Aachen: Wie Kinder sich gegen aufdringliche Erwachsene wehren können

Aachen: Wie Kinder sich gegen aufdringliche Erwachsene wehren können

Lilly hat Nein gesagt, ganz laut. Alle im Bus konnten es hören. Ein junger Mann hatte einfach seinen Arm um ihre Schultern gelegt. Lilly mochte das nicht, und das hat sie dann auch klar und deutlich gesagt. Das fanden auch die Jungen und Mädchen der Kleebachschule in Eilendorf gut.

Wie man mit Gefühlen umgeht, und dass es wichtig ist, an der richtigen Stelle Nein zu sagen, lernten die Schüler beim Präventionstheater der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück. In drei Szenen führten Leo und Lilly vor, wie man reagieren kann, wenn einem etwas nicht gefällt.

Was beispielsweise tun, wenn der Nachbar einen an den Hintern fasst? Leo erzählt es seiner Mutter, und die verspricht, mit dem Nachbarn zu reden. „Dein Körper gehört dir“ steht als Titel über dem Theaterstück, das Kinder vor sexueller Gewalt schützen will.

„Kinder mit geistigen Beeinträchtigungen sind in besonderer Weise von sexueller Gewalt betroffen“, sagt Schulsozialarbeiterin Heike Fitzner. „Sie sind oft motorisch eingeschränkt oder haben keine Sprache, um sich zu wehren“, führt sie weiter aus. Das Präventionsprogramm der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück sei wunderbar geeignet, um mit den Schülern ins Gespräch zu kommen.

„Mein Körper gehört mir“ soll die Kinder darin unterstützen, auf ihre Gefühle zu vertrauen und an der richtigen Stelle Nein zu sagen, sich Hilfe zu holen oder über ihr Problem zu reden. Leo und Lilly machen vor, wie das geht. „Und statt wütend zu werden und den anderen zu beschimpfen, ist es besser, gleich ‚Nein‘ zu sagen“, meint Lilly.

Anders als eine Regelklasse

Lilly und Leo binden die Zuschauer immer wieder ein. Die Antworten kommen allerdings nur sehr zögerlich. „Es ist anders als bei einer Regelklasse“, meint Dominique Mona Güttes, die die Lilly spielt. „Die Szenen sind sprachlich vereinfacht, und wir gehen es langsamer an“, sagt sie. Und auch wenn die Reaktionen der jungen Zuschauer eher verhalten sind, zeigen laut Güttes viele Kleinigkeiten, wie wach die Schüler sind.

Während Lilly und Leo für die älteren Schüler gedacht sind, wird „Die große Nein-Tonne“ für Schüler zwischen zehn und 13 Jahren aufgeführt. Alle Klassen der Kleebachschule kommen also in nächster Zeit in den Genuss einer Theateraufführung. Dem Präventionstheater aus Osnabrück geht es dabei vor allem auch darum, mit den Schülern ins Gespräch zu kommen. Sie sollen von ihren Gefühlen reden und sagen, was sie in schwierigen Situationen tun würden. Anschließend wird das Stück im Unterricht noch einmal besprochen.

Gestärkt durch das Leben

„Kinder, die wissen, wie sie sich in unsicheren Situationen verhalten können, gehen gestärkt durch das Leben“, heißt es im Flyer zu dem Stück. Und genau das sei für Kinder mit Beeinträchtigungen besonders wichtig, meint Heike Fitzner. Denn sie würden besonders leicht Opfer von sexueller Gewalt. Entsprechend wichtig ist, dass ihre Gefühle und Wahrnehmungen ernstgenommen werden. Und dass sie selbst ernst sie nehmen.

Ermöglicht wurde das Theatererlebnis vom Verein „Menschen gegen Kindesmissbrauch“ aus Mühlheim an der Ruhr, der die Kosten für die Aufführung übernommen hat.

(mas)
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