Aachen: Wieder mehr Karl in den Carolus Thermen

Aachen : Wieder mehr Karl in den Carolus Thermen

Die eisig blaufarbene „Gletscher-Klamm“ von Künstler Jaro Schlesiona im Aufgang zum Saunabereich der Carolus Thermen wird auch nach der Renovierung so bleiben, wie sie konzipiert wurde. Die LED-Leuchten hinter der arktisch anmutenden Wandtäfelung sind allerdings neu. Strom sparen, Feuchtigkeitsresistenz und Haltbarkeit sind im Saunabereich unstrittig hohe Güter.

Doch wenn Thermen-Chef Björn Jansen nun endgültig am 18. Oktober, einem Mittwoch, den Nackedeibereich in der 2001 geöffneten Aachener Thermalbadeanlage an der Passstraße wieder in Betrieb nimmt, ist vieles anders und vieles sehr viel besser als vorher. Am Donnerstag noch schufteten die Fliesenleger, die Ofenspezialisten und die Baugehilfen Hand in Hand im Saunabereich, es sind nur noch gut zehn Tage bis zur Wiedereröffnung.

Auch ohne die Hitze aus den Öfen von Hamam, Dampfbad oder Aufgusssauna, die bis auf ein Gerät noch nicht in Betrieb sind, kommen die Arbeiter unter der Kuppel des orientalischen Saunabereichs, der hoch oben am Hang über dem Thermalbecken des Bades thront, zügig ins Schwitzen. Und das sogar ganz ohne den Eintritt bezahlt zu haben. 2,4 Millionen Euro waren nötig, um das vor 20 Jahren konzipierte Öcher Vorzeigebad in der beliebten Saunazone wieder auf Vordermann zu bringen.

„Die mediterran anmutenden hellen Farben, mit der damals üblichen Wischtechnik aufgebracht, waren zwar schön, sind aber heute nicht mehr zeitgemäß“, hatten Jansen und sein Team vor gut einem Jahr entschieden. Jansen setzt auf mehr „Wertigkeit“, wie er sagt, auf Kupferbeschläge und Messingfarben an den Metalleinrichtungen, dazu gediegenes Bordeaux- oder Burgunderrot an den Wänden in den Ruhebereichen. Auch die goldfarben schillernden Mosaike sollen „mehr Eleganz“ (Jansen) in die Badelandschaft bringen.

Warme Erdtöne, orientalische Lampen mit ihren erstaunlichen Lichteffekten und ein komplettes, ganzheitliches Lichtkonzept für den Bade- und Saunabereich in den Obergeschossen wurden ausgetüftelt. Kleinere Gimmicks wie die Umwandlung der bisherigen „Karawanserei“ in einen kühl anmutenden Nordseestrand mit versteckten Düsen für eine konzentrierte Meersalzzerstäubung sollen einen Kontrapunkt bilden, quasi eine Nord-Oase im tiefen Orient.

Besinnung auf den großen Namen gab es ebenfalls: „Wir haben das Thema Karl wiederentdeckt“, sagt Jansen. Er machte sogleich Nägel mit Köpfen. Nicht nur die Schriftbilder des Corporate Design der Carolus Thermen auf Schriftbögen und Emails kommt dann mit dem Karlssiegel daher. Die übliche (rote) Karlsfigur im Thermenfoyer hat strahlende Gesellschaft von einem Karlskonterfei auf der Malerleinwand bekommen.

Jaro Schlesiona bannte auf einer Fläche von 3,20 mal vier Metern einen golden strahlenden Kaiser Karl auf die Leinwand, einen Kaiser, der jeden Badeuntertan persönlich einzuladen scheint.

Stolz ist Jansen auf ein architektonisches Zuckerstückchen, das das Ganze „auf die Spitze“ treiben soll. Dort ganz oben, wo der Außenbereich mit den fünf Saunen und dem Freibecken wartet, wird die Kuppel über dem orientalischen Badebecken mit einem Kupferüberzug versehen, was „eine tolle Ansicht für die Gäste“ sein werde, bekräftigt Jansen.

Hamam nicht erwünscht

Der obere Restaurantbereich ist frisch gepinselt — hier wieder ein ruhiges Bordeauxrot an der Wand — und soll im kommenden Jahr noch durch einen großzügigen Wintergarten bereichert werden, das „Mediterraneo“ im ersten Obergeschoss allerdings bleibt so, wie es ist. Die Neuerungen sind denn richtigerweise beim Schwitzen zu finden.

„Wir haben ein zweites Dampfbad eingerichtet, das mit schönen Lichteffekten locken wird“, freut sich Jansen. Die große Kuppel über dem Orientbad (ihre Spitze ist jene, die von außen mit Kupfer überzogen wird) wird ebenfalls neu gestrichen, selbstredend sind alle sanitären Einrichtungen von der Pike auf renoviert und „wertiger als früher“ ausgestattet, versichert Jansen und bekräftigt: „Bis auf eine Fachfirma kommen alle ausführenden Firmen aus der Region“.

Von viel Liebe zum Detail zeugt auch eine Neuerung: „Die richtig heißen Saunen haben eine Fußboden-Kühlung bekommen“, zeigt Jansen auf die Erde. Denn in einer Sauna klagt man bekanntlich selten über kalte Füße, dafür um so mehr über glühend heiße Fußböden, die regelmäßig zu ziegenartig anmutenden Bocksprüngen in Richtung Saunatüre veranlassen.

Ein wenig traurig wird regelmäßige Gäste stimmen, dass das türkische Hamam — die warmen Steinliegen wurden belassen wie sie sind — zwar noch ein Jahr bleibt, dann aber abgerissen werden soll. „In den Nischen passieren manchmal Sachen, die da nicht hingehören“, stellte der Thermenchef sachlich fest, außerdem brauche man mehr Ruheräume in der Saunalandschaft, also kommt das Hamam unter den Stemmhammer.

Wer viel Geld ausgibt, muss an anderer Stelle sparen, meint Jansen und stellte die hitzigen Saunaöfen von Strom auf Gas um. „Die Umstellung kostet 90.000 Euro, spart aber knapp 40.000 Euro - pro Jahr.“

Mehr von Aachener Nachrichten