Aachen: Windpark im Münsterwald fällt zunächst etwas kleiner aus

Aachen : Windpark im Münsterwald fällt zunächst etwas kleiner aus

Da waren es nur noch fünf: Zwei der sieben geplanten Windenergieanlagen im Münsterwald will die Stawag vorerst noch nicht errichten. „Das wird erst einmal aufgeschoben“, sagt Frank Brösse, der Geschäftsführer der Stawag Energie GmbH. Eventuell würden die beiden Rotoren östlich der Himmelsleiter später gebaut, vielleicht aber auch gar nicht.

Grund für die Verkleinerung des Windparks Münsterwald sind Änderungen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Ab dem nächsten Jahr müsste sich die Stawag für die Förderung ihres Windstroms neu bewerben. Für Anlagen, die noch in diesem Jahr fertig werden, gelten noch die alten Bedingungen. „Da haben wir eine Vergütung von sieben Cent pro Kilowattstunde sicher“, sagt Brösse.

Und der Bau der fünf Windräder im Wald westlich der Bundesstraße 258 in Richtung Eifel ist aus Sicht der Stawag bis zum Jahresende zu schaffen. Die beiden Rotoren auf der anderen Straßenseite geht man einstweilen nicht an, um das Risiko zu vermeiden, dass diese Anlagen unter die neue Regelung fallen und nicht so gefördert werden, dass der Betrieb wirtschaftlich ist. Bei den anderen fünf Rotoren soll es nun aber flott vorangehen.

Immerhin beschäftigt der Windpark Münsterwald die Stawag inzwischen seit rund neun Jahren. Zuletzt hatten juristische Schritte der Gegner des Projekts für Verzögerungen gesorgt. Nachdem deren Klage gegen die städtische Genehmigung Ende vergangenen Jahres vom Verwaltungsgericht Aachen abgewiesen wurde, sieht sich die Stawag nun auf der sicheren Seite.

Stawag vom Standort überzeugt

„Wir freuen uns, dass wir jetzt endlich starten können“, sagt Brösse, „und wir sind von diesem Standort überzeugt.“ Damit der Wind die Rotoren dort kräftig anpusten kann, müssen sie über die Baumwipfel hinausragen. Anlagen vom Typ V 112 haben eine Nabenhöhe von 140 Metern, nimmt man die Rotorblätter hinzu, dann ragen die Windräder etwa 200 Meter in den Himmel empor.

Für einen sicheren Stand sollen Fundamente sorgen, die Bauleiter Robert Schade als „Flachgründungen“ bezeichnet: Die Betonsockel haben einen Durchmesser von 27 Metern und reichen drei Meter tief in den Boden. Dafür wurde im Münsterwald erstmal ordentlich Platz geschaffen. Etwa 10.000 Bäume mussten weichen, pro Anlage wird etwa ein Hektar Fläche freigeräumt.

Die Hälfte davon soll nach Abschluss der Arbeiten wieder aufgeforstet werden. „In diesem Bereich“, sagt Schade und zeigt auf eine lange Schneise, „wird der Kranausleger montiert.“ Wenn die Arbeit getan ist, sollen dort wieder Bäume wachsen. Über feste Schotterwege sollen die Anlagen später anfahrbar sein.

Ein kurzes Stück Asphalt gibt es derzeit nur an der Abzweigung von der Bundesstraße in den Münsterwald. Dort biegen die Lastwagen mit dem Baumaterial ein wie auf einer Autobahnabfahrt. Die Fahrspur in Richtung Eifel wird dafür etwas nach links verschwenkt. Den Wald verlassen die Laster etwas weiter oben, an der Ausfahrt regelt eine Ampel den Verkehrs.

Die sei so geschaltet, dass der Berufsverkehr möglichst wenig beeinträchtigt werde, erklärt Bauleiter Schade. Morgens zwischen sieben und neun Uhr und nachmittags von 16 bis 18 Uhr müssten die Lkw-Fahrer auf grünes Licht für die Ausfahrt aus dem Wald mitunter bis zu 15 Minuten warten. Außerhalb des Berufsverkehrs gebe die Ampel schneller den Weg für sie frei.

Das könnte spannend werden, wenn — voraussichtlich im Mai — der Beton für die Fundamente angeliefert wird und die Laster wohl im Fünf-Minuten-Takt anrücken. Fünf Tage dürfe diese Phase wohl dauern, schätzt Bauleiter Schade. Wenn dann später die Windräder in Einzelteilen angeliefert werden, dürfte es den Berufsverkehr kaum betreffen. „Die Großkomponenten kommen mit 13 Schwertransportern“, erklärt Schade, „das passiert nachts.“

Zuvor werden erst einmal die Kabel verlegt, durch die dereinst der im Münsterwald produzierte Strom fließen soll. Alleine im Wald werden etwa drei bis vier Kilometer Leitungen „eingepflügt“, noch einmal zwölf Kilometer Kabel werden für die Verbindung des Windparks mit dem Umspannwerk in Krauthausen gebraucht. Im Oktober soll das 30-Millionen-Euro-Projekt dann fertig sein. Die Anlagen sollen dann pro Jahr mehr als 40 Millionen Kilowattstunden Strom liefern, was für die Versorgung von etwa 12500 Haushalten reichen würde.

Durch den Windstrom aus dem Münsterwald würden nach Stawag-Berechnungen knapp 27.000 Tonnen Kohlendioxidausstoß pro Jahr vermieden.

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