Aachen: Wohnungsnot in Aachen ist größer als gedacht

Aachen : Wohnungsnot in Aachen ist größer als gedacht

In Aachen fehlen weitaus mehr Wohnungen als bislang gedacht. Das geht aus einer aktualisierten Wohnungsbedarfsprognose hervor, die das Bonner Beratungsbüro Quaestio für die Stadt erstellt hat. Denn anders als erwartet, gehen die Studentenzahlen nicht zurück, sondern steigen weiter.

Und nach wie vor sind auch noch viele Flüchtlinge in Notunterkünften auf der Suche nach bezahlbaren Wohnungen. „Es ist nicht schlimm, es ist schlimmer“, sagt Rolf Frankenberger, Leiter des städtischen Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration. Auf dem Aachener Wohnungsmarkt herrsche ein „extremer Druck“, wobei insbesondere die enorme Nachfrage nach preiswertem Wohnraum nur unzureichend gedeckt werden kann.

Das Hauptproblem ist der Mangel an Grundstücken, auf denen die dringend benötigten neuen Mehrfamilienhäuser, aber auch Einfamilienhäuser gebaut werden können. „Das Geld und die Investoren sind da“, sagt Frankenberger, „aber wir können die Flächen nicht schnell genug zur Verfügung stellen.“

Viel zu wenig Neubauten

Der Wohnungsmangel ist kein neues Problem, mit dem Politik und Verwaltung in Aachen zu tun haben. Bereits im 2014 vorgelegten Gutachten sind die Fachleute davon ausgegangen, dass bis 2020 rund 3770 neue Wohneinheiten benötigt würden, inzwischen gehen sie davon aus, dass sogar knapp 5000 gebraucht werden.

Von einer Realisierung ist die Stadt allerdings weit entfernt. All diese Wohnungen müssten längst im Bau sein, damit sie 2020 bezogen werden können. „Wir haben zwar gute Zahlen, aber es reicht immer noch nicht“, so Frankenberger.

Im Schnitt konnten in Aachen in den zurückliegenden Jahren 800 neue Wohneinheiten jährlich fertiggestellt werden. Das lässt ahnen, welche Anstrengungen zusätzlich nötig sind, um den nun neu errechneten Bedarf abdecken zu können — zumal bis 2030 die Schere noch weiter aufgehen wird. Gemäß dem bisherigen Gutachten hielt man bis dahin 6700 neue Wohneinheiten für nötig, nach dem neuen Gutachten sind es nunmehr bis zu 9130 Wohneinheiten.

Der deutlich gestiegene Bedarf ergibt sich aus den Zahlen, die zum Stichtag 31. Dezember 2017 erhoben worden sind und zu dem die Einwohnerzahl in Aachen deutlich höher war, als es noch 2014 erwartet wurde. Das liegt vor allem daran, dass man damals noch nicht den Flüchtlingszustrom in den Jahren 2014 und 2015 auf dem Schirm hatte. Zudem hatte man ab 2015 wieder mit einem allmählichen Rückgang der Studentenzahlen gerechnet. Und auch der RWTH-Campus hat die Erwartungen übertroffen und eine größere Zugkraft entwickelt als zunächst gedacht.

So leben heute gut 5000 mehr Menschen in Aachen als bislang erwartet. In ihrer neuen Prognose gehen die Gutachter in allen Szenarien von einer weiter steigenden Einwohnerzahl aus. In 15 Jahren werden demnach in Aachen zwischen 260.000 und 265.000 Menschen leben, der Großteil davon in Singlehaushalten. Dass alle das passende Dach über den Kopf finden, scheint eher unwahrscheinlich zu sein.

Die Wohnungsnot hat unmittelbare Folgen für viele Menschen. So warten derzeit noch gut 2000 Menschen in Flüchtlingsunterkünften auf eine Wohnung, darunter sind viele, die längst einen klaren Asylstatus haben. Studenten müssen oftmals noch bei ihren Eltern wohnen und nach Aachen pendeln, weil sie hier kein Zimmer finden. Und Familien wandern vielfach ins Umland ab, weil es in der Stadt keine Baugrundstücke für Ein- oder Zweifamilienhäuser gibt.

191 Hektar erschließen

Den Politikern werden die neuen Zahlen zum Wohnungsbedarf am 11. September im zuständigen Ausschuss vorgestellt, wo dann auch über die künftigen Schritte beraten werden soll. Die Folgen für den neuen Flächennutzungsplan sind bereits absehbar: Bis 2034 müsste demnach dringend weiteres Bauland erschlossen werden — und zwar in einer Größenordnung von mindestens 191 Hektar.

Um das zu schaffen, sollen Planverfahren vereinfacht werden. Zugleich sollen aber auch Bürger besser eingebunden werden, um langwierige Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden. Und schließlich müssen die Politiker auch noch die Frage beantworten, wer künftig noch in die Innenstadt gelassen und wer vertrieben werden soll: Sie müssen die steigenden Grundstückspreise in den Griff kriegen, die letztlich auch die Mieten immer weiter in die Höhe treiben und für manch einen längst nicht mehr bezahlbar sind.

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