Aachen: Wer zahlt die Zeche für die Bauarbeiten in der Eginhardstraße?

Aachen : Wer zahlt die Zeche für die Bauarbeiten in der Eginhardstraße?

Die Eginhardstraße ist eine kleine Anliegerstraße zwischen Pass- und Normannenstraße. Eine, an der nicht viele Menschen wohnen. Eine, die natürlich trotzdem über Abflüsse, Anschlüsse, Kanäle und alles verfügt, was eine Straße an Infrastruktur benötigt. Und an der muss etwas passieren. Auf und unter der Eginhardstraße stehen Bauarbeiten an, die für die Anwohner, so hieß es noch im vergangenen Jahr, ohne Kostenbeteiligung ablaufen würden. Bis zuletzt. Denn da hat sich der Ausgangspunkt in einer Vorlage für die Bezirksvertretung Mitte und später auch den Mobilitätsausschuss massiv verändert. Nun könnten doch noch hohe Rechnungen in die Anliegerbriefkästen flattern.

Denn der Eingriff durch die Stawag, die dort im kommenden Jahr Abwasserkanäle und eventuell Versorgungsleitungen erneuern wird, soll kleiner ausfallen, als zunächst gedacht. An die Hausanschlüsse müsse der Energieversorger nach genauer Prüfung nämlich doch nicht ran.

Genau darin liegt für die Anwohner am Ende möglicherweise aber die Krux. Denn jetzt, wo die Stawag viel weniger umfangreich eingreifen muss als zunächst vermutet, kann die Stadt ihr die Erneuerung der Straße oben drüber nicht zu 100 Prozent in Rechnung stellen. Gleichzeitig hat die Stadtverwaltung aber festgestellt, dass „baulicher und funktionaler Zustand“ der Straße eine „grundhafte Erneuerung“ unbedingt nötig machen.

Die Straße muss also dringend erneuert werden, sagt die Verwaltung. Die Gehwege seien teilweise viel zu schmal, Büsche wüchsen in den Straßenraum hinein. Die Müllabfuhr, heißt es aus dem Presseamt, habe teilweise enorme Schwierigkeiten, den Müll abzufahren, weil geparkte Autos im Weg stünden. Die Müllwagen müssten stellenweise sogar über den Gehweg fahren, um auszuweichen.

Im Ergebnis deutet das alles auf die Überarbeitung der Straße hin. Und zwar eine, die zudem noch teurer ausfällt, als 2017 veranschlagt. Damals war von insgesamt 400.000 Euro die Rede, mittlerweile sind es 600.000 Euro. „Grund sind die gestiegenen Baukosten“, sagt Harald Beckers vom städtischen Presseamt — von 150 Euro pro Quadratmeter auf aktuell etwa 220 Euro. Und von den 600.000 Euro, die alles zusammen kosten soll, wird die Stawag nur etwa 100.000 Euro übernehmen. Von der anderen halben Million Euro muss die Verwaltung einen Teil auf die Anlieger umlegen. Wie viel genau, dass steht noch nicht abschließend fest. Das Bauordnungsamt prüfe gerade, erklärt Beckers. Theoretisch können es bis zu 90 Prozent werden.

Allerdings muss auch das politische Votum noch abgewartet werden — Bezirksvertretung Mitte und Mobilitätsausschuss beraten den Fall in naher Zukunft. Michael Servos (SPD) findet das ebenso wenig passend wie die Kommunikation den Anwohnern gegenüber insgesamt. „Es handelt sich um eine kleine Anliegerstraße, da sollten wir zu allererst einmal die Anlieger hören“, sagt er. Servos will, dass die Maßnahme im Bürgerforum beraten wird und die Anwohner Stellung nehmen können — bevor ein politisches Votum fällt. Sanierungsbedürftig heiße noch lange nicht sanierungspflichtig.

Und wenn er sich vorstelle, wie viele andere, größere Straßen in Aachen über Jahre hinweg in miserablem Zustand geblieben seien — der Grüne Weg etwa — dann müsse man sich schon die Frage stellen, ob hier unbedingt so umfangreich gebaut werden muss, dass eine hohe vier- oder gar fünfstellige Summe auf jeden Anwohner zukomme. Servos will das nicht als Vorwurf an die Verwaltung verstanden wissen. Aber die Verständigung mit den Anwohnern sei nicht optimal gelaufen. Und mit einem Dialog im Bürgerforum „müssen wir die Kommunikation reparieren“.

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