Aachen: „Willkommen“ im Grenzlandtheater: Von Flüchtlingshilfe und Komfortzone

Aachen : „Willkommen“ im Grenzlandtheater: Von Flüchtlingshilfe und Komfortzone

Benny geht für ein Jahr als Dozent in die USA. Sein WG-Zimmer will er währenddessen einer Flüchtlingsfamilie überlassen. Dieser Vorschlag trifft in seiner WG nicht nur auf Gegenliebe.

„Im Laufe der Diskussion reden Befürworter und Gegner Tacheles“, sagt Dramaturgin Anja Junski. Und obwohl die Figuren zum Teil sehr überzeichnet seien, „sind sie uns doch näher, als uns lieb ist“, urteilt Uwe Brandt, Intendant des Grenzlandtheaters. Zum einen ist da die Bereitschaft, Bennys Argumentation zu folgen. Der hat in einem Flüchtlingsheim gearbeitet und die Not der Menschen dort kennengelernt. „Das Flüchtlingsheim hat mich verändert“, sagt er. Deshalb will er diesen Menschen eine Chance geben, „in der Gesellschaft anzukommen“.

„Ich bin dagegen“

Die WG-Bewohner sitzen am Tisch ihres großzügigen Lofts und diskutieren das Für und das Wider. Die Fotografin Sophie ist begeistert von der Idee und plant gleich ein Fotoprojekt, bei dem sie die Flüchtlingsfamilie und ihre ersten Erfahrungen in Deutschland fotografisch dokumentieren will. Der angehende Banker Jonas sieht die ganze Angelegenheit zunächst eher pragmatisch: „Ich das nicht zu eng?“, fragt er und fürchtet um seinen Schlaf, „wenn dann die Flüchtlingskinder durch die Wohnung toben“.

Und Doro bringt ihre Ablehnung knallhart auf den Punkt. „Ich bin dagegen“, sagt sie. Ganz offensichtlich ist es gar nicht so einfach, die eigene „Komfortzone“ zu verlassen. Wie ist es also wirklich um die Willkommenskultur bestellt?

Lutz Hübner und Sarah Nemitz geben mit ihrem Stück „Willkommen“ einen Anstoß, auch die eigene Haltung zu reflektieren. Der WG jedenfalls steht noch eine zweite Überraschung bevor. Das Nesthäkchen Anna ist schwanger und will mit dem Vater ihres Kindes zusammenziehen. Als der später in der WG vorbeischaut, dreht sich die Diskussion komplett. „Denn der sympathische Sozialarbeiter Achmed äußert sich unverblümt über Araber und Gutmenschen“, heißt es im Flyer zum Stück. Im Laufe des Abends also nimmt die Diskussion zum Teil skurrile Formen an. „Und da muss man auch schon mal schlucken“, meint Uwe Brandt.

Die Bewohner der Wohngemeinschaft jedenfalls stecken fest in ihren eigenen Träumen und Hoffnungen. Laut Omar El-Saeidi (Achmed) repräsentiert das Stück vor allem die bürgerliche Mitte. „Theoretisch sind alle für die Willkommenskultur“, sagt er. „Aber sie wollen nicht raus aus ihrer Komfortzone“, fügt er hinzu. Wie das dann zusammengeht, und ob es überhaupt zusammengeht, wird das Stück zeigen.

Es spielen unter der Regie von Anja Junski: Aline Hochscheid (Doro), Anna Scholten (Sophie), Sarah Härtling (Anna), Sebastian Schlemmer (Benny), Ryan Wichert (Jonas) und Omar El-Saeidi (Achmed). Die Premiere ist am Donnerstag, 28. September, um 20 Uhr im Grenzlandtheater. Bis zum 30. Oktober gibt es täglich um 20 Uhr weitere Vorstellungen. Am 7. und am 14. Oktober sind zusätzlich Vorstellungen um 16 Uhr geplant. Tickets gibt es unter Telefon 0241/ 4746111.

Im November tourt „Willkommen“ dann durch die Städteregion.

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