Aachen: Windpark Münsterwald: Gegner vermissen das Tempo

Aachen : Windpark Münsterwald: Gegner vermissen das Tempo

Geht es nicht recht voran mit dem Windpark im Münsterwald? Diese Frage beschäftigt ausgerechnet die Gegner der dort geplanten Anlagen. Die Bürgerinitiative „Rettet den Münsterwald“ ist einigermaßen irritiert über das Tempo, das die Stadt als Genehmigungsbehörde und die Antragsteller — neben der Firma Juwi ist auch die Stawag beteiligt — an den Tag legen. Auffällig langsam sei das, meinen die Rotorengegner.

Dabei hatten Stadt und Antragsteller noch im vergangenen Jahr richtig Gas gegeben. Als die Stadt im November die sieben Windenergieanlagen unweit der Himmelsleiter genehmigte, sei dies mit der „Anordnung der sofortigen Vollziehung“ verbunden gewesen, erklärt Rainer Ständer von der Bürgerinitiative. Schon im vergangenen Sommer war mächtig Druck gemacht worden wegen der Kabeltrasse, durch die der Windstrom dereinst ins Netz gespeist werden soll.

Für die Verlegung der Erdleitungen musste eine „landschaftsrechtliche Befreiung“ erteilt werden, was der Umweltausschuss wegen weiterem Beratungsbedarf seinerzeit gerne vertagt hätte. Die Verwaltung mahnte jedoch zur Eile mit dem Argument, eine längere Wartezeit sei dem Antragsteller nicht zuzumuten.

Gebremst wurde das Vorhaben dann doch: Seit die Gegner der Windräder im Münsterwald über die Landesarbeitsgemeinschaft Natur und Umweltschutz (LNU) Klage eingereicht haben, ruht still der See. Im Januar sei die Klageschrift nebst Eilantrag auf Aussetzung des Vollzugs der Maßnahme beim Verwaltungsgericht eingereicht worden, berichtet Rainer Ständer.

Danach hätten lediglich die Juwi-Anwälte noch schriftlich mitgeteilt, dass während des laufenden Verfahrens im Münsterwald keine Bäume für die Rotoren gefällt würden. Das Schreiben sei gewissermaßen das letzte Lebenszeichen der Gegenseite gewesen, so die Bürgerinitiative. „Seitdem passiert nichts mehr“, berichtet Katharina Ständer.

Neue Regeln in Sicht

Über die Gründe für die neue Gelassenheit bei dem einst doch so dringlichen Vorhaben könne man nur spekulieren. Und ihr Ehemann Rainer hat da schon eine Idee: „Das Landschaftsgesetz in Nordrhein-Westfalen wird geändert“, erklärt er. Die zu erwartenden neuen Regeln würden wohl mehr Spielraum für die Errichtung von Windkraftanlagen in Waldgebieten lassen, vermutet Ständer. „Vielleicht wartet man das ab.“

Nach seinen Informationen könne das für die Stadt durchaus Sinn machen, obwohl die Genehmigung schon Ende 2015 aufgrund der zu diesem Zeitpunkt geltenden Rechtslage erteilt wurde. Denn laut Ständer könnten dennoch die neuen Regelungen unter gewissen Umständen im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht eine Rolle spielen.

Die Stadt warte auch gar nicht, hält Harald Beckers vom Presseamt dagegen. Zu Verzögerungen bei der Reaktion auf die Klage komme es wegen einer Vielzahl von Verfahren, mit denen das Rechtsamt derzeit beschäftigt sei. Und auf die äußerst umfangreiche Klageschrift der Windpark-Gegner solle es eine sorgfältig abgestimmte Erwiderung geben. Im Übrigen betont Beckers, dass die Stadt keineswegs mit den Antragstellern gemeinsame Sache mache, sondern „als Genehmigungsbehörde die Sache gründlich aufarbeiten muss.“

Vielleicht hätten die Antragsteller aber inzwischen das Interesse verloren, spekuliert Katharina Ständer. Sie verweist auf sinkende Fördergelder für Windenergieanlagen. Nach ihrer Kalkulation hätte das Konsortium aus Juwi, Stawag und dem Energieversorger Enwor mit höheren Summen rechnen können, wenn sich die Räder im Münsterwald schon drehten. „Das spricht doch eigentlich dafür, dass man möglichst schnell baut“, meint sie. „Aber vielleicht sind die Wirtschaftlichkeitsberechnungen auch schon überholt.“

Für die Stawag sind sie es wohl nicht. „Wir stehen weiter zu dem Windpark“, sagt Unternehmenssprecherin Eva Wußing, „wir halten ihn für wirtschaftlich sehr attraktiv.“