Aachen: Windkraftanlagenahe: Teure Reparatur kurz vor Ablauf der Garantiezeit

Aachen : Windkraftanlagenahe: Teure Reparatur kurz vor Ablauf der Garantiezeit

Ein paar Wochen hatten „Wolfgang“, „Georg“ und „Wilhelm“ Ruhe. Zwanzig Jahre haben die 20 Meter langen Rotorblätter zuvor schwer geackert, am 7. Juni 1995 hatten „Wolfgang“, „Georg“ und „Wilhelm“ sich zu drehen begonnen. Seit dem 9. Mai 2015 ist vorübergehend Stillstand, wenige Tage vor Ablauf der Garantiefrist — üblicherweise passiert das genau andersherum.

Sensoren hatten angezeigt, dass etwas nicht stimmt, schließlich wurde ein Riss im Achszapfen des Generators entdeckt. Nach 20 Jahren Betriebszeit musste der Schaden im zentralen Element behoben werden.

Bis zu 500 Tonnen heben kann der gewaltige Kran, der eigens aus Köln herbeigeschafft wurde, um das Windrad zu demontieren. Foto: Ralf Roeger

Der Bau des Windrads auf dem Hochschulgelände erfolgte gegen den Widerstand diverser städtischer Ämter. Ihre Flügel wurden deshalb nach den Vornamen der ärgsten Widersacher in Stadt und Land benannt „in der Hoffnung, dass diese möglichst lange dort oben rotieren mögen“. Der Baudezernent hieß damals Dr. Wilhelm Niehüsener, anzunehmen ist, dass er mit von der Partie ist. Niehüsener ging 1995 in den Ruhestand, der Flügel neben der Feuerwache Nord wird sich wohl noch einige Jährchen weiterdrehen.

Die für lange Zeit größte Windkraftanlage, die auf einem Hochschulgelände in Europa in Betrieb genommen wurde — Anima, die Seele —, war die erste Anlage, für die offiziell eine kostengerechte Einspeisevergütung gemäß dem „Aachener Modell“ gebilligt wurde. Finanziert wurde sie aus Strukturhilfemitteln der EU zur langfristigen Förderung von Forschung und innovativen Konzepten, sie hat in der gesamten Laufzeit mehrere heftige Stürme ohne Schaden überstanden. In den vergangenen Betriebsjahren produzierte sie jährlich mehr als 600 000 Kilowattstunden Strom, das entspricht einem Gesamtertrag von insgesamt mehr als 14 Millionen Kilowattstunden in 20 Jahren.

Betreiber der Anlage ist die gemeinnützige AMO GmbH, die die gewonnene Energie in das öffentliche Stromnetz der Stadt Aachen einspeist. Mit den Gewinnen wird ein Anteil der laufenden Betriebskosten für das Forschungslabor Amica bestritten, in dem bereits seit 1997 angewandte Forschung auf dem Gebiet der Nanoelektronik betrieben wird. Die Anlage vom Typ Enercon E-40 zählte zu den ersten in NRW.

Für die Demontage musste eigens ein 500-Tonnen-Kran aus Köln herbeigeschafft werden, der den Generator samt Blättern in einem Rutsch aus knapp 50 Metern Höhe herunterholte, immerhin 22,5 Tonnen schwer. Haustechniker Thomas Welter: „Das erlebt man auch nicht alle Tage.“ Zwar war der Vorgang genau geplant, doch vorsichtshalber ist er denn doch zur Seite getreten, als die schwere Last am Haken hing. Wie lange wird Anima nun laufen, wo die wichtigsten Komponenten auf Kosten des Lieferanten, der dafür sicherlich eine höhere fünfstellige Summe hinblättern muss, erneuert werden — noch einmal 20 Jahre? Managing Director Dr. Michael Hornung: „Das hängt von vielen Faktoren ab, auch ob es sich noch wirtschaftlich rechnet.“

Der besondere Vorteil der getriebelosen Bauart von Anima ist, dass das Windrad auch bei ungünstigen Windverhältnissen effizient arbeitet. Die Anlage ist 48 Meter hoch, in dieser Höhe arbeiten auch die Monteure, die nur Gewittern und starkem Wind weichen mussten, bei Regen wird weitergearbeitet. Die Anlage erzeugt eine Spitzenleistung von 500 Kilowatt und deckt etwa die Hälfte der Energie, die in den Forschungslaboren für die Klimatisierung des Reinraums und die energieintensive Herstellung von elektronischen Bauelementen verbraucht wird.

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