Werke von Johannes Janssen werden im Zeitungsmuseum Aachen ausgestellt

Ausstellung : Kunst aus radikal verkleinerten Zeitungsseiten

Überschrift, Text, Bild, Werbung: Seiten einer Zeitung lückenlos zu bauen, ist eine Kunst. Und Johannes Janssen macht aus Zeitungsseiten tatsächlich Kunstwerke. Bis zum 20. Oktober werden 30 seiner druckgrafischen Werke im Internationalen Zeitungsmuseum in der Pontstraße ausgestellt.

Als Schriftleiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) war Janssen für die Gestaltung der Seiten verantwortlich und entwickelte im Laufe der Zeit einen künstlerischen Nebenschauplatz.

„Die sind aber klein“, sagte eine Frau bei der Eröffnung am Samstagmittag und trat vorsichtig einen Schritt vorwärts, um ein Bild zu betrachten – kaum größer als eine Briefmarke. Museumsleiter Andreas Düspohl grinste. „Das ist ja der Witz daran. Die sind bewusst so klein“, antwortete er. „Janssens Idee war es, Zeitungsseiten radikal zu verkleinern.“ Am Ende entstanden dadurch strenge geometrische Muster.

Eigentlich hängen an der Wand nichts anderes als Skizzen von Zeitungsseiten der FAZ – lediglich verkleinert, vervielfacht und verfärbt. So ist ein Werk zum Beispiel schwarz-rot-gelb hinterlegt und wirkt daher wie die deutsche Nationalflagge. Auf einem anderen Bild sind einzelne Absätze noch mit der Lupe erkennbar. Durch die häufige Reihung der Seitenmotive lösen sich die ursprünglichen Kompositionen mosaikartig auf. „Je kleiner, desto mosaikartiger“, erläuterte Düspohl. Das Ergebnis erinnert an die geometrischen Arbeiten von Piet Mondrian.

Johannes Janssen selbst war bei der Ausstellungseröffnung, die im Rahmen der Aachener Kunstroute stattfand, übrigens nicht anwesend. „Das werden wir nachholen“, versprach Düspohl, der den Künstler im Winter einladen und die Werke dann noch einmal aufhängen will.

Im Anschluss an die Eröffnung zeigte der Museumsleiter den Gästen eine Setzerei, mit deren Hilfe früher Zeitungen per Hand drucktauglich gemacht wurden. Das sei zwar keine Kunst, passe aber thematisch bestens, meinte Düspohl. „In der Setzerei zu arbeiten, war ungeheuer aufwändig.“ Künftig wolle er dort Vorführungen anbieten, die die komplizierte Arbeit eines Schriftsetzers verdeutlichen.

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