Aachen: Westspiel beendet den Standort-Poker

Aachen: Westspiel beendet den Standort-Poker

Nach Jahren des Bangens und Zitterns um das Aachener Spielcasino blicken Stadt und Spielbank-Beschäftigte erstmals wieder optimistisch in die Zukunft. Die Westspiel-Gruppe, die die Investitionen am Standort an der Monheimsallee systematisch zurückgefahren hat, zeigt deutliche Bereitschaft, wieder Geld in die Räumlichkeiten zu stecken.

In einem Aushang an die Mitarbeiter hat Casino-Direktor Hans-Jürgen Strunck jetzt eine „Revitalisierung des Kurhauses” angekündigt. Er äußert sich auf Nachfrage zuversichtlich, dass mit den geplanten Investitionen auch die Bereitschaft von Westspiel einhergeht, sich wieder länger in Aachen zu verpflichten. Eine seit längerem von Westspiel angedrohte Abwanderung nach Köln scheint damit vom Tisch zu sein.

Viele Hintergrundgespräche

Ausschlaggebend für die überraschend positive Entwicklung dürften zahlreiche im Hintergrund geführten Gespräche im Landtag gewesen sein, an denen Karl Schult­heis, SPD, und Reiner Priggen, Grüne, einigen Anteil gehabt haben sollen. Hilfreich sollen auch die guten Beziehungen zu dem aus Aachen kommenden Wirtschaftsminister Harry K. Voigts­berger gewesen sein. Westspiel, eine hundertprozentige Tochter der NRW-Bank, betreibt in Nordrhein-Westfalen vier öffentliche Glücksspieltempel und ist politisch eng vernetzt.

Seit Jahren zurückgehende Besucherzahlen und sinkende Einnahmen in Aachen waren für die Westspiel-Spitze ein Grund, einen Umzug an den Rhein zu erwägen. Fernab von der Konkurrenz in Valkenburg und in einem deutlich größeren Einzugsgebiet hoffte man, die Umsätze steigern zu können. Dagegen sprachen die Verträge, die Westspiel noch bis 2018 an Aachen binden, und der massive Protest der Aachener.

Inklusive der Gastronomie stehen hier immerhin rund 200 Arbeitsplätze auf dem Spiel, rechnet Peter Nolden, Betriebsratsvorsitzender bei Westspiel, vor. Der Stadt gingen zudem regelmäßige Einnahmen aus den Spielbank-Gewinnen verloren - aktuell knapp eine Million jährlich.

Nolden ist überzeugt, dass unternehmerische Fehlentscheidungen für die über die Jahre verlorengegangene Zugkraft des Aachener Casinos verantwortlich sind - eine davon sei die Trennung der Standorte für das klassische Spiel (im Kurhaus) und das Automatenspiel (am Alten Posthof) gewesen. Am Mittwoch deutete Strunck bereits an, dass diese Trennung wohl wieder rückgängig gemacht wird.

Gemeinsam mit Oberbürgermeister Marcel Philipp, Vertretern der NRW-Bank und der Westspiel-Geschäftsführung hat Strunck jüngst zusammengesessen und beraten, wie es vor Ort weitergehen könnte. Gearbeitet wird vor allem an einem neuen Konzept, das dem gesamten Komplex an der Monheimsallee mehr Besucher zuführt. „Dafür stellen wir zwei Drittel des Hauses für eine weitere Nutzung zur Verfügung”, erläutert der Casino-Chef.

Das bedeutet allerdings auch, dass sich das Spielcasino räumlich deutlich verkleinern und künftig mit einem Seitenflügel begnügen wird. „Die großen Flächen brauchen wir nicht mehr”, meint Strunck. So wurden im vergangenen Jahr an den beiden Aachener Spielstättten zusammen nur noch rund 120.000 Besucher gezählt.

Um diese Zahlen zu verbessern, wollen nun Vertreter der Stadt und des Casinos gemeinsam an neuen Konzepten feilen, bestätigt Hans Poth, Pressesprecher der Stadt, auf Anfrage. Unter anderem gehe es dann auch um eine neue Nutzung des alten Kursaals, in dem die Spieltische abgebaut werden sollen. Denkbar sei es, den Saal dem Eurogress für Kongresse zu überlassen. Eine weitere Option sind kulturelle Veranstaltungen. Es sei Aufgabe der Stadt, Partner für eine „adäquate Unterhaltung” zu finden, sagt Strunck. „Es gibt Interessenten” - darunter soll auch ein Varieté-Veranstalter sein. Auch Betriebsratsvorsitzender Nolden sagt: „Wir müssen weitere Anziehungspunkte schaffen und das Haus weiterbeleben.”

Dass in dieser Hinsicht zuletzt einiges schief gelaufen sein muss, entnimmt Nolden nicht zuletzt den jüngsten Zahlen. Im vergangenen Jahr habe es das Aachener Casino nur noch auf einen Bruttospielertrag von 7,4 Millionen Euro erbracht, ein neuer Tiefststand. Im wesentlich kleineren Valkenburg kamen hingegen 41,2 Millionen Euro zusammen.

Umso erleichterter nimmt Nolden nun die neuen Pläne zur Kenntnis. „Alle Beschäftigten sind sehr erleichtert.” Viele hätten Existenzängste gehabt. Dieser Druck sei jetzt gewichen. Oberbürgermeister Philipp sieht die Entwicklung nach Angaben seines Sprechers Poth ebenfalls positiv. Der Landtagsabgeordnete Schultheis mahnt hingegen: „Jetzt ist auch die Kreativität der Stadt gefragt.” Es gebe noch kein abschließendes Konzept, um den Standort wettbewerbsfähig zu halten.

Ehrgeiziger Zeitrahmen

Auch Casino-Direktor Strunck betont, dass Westspiel die geplanten Investitionen an der Monheimsallee nicht alleine stemmen könne. Zugleich unterstreicht er, dass mit „sehr viel Ernsthaftigkeit” an dem Zukunftsprojekt gearbeitet werde. Bis April nächsten Jahres soll die konkrete Planung stehen, die Umsetzung könne bereits Ende 2012 beginnen.

Strunck geht davon aus, dass Westspiel damit auch über das Konzessionsende im Jahr 2018 hinausdenkt und die Kugel auch längerfristig in Aachen rollen lässt.

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