Aachen: Wie Aachen Karl den Großen 1914 feierte

Aachen: Wie Aachen Karl den Großen 1914 feierte

Auch 1200 Jahre nach seinem Tod ist Karl der Große in Aachen präsent wie eh und je. So wie man in diesem Jahr das Karlsjahr feiert, so feierte man Karl auch vor 100 Jahren, 1914, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der das Angesicht Europas für immer verändern sollte. In einer Ausstellung des Instituts für Neuere und Neueste Geschichte kann man derzeit in der Aachener Stadtbibliothek sehen, wie damals die Menschen Karl den Großen feierten.

„Karl der Große ist erst mit dem aufkommenden Nationalismus als Held der Deutschen etabliert worden“, so der Initiator und Hauptverantwortliche der Ausstellung, Sascha Penshorn. Dabei war Karl eigentlich Franke.

Mischung aus Foto und Theater

Gemeinsam mit Studierenden hat Penshorn in einer Übung das Konzept für die kleine, aber hochinteressante Ausstellung entworfen. Gegenstand der Ausstellung sind Fotos von „lebenden Bildern“, die im Januar 1914 im Kurhaus an der Komphausbadstraße zu bestaunen waren. „Diese Bilder waren ein neues Medium“, so Rüdiger Haude, ebenfalls Dozent am Historischen Institut.

Im Grunde sind „lebende Bilder“ eine Mischung aus Fotografie und Theaterstück. Vor der Bühne las die damals noch recht unbekannte Thea von Harbou, die später mit ihren Drehbüchern zu „Metropolis“ und „M — Eine Stadt sucht einen Mörder“ Weltruhm erreichte, Gedichte des berühmtem Mundartdichters Will Herrmanns. Währenddessen stellten Schauspieler, die meisten von ihnen Laien, die Szene auf der Bühne nach. Allerdings bewegten sie sich dabei nicht.

Die Aufführung des sogenannten Balladenkranzes mit insgesamt sechs Stationen war ein voller Erfolg. „Wir wollten wissen, ob sich in diesen Aufführungen bereits eine Kriegsbegeisterung erkennen lässt“, so Penshorn. Sein Fazit: „In der Darstellung Karls in den Bildern zeigt sich eine große Kriegsbegeisterung.“

So werde Karl zwar als Kriegsheld dargestellt, aber nicht als einer, der einer Übermacht gegenübertritt, sondern der die Übermacht ist und seine Feinde dementsprechend behandelt. Bei der Einnahme von Pavia ließ Karl die Einwohner hungern, bis sie aufgaben. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wird diese Einnahme von pavia als positiv dargestellt. Ebenfalls positiv herausgehoben wird die List, die Karl anwendet, um die Maurenherrscher gegeneinander auszuspielen: „Das ist ein Abbild der Realpolitik des wilhelminischen Reiches“, so Penshorn.

Auffällig sei auch die Häufung von Tatzenkreuzen in einigen der Bilder: „Diese hat es zwar schon während der karolingischen Zeit gegeben, hier verbindet man aber das karolinigsche Geschlecht mit dem der Hohenzollern.“ Sozusagen eine Erhöhung der eigenen Herkunft.

„Man wollte damals“, so Penshorn, „mit der Ausstellung zeigen, dass man ein guter Bürger, ein guter Aachener, ein guter Preuße und ein guter Deutscher ist.“ Und das, obwohl sich Aachen und die Preußen nie ganz grün gewesen sind.

Heute ist die Ausstellung ein Blick in die Vergangenheit Aachens. Die Ausstellung in der Stadtbibliothek ist noch bis zum 12. April zu sehen, jeweils zu den Öffnungszeiten der Bibliothek.

Im Juni erfolgt dann eine weitere Ausstellung, die das Thema Kriegsausbruch und Aachen behandeln soll. Diese wird vom 23. Juni bis 18. Juli im Hauptgebäude der RWTH, Templergraben, zu sehen sein.

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