Aachen: Wo Senioren im Matsch steckenbleiben: Ärgernis Schusterweg

Aachen : Wo Senioren im Matsch steckenbleiben: Ärgernis Schusterweg

Dem CDU-Politiker Hans Herff war anzusehen, wie er im Geiste die Hand vor die Stirn schlug. Verblüfft fragte er im Bürgerforum: „Warum kommen wir da eigentlich erst jetzt drauf?“ Mit „wir“ meinte Herff sich und die Politikerzunft und alle, die sich um öffentliche Dinge kümmern. Der Vorgang spielt im Viertel Steinebrück.

Bei der Stadtratswahl gewinnt hier die CDU. Seit ewig und haushoch. Bis zu seinem Abschied als Ratsherr 2014 war Steinebrück denn auch die unangefochtene Domäne des Hans Herff. Was erklärt, weshalb er perplex war, in „seinem“ Wahlkreis etwas übersehen zu haben. Wahrscheinlich wirkte die Macht der Gewohnheit. Das Das-war-schon-immer-so. Denn, wenn etwas schon immer so war, guckt der Öcher nicht mehr richtig hin.

Einer guckte. Richard Strauch wandte sich ans Bürgerforum. Der alte Herr ist Heimbeirat im Papst-Johannes-Stift. Er schilderte, was seine Mitbewohner beschwert. Das Papst-Johannes-Stift liegt am unteren Ende der Trautnerstraße. Die abschüssige Straße ist eine Sackgasse. Am Ende führt ein Fußgängersteg über das Rinnsal Goldbach auf einen handtuchschmalen Pfad. Manche Stadtkarte nennt ihn Schusterweg. Er führt zwischen einer großen Wiese und dem Goldbach entlang und verbindet den Höfchensweg mit der Eupener Straße und umgekehrt.

Auch die Senioren des Papst-Johannes-Stifts benutzen ihn, mit oder ohne Rollstuhl, mit oder ohne Rollator. Das ist für sie die kurze Verbindung zur Eupener Straße und zum Jahnplatz. Geschäfte, Supermarkt, Post, Sparkasse, Arztpraxen, Café und Gaststätte, Aseag-Haltestelle, St. Gregorius sind nahebei. Ohne Schusterweg müssten die Senioren einen zwei Kilometer langen hügeligen Umweg machen.

Oft bleibt ihnen aber nichts anderes übrig. Im Bürgerforum schilderte Richard Strauch, warum das so ist: „Nach Regen ist der Schusterweg ein Matsch- und Schlammweg. Dann ist er für gesunde Menschen kaum begehbar, geschweige denn für Leute im Rollstuhl oder mit Rollator. Die kommen da nicht mehr durch.“ Die Bitte: Die Stadt möge „eine geschlossene Oberfläche“ auftragen. Strauch: „Mit Splitt oder Kies ist da nicht geholfen.“ Achim Ferrari (Grüne) bekräftigte: „Im Winter ist es da teilweise lebensgefährlich.“

Die Verwaltung klärte auf: Den Schusterweg gebe es „seit vielen Jahrzehnten“, aber er befinde sich nicht auf städtischem Grund. Die Stadt habe deshalb mit dem Eigentümer „auf unbestimmte Zeit“ einen Pachtvertrag abgeschlossen, jährlich kündbar. Beim Schusterweg handele es sich mithin um eine „reine Großzügigkeit des Eigentümers“, er könne den Weg „auch sperren“. Ihn zu asphaltieren, habe er abgelehnt. Ihn herzustellen könne eine „in den Sand gesetzte“ Investition sein, weil beim Ende des Pachtvertrages der „Weg zurückzubauen und das Grundstück in seinen Ursprungszustand zu versetzen“ sei.

Im Vertrag hat die Stadt die Unterhaltung, die Wegereinigung, den Winterdienst, die Verkehrssicherungs- und die Haftpflicht übernommen. Mit Reinigung und Winterdienst ist es allerdings nicht weit her, wie zum Missfallen der Politiker klar wurde.

Von einer „in den Sand gesetzten“ Investition wollte das Bürgerforum nichts wissen. Weshalb es empfiehlt, dass sich die Bezirksvertretung Aachen-Mitte und der Liegenschaftsausschuss mit der Sache befassen sollen. Die Verwaltung soll feststellen, welcher Art Befestigung der Eigentümer zustimme und die Kosten ermitteln.

„Warum kommen wir da eigentlich jetzt erst drauf?“ blieb das Staunen des Steinebrückers Hans Herff.

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