eigenen Aggregates.

Das wird bis zum Rennen im kommenden Jahr aber nicht hinhauen. Deswegen wird der Sonnenwagen von einem zugekauften Motor angetrieben. Weil der Verein aber langfristig bestehen bleiben soll und die World Solar Challenge 2017 nicht das erste und gleichzeitig letzte Rennen für Solarfahrzeuge mit Beteiligung aus Aachen sein soll, haben sich die Studenten dennoch darangegeben, einen eigenen Motor zu entwickeln. „Es ist wichtig, dass wir etwas Nachhaltiges schaffen“, sagt Kaltz. „Wir investieren hier viel hinein, deshalb wollen wir es an der RWTH verankern. Nicht nur studentisch, sondern auch akademisch.“

Und gesellschaftlich, könnte man sagen. Denn die Studenten wollen ihre Erfahrungen weitergeben, lassen sich zum Beispiel beim Aktionstag „Aachen goes Electro“ blicken oder fahren mit bei der „E-Cross Germany“, einer Rallye für Elektrofahrzeuge. Die haben sie vor ein paar Wochen übrigens gewonnen, wenn auch nicht mit dem Solarracer für Australien.

Mit dem fahrerischen Können scheint aber schon mal alles in Ordnung zu sein. In Australien wird der Rennwagen über die komplette 3000 Kilometer-Distanz von einem Schatten begleitet werden. Im Rennwagen selbst können nämlich Ersatzteile nicht mitfahren, alleine schon aus Gewichtsgründen. Deshalb fährt ein Begleitfahrzeug mit.

Und wer sitzt in Australien hinterm Steuer? Kaltz: „Wir werden mehrere Fahrer haben. Einer alleine würde das nicht durchhalten: 3000 Kilometer über fünf Tage bei den Temperaturen.“ Teilweise werden es sicher über 40 Grad werden. Eine Klimaanlage ist für den Wagen nicht vorgesehen — zieht zu viel Energie. Eine Lüftung will das Team zwar einbauen, die aber nicht für den Fahrer, sondern für die Batterien da ist.

„Damit die uns nicht abbrennen“, bemerkt Offermanns. Nicht mal das Fenster wird der Fahrer während der Fahrt öffnen dürfen — sonst gäbe es Luftverwirbelungen, die ihrerseits wieder einen erhöhten Energieverbrauch bedeuten. Körperlich wird das Rennen also sicherlich extrem fordernd. Konzentrationsschwächen aber kann sich das Team nicht leisten. „Das sieht vielleicht alles ein bisschen seifenkistenmäßig aus, aber wir erreichen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 km/h, die Spitze beträgt 140 Sachen“, sagt Kaltz.

Die Aachener finanzieren das Projekt Sonnenwagen über Sponsoren, ein Förderprogramm und Crowd-Funding. Welcher Betrag zu stemmen ist, dazu will sich der studentische Solar-Rennstall aber lieber bedeckt halten. So viel ist klar: Es handelt sich um eine hochtechnologische Entwicklung.

Und die wird im Herbst 2017 nicht für Zwomarkfuffzich in Australien auf den Rädern stehen. Sechsstellig wird man am Ende sicher. Wie hoch, bleibt geheim. Die Blicke sollen sich schließlich nicht auf das Preisschild richten. Tun sie auch jetzt schon nicht. Das Team, dessen Enthusiasmus und Sachverstand — das sind die bemerkenswerten Faktoren.

Und die Sonne? Nun, Australien ist nicht gerade wegen trüber Witterung verschrien. Insofern sollte zumindest auf der Energieseite alles in trockenen Tüchern sein.

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