Aachen: Wieder Kühe ausgebrochen

Aachen: Wieder Kühe ausgebrochen

Wildwest im Westzipfel: Erneut musste die Aachener Polizei am Montag eine ausgebrochene Rinderherde durch die Stadt treiben. Schon am Sonntagabend waren Beamte als Cowboys im Einsatz, als etwa ein Dutzend Kühe über die Jülicher Straße trabte.

In beiden Fällen kamen weder Menschen noch Tiere zu Schaden. Allerdings liegen beim betroffenen Landwirt inzwischen die Nerven blank.

„Wenn das so weitergeht, bleibt mir doch nur noch die Stallhaltung”, klagt Peter Chorus. Dabei sieht er - wie wohl die meisten Verbraucher oder Spaziergänger - die Kühe lieber friedlich grasend auf der Wiese. Der Friede werde aber immer wieder gestört durch Zeitgenossen, die Weidezäune durchschnitten, berichtet der Landwirt. So sei auch der Ausbruch vom Sonntagabend zu erklären.

„Ich achte sehr auf die Hütesicherheit”, betont Chorus. Vier Reihen Stacheldraht, der oberste in 1,30 Meter Höhe, und stabile Zaunpfähle alle drei Meter sorgten dafür, dass seine Tiere auf der Weide nahe dem Europaplatz sicher stünden. Das alles nützt jedoch wenig, wenn die Drähte durchgeschnitten werden. „Und ich habe frische Schnittstellen gesehen”, erklärt Chorus am Montag gegenüber den „Nachrichten”.

Das kennt er inzwischen. Bis zu sechsmal jährlich muss der an der Weide unweit der Wurm die Zäune flicken. Was manche Zeitgenossen dazu treibt, die Einfriedung zu knacken, kann er sich selbst nicht erklären. Manche wollten sich im Sommer auf seiner Wiese sonnen, auch Feuerstellen hat er dort schon entdeckt.

Nach Debatten mit Jugendlichen hat er sogar die unterste Stacheldrahtreihe etwas höher montiert, damit Hunde sich dort nicht verletzen können. Bislang sei es gut gegangen, doch nun sei erstmals der Zaun zerschnitten worden, obwohl gerade Vieh auf der Weide stand. Zudem sei ihm berichtet worden, dass die Tiere am Sonntagabend auch noch gejagt worden seien. „Die Leute machen sich offenbar nicht klar, wozu das führt”, so Chorus.

Am Montag führte es glücklicherweise nur zu Behinderungen im Berufsverkehr. Gefährlich sei die Rinderherde - wieder auf der Jülicher Straße - niemandem geworden, berichtet die Polizei, allerdings wurde ein parkendes Auto beschädigt. Die Tiere ließen sich nach einem kurzen Abstecher in Richtung Ludwig-Forum zur Kehrtwende bewegen. In Höhe Metzgerstraße verlegten beamte ihnen den Weg und dirigierten sie ausgerechnet zum alten Schlachthof.

Dort konnten die 13 Kühe vorübergehend festgehalten werden, Landwirt Chorus chauffierte sie dann mit einem Viehtransporter in mehreren Fuhren auf die Weide. „Die stehen jetzt woanders”, sagt er, der Wiese am Europaplatz traut er nicht mehr. Zumal der zweite Ausbruch quasi vor seinen Augen stattfand und ein weiteres Problem des Zusammenlebens von Bauern, Milchvieh und Spaziergängern offenbar werden ließ: Ein frei laufender Hund habe die Herde gehörig aufgemischt, berichtet Chorus, die Rufe seines Herrchens habe er ignoriert.

„Die Kühe waren wie elektrisiert”, berichtet Chorus. Er hatte gerade nochmal die Weide kontrolliert, nach seiner Zaunreparatur am Morgen. Und so sah er dann, wie seine Kühe genau an der mühsam instandgesetzten Stelle erneut durch den Zaun marschierten. Die verängstigten Tiere hätten sich diesen Fluchtweg halt gemerkt, sagt der Landwirt. Und so musste er wieder einen großen Teil seiner eigentlich anderweitig verplanten Arbeitszeit damit verbringen, sein Vieh einzufangen.

So könne es auf die Dauer nicht gehen, sagt Chorus. Er appelliert an Spaziergänger, Hundehalter und andere Naturnutzer, die Sorgen der Landwirtschaft doch bitte ernst zu nehmen. Denn seine Tiere im Stall lassen - das will er eigentlich nicht.

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