Wird Städteregion Aachen ein "Fairtrade-Kreis"?

Städteregionaler Umweltausschuss bleibt Antwort schuldig : Beim Thema Fairtrade dreht sich die Politik im Kreis

Die eigentliche Frage blieb unbeantwortet: Hat die Städteregion Interesse und Ambitionen, sich für das Label „Fairtrade-Kreis“ zu bewerben? Im städteregionalen Umweltausschuss wurde darüber diskutiert. Doch die Politik drehte sich im Kreis und kam zu keinem Ergebnis.

Dr. Mona Pursey hatte mit ihrem Vortrag im Ausschuss für ein solches Engagement geworben. Und die Geschäftsführerin und Promoterin für entwicklungspolitische Bildungsarbeit des Eine-Welt-Forums Aachen hatte die Vertreter der Fraktionen ermuntert, mit ihrer Entscheidung voranzugehen und als „Fairtrade-Kreis“ Verantwortung und eine Vorbildfunktion zu übernehmen.

2015 haben die Vereinten Nationen 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Damit soll – grob zusammengefasst – ein globales Wirtschaftswachstum mit der Reduzierung von materieller und sozialer Ungleichheit, der Schaffung von Chancengleichheit und einem nachhaltigen und ökologischen Umgang mit natürlichen Ressourcen in Einklang gebracht werden. „Fairtrade-Städte fördern den fairen Handel auf kommunaler Ebene und sind das Ergebnis einer erfolgreichen Vernetzung von Akteuren aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft, die sich gemeinsam lokal für den fairen Handel stark machen“, umreißt Mona Pursey das Ziel der Kampagne.

Tausende Schulen in Deutschland haben sich nach ihrer Aussage mittlerweile dem Fairtrade-Gedanken verpflichtet. Und auch mehr als 600 Städte tragen inzwischen das Label, das vom Verein „Transfair“ verliehen wird. In der Städteregion sind es bis dato allerdings nur zwei: Aachen hat 2011 den Anfang gemacht, seit Juni 2017 darf sich auch Eschweiler „Fairtrade-Stadt“ nennen.

Ob sich die Städteregion dem anschließen bzw. mit Blick auf die übrigen acht ihr angehörenden Kommunen voranschreiten wird, bleibt offen. Denn eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema gab es im Ausschuss nicht. Stattdessen wurde beispielsweise moniert, dass das Eine-Welt-Forum mit Hochglanzbroschüren werbe. Und Alex Thiel, sachkundiger Bürger der Piraten, tat kund, dass er sich wie in einer Marketing-Veranstaltung fühle. „Ich möchte Ihnen keinen Kaffee verkaufen, sondern eine nachhaltige Idee anbieten“, reagierte Mona Pursey diplomatisch.

Doch an der grundsätzlichen Skepsis einiger Ausschuss-Mitglieder änderte das offenbar nichts. Sie zettelten vielmehr eine Diskussion darüber an, ob das Thema in den Umweltausschuss gehöre. „Falls überhaupt, ist das ein Thema für den Wirtschaftsausschuss“, meinte CDU-Sprecher Michael Kirsch. Und seine Parteikollegin Edith Nolden warf ein, ob denn nicht eher der Sozialausschuss zuständig sei. Auch in dieser Hinsicht endete die Sitzung ohne Erkenntnisse. Und eine Fortsetzung der Diskussion erscheint unwahrscheinlich. Schließlich hat Umweltdezernent Stefan Jücker – auf Drängen der CDU – angekündigt, das Thema vorerst nicht mehr auf eine Tagesordnung zu setzen.

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