Aachen: Wiedereröfffnung: Grabeskirche St. Josef saniert und erweitert

Aachen : Wiedereröfffnung: Grabeskirche St. Josef saniert und erweitert

„Es gibt Besucher, die kennen St. Josef nur eingerüstet”, weiß Edith Bircken. Die Geschäftsführerin der Grabeskirche St. Josef ist mächtig stolz auf die Sanierung und die Erweiterung der ersten Kirche in Europa, die ausschließlich als Begräbnisstätte dient.

Anderthalb Jahre war St. Josef nur sehr eingeschränkt nutzbar, nachdem im Januar 2008 von der eben erst umgebauten ehemaligen Pfarrkirche der Putz von der Decke bröckelte. Von Mitte 2009 bis vor ein paar Tagen wurde kräftig gebaut, saniert und gewerkelt.

Im November entschlossen sich Bauleiterin Barbara Probst und Edith Bircken, die Grabeskirche vollständig zu schließen, damit „die Punktlandung, der 1. Januar 2011, auch erreicht wird”. Erleichtertes Aufatmen bei Bircken: „Wir haben den selbst gesetzten Termin eingehalten.” Am Samstag, 1. Januar, wird Pfarrer Markus Frohn eine Festmesse zelebrieren, der Kirchenchor von St. Josef und Fronleichnam wird die Eucharistiefeier begleiten.

Bevor die Architekten Hahn-Helten mit der Erweiterung und der Sanierung des Sakralbaus begannen, musste untersucht werden, was an dem mehr als hundert Jahre alten Gebäude nicht mehr in Ordnung ist. „Vor allem das Gewölbe musste eingehend in Augenschein genommen werden”, sagt Edith Bircken.

Dafür wurden Probebohrungen angesetzt, zuletzt sogar eine Ultraschalluntersuchung angestrengt. „Sowas wurde erstmals in einer Kirche ausprobiert, bisher hat man nur Brücken per Ultraschall begutachtet. Danach konnte ein Sanierungsplan festgelegt werden.” Die großartigen Gewölbe von St. Josef wurden unter anderem mit Kieselsäureesther - das ist eine Festigungsflüssigkeit - und dann mit Bimsputz bearbeitet.

38 neue Stelen lassen den Kirchenraum nun kompakter erscheinen. Alles ist mehr zur Mitte hin geschoben worden. Auch das Triptychon von Rita Lausberg, das Pfarrer Toni Jansen in Auftrag gegeben hatte, und eine eigenwillige, aber ansprechende Interpretation vom Himmlischen Jerusalem und dem Weg dorthin zeigt, hängt wieder an seinem Platz.

Ebenso ist das Schiff, das die Toten vom Diesseits ins Jenseits bringt, wieder an alter, prominenter Stelle und schwebt über allem. Nur der schmale Wasserlauf vom Taufbecken zu den Stelen hin ist noch abgestellt. Die Temperaturen sind zu niedrig.

„Eine Gemeinschaft der Toten ist entstanden”, ist Edith Bircken überzeugt. Jede Stele hat für weitere 20 Urnen, als zusammen 760 Urnen, Platz. Jetzt verfügen wir über 2144 Plätze.” Davon seien, rechnet die Grabeskirchen-Geschäftsführerin vor, 1150 in allen fünf Kategorien bereits verkauft und schon 460 belegt. „Die neuen Beton-Stelen sehen leicht schmutzig aus, weil sie noch feucht sind und in der kalten Kirche zurzeit nicht richtig trocknen können. Aber das wird sich geben.”

Alles macht nun einen sehr prächtigen Eindruck, auch der alte Tabernakel glänzt, obwohl sich in ihm nicht mehr das Allerheiligste befindet. Das ist umgezogen. In die Marienkapelle, gleich nebenan. Und an den Säulen zum Altar hin prangen in 18 Metern Höhe wieder entdeckte und herausgearbeitete Fresken (die „Nachrichten” berichteten bereits darüber).

Im Frühjahr werde sich ein sogenannter Stelen-Kosmetiker der Betonsäulen annehmen, „die dann ein akzeptables Aussehen bekommen. Aber schon jetzt ist klar, dass Hahn-Helten eine großartige Arbeit geleistet haben und wir mit rund 100 Bestattungen jährlich nicht in die roten Zahlen geraten”, versichert Edith Bircken.

Zwei Kirchengebäude, die über Aachens Grenzen Beachtung finden

Am Josefstag 2005, das ist der 19. März, wurde die Pfarrkirche St. Josef durch Weihbischof Karl Reger als Sakralbau entwidmet. Denn die größte Kirche Aachens, die einst in einer Achse zu St. Adalbert und den Dom erbaut wurde, war mangels Katholiken überflüssig geworden. Um sie vor dem Verfall zu bewahren, kamen Pfarrer Toni Jansen und Pfarrmitgliedern auf die Idee, eine Grabeskirche einzurichten.

Die Pfarre St. Josef fusioniert zum 1. Januar 2005 gemeinsam mit der einstigen Ausgründungspfarrei St. Fronleichnam, deren Kirchenbau zwar kleiner, aber architektonisch wertvoller anzusehen ist.

Seit dem 1. Januar 2006 ist St. Josef, das markante Wahrzeichen des Ostviertels und direkt am Adalbertsteinweg gelegen, wieder geweiht und wird als Grabeskirche genutzt.

So hat eine der kleinsten Pfarreien Aachens mit 6500 Katholiken zwei bedeutsame Kirchengebäude, die in unterschiedlichen Funktionen weit über die Grenzen Aachens Beachtung finden.