Aachen: „Winterrose“ im Grenzlandtheater: Wenn die Liebe sich anschleicht

Aachen : „Winterrose“ im Grenzlandtheater: Wenn die Liebe sich anschleicht

Eine weiße Parkbank, ein weißer Papierkorb aus Holz, ein grüner Kunstrasen und im Hintergrund Bilder von Bäumen: Das ist die Kulisse, vor der das jüngste Stück des Grenzlandtheaters spielt. Elisabeth erzählt hier dem eigenbrötlerischem Rentner Anton und dem Gärtner von ihren Erlebnissen bei der Kontaktsuche.

Jeden Mittwoch verabredet sie sich unter dem Pseudonym „Winterrose“ mit Männern, die sie über Zeitungsannoncen kontaktiert. Doch bevor sie zur Verabredung ins Café Kindermann geht, beobachtet sie die Männer aus der Ferne.

„Es war eine Katastrophe“, sagt Elisabeth gleich in der ersten Szene. Ihr „Date“ hatte fünf Frauen auf einmal bestellt und ließ sie Nummern ziehen. „Ich habe die eins gezogen“, erzählt sie im Park, „und dann habe ich ihm gesagt, er solle doch gleich mit der zwei anfangen.“ Gänzlich unberührt von ihren Erzählungen fährt der Rentner Anton fort, in seiner Zeitung zu lesen. Und dennoch redet Elisabeth weiter, sucht aus der Ferne nach ihrem zweiten „Date“, Erkennungszeichen ist wie immer die Zeitung unter dem Arm. „Schon die Zeitung, die er ausgewählt hat, gibt Aufschluss“, sagt sie und erzählt munter weiter.

Das Alter und die Liebe

„‘Winterrose‘ ist eine spannende Variante, wie sich zwei Menschen in der zweiten Lebenshälfte begegnen können“, erklärt Uwe Brandt, Intendant des Aachener Grenzlandtheaters. Denn dass fortgeschrittenes Alter und frische Liebe sich nicht von vornherein ausschließen, zeige demnach schon die Statistik: „Bei den über 60-jährigen gibt es so viele Partnerschaften wie nie zu zuvor, und auch Ehen mit einem Partner über 50 werden immer häufiger geschlossen“, so Brandt.

Elisabeth ist knapp 50 — nach eigenen Worten — und offensichtlich nicht bereit, auf Dauer alleine zu bleiben. Sie geht die Partnersuche mit großem Optimismus an und findet in ihren neuen Freunden im Park Zuhörer, wenn diese auch nicht gleich begeistert sind. Der Gärtner wirbelt mit seinen trockenen Kommentaren und Lebensweisheiten ganz ordentlich Blätter auf, und ob Anton sich für Elisabeths Geschichten erwärmen kann, bleibt abzuwarten. Seit etlichen Jahren kommt er in den Park, hat den Enten Namen gegeben und liest unverdrossen seine Zeitung.

„Winterrose“ ist eine Familienproduktion. Das österreichische Schauspieler-Ehepaar Christa und Agilo Dangl hat die Komödie gemeinsam mit Sohn Michael Dangl geschrieben und nimmt sich so eines Themas an, das offensichtlich immer mehr Menschen berührt. Bei der Inszenierung des Grenzlandtheaters gibt es zwölf Bilder, die farblich so gestaltet sind, dass sie die unterschiedlichen Jahreszeiten spiegeln. Und laut Uwe Brandt stellen sich dabei viele Fragen, wie zum Beispiel: „Wie ist das mit der Liebe im Alter? Schlägt sie immer noch ein, oder schleicht sie sich an?“

Unter der Regie von Udo Schürmer spielen Verena Wengler, René Toussaint und Gabriel Spagna. Für das Bühnen- und Kostümbild zeichnet Steven Koop verantwortlich.

Im Grenzlandtheater in Aachen wird das Stück vom 25. April bis zum 7. Mai gespielt, jeweils um 20 Uhr. Am Samstag, 5. Mai, und am Samstag, 12. Mai, gibt es zusätzlich auch um 16 Uhr Vorstellungen. Ab Ende Mai wandert die „Winterrose“ dann durch die ganze Städteregion.

Tickets für das Stück gibt es unter Telefon 0241/4746111 oder im Internet.