Aachen: Wohnungsnot sorgt für längere Zeiten im Frauenhaus

Aachen : Wohnungsnot sorgt für längere Zeiten im Frauenhaus

Die Lage in den Fachstellen gegen häusliche Gewalt der Städteregion Aachen ist angespannt. Wie Vertreterinnen der beiden Frauenhäuser in Aachen und Alsdorf mitteilten, sind vor allem die Wohnungssituation und die Finanzierung ein großes Problem.

Ursula Braun-Kurzmann, Geschäftsführerin des Vereins Sozialdienst katholischer Frauen Aachen (SkF), erzählt, dass „die Aufenthaltsdauer auffallend länger ist als noch vor zwei Jahren“, was vor allem an der lange dauernden Wohnungssuche liege. Mittlerweile gebe es eine Mitarbeiterin, die sich fast ausschließlich um diese kümmert. „Es geht darum, bezahlbaren Wohnraum zu finden, weil die Frauen einen Neuanfang wagen“, betont Braun-Kurzmann.

Die Preise in der Stadt sind in den letzten Jahren rasant gestiegen, die Behörden hätten sich daran allerdings nicht ausreichend orientiert. Hülya Gökgöz-Corsten bezeichnet die Mietsituation als „sehr prägnant“ und psychisch belastend für die Bewohnerinnen. Die Leiterin des Frauen- und Kinderschutzhauses Aachen berichtet, dass „wir manchmal schon daran scheitern, dass die Miete 20 Euro zu hoch ist“.

Gökgöz-Corsten äußert deshalb den „Wunsch, dass es in Aachen einen Appell für mehr sozialen Wohnungsbau gibt“ und ein Umdenken bei den Behörden aufgrund des Mietspiegels erfolgt. Die Frauen würden gar nicht lang bleiben wollen, sondern sie möchten nur „ein gewaltfreies Leben in einer eigenen Wohnung führen“.

Auch die finanzielle Situation der Schutzsuchenden ist nicht immer einfach, wie Gitta Hirschmann vom Frauenhaus Alsdorf aufzeigt: „Die Gewalt bringt die Frauen zusätzlich zur psychischen Belastung oft in eine wirtschaftliche Krise.“

Denn entgegen der häufigen Annahme werden Frauen zur Kostenbeteiligung herangezogen, was besonders Berufstätige ohne Unterstützung vom Jobcenter betreffen kann. Trotzdem appelliert Hirschmann daran, dass auch Erwerbstätige nicht zurückschrecken sollen, sich in einer Notsituation an die Frauenhäuser zu wenden. Für diese Fälle gebe es Notfallfonds, und „in der Beratung kann man andere Perspektiven aufzeigen“. Helfen soll dabei zukünftig auch die sogenannte Istanbul-Konvention des Europarates, die Anfang Februar in Deutschland in Kraft getreten ist. Gökgöz-Corsten ist glücklich über diese Maßnahme, da „inhaltlich drei wichtige Säulen unserer Arbeit abgedeckt werden: Prävention, Intervention und Schutz“.

Sie bezeichnet die Konvention als Meilenstein und begrüßt es sehr, dass „es jetzt Fakt ist, dass Gewalt gegen Frauen eine Menschenrechtsverletzung ist“.

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