Aachen: Wetterstation in Orsbach wird vollautomatisiert

Aachen: Wetterstation in Orsbach wird vollautomatisiert

Es liegt in der Natur der Sache, dass an einer Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) jede Menge Daten zusammenlaufen. Da wird natürlich die Temperatur gemessen, aber auch Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Windrichtung und Windgeschwindigkeit, Niederschlag, Schneehöhe, Sonnenscheindauer und noch vieles weitere mehr.

In der Station in Aachen-Orsbach ist seit Beginn dieses Jahres noch eine weitere Messeinheit hinzugekommen, nämlich die Zeit. Die läuft für das Personal des Deutschen Wetterdienstes dort mitten in den Feldern zwischen Laurensberg und Orsbach allmählich ab. Denn sämtliche Wetterstationen des DWD werden bis zum Jahr 2021 vollautomatisiert.

In Aachen wird der letzte Mitarbeiter sogar schon früher das Licht ausknipsen, denn „aus heutiger Sicht ist die Wetterbeobachtung in Aachen ab Jahresbeginn 2019 automatisiert“, teilt Uwe Kirsche auf Anfrage der „Nachrichten“ mit. Damit konkretisiert der Pressesprecher des DWD mit Sitz in Offenbach eine Pressemitteilung vom 22. Januar dieses Jahres, die seinerzeit zwar schon veröffentlicht wurde, aber außer den Betroffenen offenbar nur wenigen bekannt war.

„Diese Entscheidung war für uns schon einigermaßen dramatisch“, sagt Jürgen Laufer, der Leiter der Aachener Wetterstation. Denn erst 2011 waren die Aachener Wetterexperten umgezogen — vom Wingertsberg mitten im Stadtpark hinaus nach Orsbach. „Und damals hat man uns zu verstehen gegeben, dass wir uns hier für die nächsten zwei bis zweieinhalb Jahrzehnte einrichten könnten.“ Doch aus den grob veranschlagten 25 Jahren werden nun knappe acht. „Das mussten wir erstmal verdauen“, sagt Laufer auch stellvertretend für seine vier Kollegen. Alle hätten sich samt Familien darauf eingestellt, für längere Zeit in Aachen zu bleiben, erzählt Laufer, „und dann das“.

Keine Kündigungen

Immerhin: Kündigungen muss keiner der Aachener „Wetterfrösche“ befürchten. „Kündigungen gibt es bei der Bundesbehörde nicht“, sagt Uwe Kirsche zu diesem Thema. „Die heute noch fünf Mitarbeitenden der Wetterwarte bekommen neuen Aufgaben im DWD angeboten.“ Dabei werde grundsätzlich auf Sozialverträglichkeit geachtet, betont der DWD-Sprecher.

Das wissen auch Jürgen Laufer und Kollegen zu schätzen. „Unser Riesenvorteil ist, dass wir nicht gekündigt werden“, räumt er ein. Und einige könnten vielleicht sogar in Aachen oder Umgebung bleiben. „Aber was wir genau machen werden“, sagt Laufer, „ist derzeit noch absolut offen“. Doch trotz der sozialen Absicherung ist der 52-Jährige dennoch traurig, weil „ein gesamtes Berufsbild verschwindet“, nämlich das des Wetterbeobachters. Denn neben der Messung von Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und so weiter, die bereits jetzt — auch in Aachen — größtenteils automatisiert abläuft, übernimmt das menschliche Personal die Augenbeobachtung von Sichtweite, Wolkenart und Höhen der Wolkenuntergrenze sowie Wetterzustand (etwa Schnee, Regen oder Nebel). „Und das fällt künftig weg“, sagt Laufer.

Hinzu kommt, dass in Orsbach auch eine eventuelle radioaktive Belastung von Luft oder Niederschlag gemessen wird. Sollte es also im nur rund 60 Kilometer entfernten Kernkraftwerk im belgischen Tihange einen Störfall geben, sind es Laufer und seine Kollegen, die die Folgen als erste nachweisen können. Und diese Messung wird nach wie vor vom Menschen vorgenommen. „Da ist eine automatisierte Messung technisch noch nicht möglich“, sagt der Aachener Chef.

Auch Uwe Kirsche bestätigt aus Offenbach: „Je nach technischer Umsetzung kann die Automatisierung der Radioaktivitätsüberwachung erst etwas später erfolgen. Aber“, betont der DWD-Pressesprecher, „selbstverständlich wird eine automatisierte Messung der Radioaktivität möglich sein.“ Auch außerhalb der Radioaktivitätsmessungen versucht Kirsche zu beruhigen: „Aachen ist auch künftig mit allen zentralen meteorologischen Parametern auf der meteorologischen Weltkarte vertreten.“

Aber eben nicht mehr mit Personal, was Jürgen Laufer schade findet. „Der Kontakt zu den Menschen geht verloren“, bedauert er — zu den Bauern in Orsbach, zum Bademeister am Hangeweiher oder zu den Veranstaltern des Reitturniers in der Soers, wo die Experten aus Orsbach auf der Bühne des Zeitungsverlages stets die aktuelle Wetterlage erläutert haben.

Zumindest letzteres dürfte einem Automaten schwerfallen.

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