Aachen: Wenn er wollte, könnte Domprobst Helmut Poqué den Dom verkaufen

Aachen : Wenn er wollte, könnte Domprobst Helmut Poqué den Dom verkaufen

Seine Amtszeit als Dompropst endet am 30. September um 23.59 Uhr und 59 Sekunden. Ein Dienstag ist das. „Ich werde mit einem Pontifikalamt verabschiedet“, sagt Helmut Poqué. Vermutlich wird Bischof Heinrich Mussinghoff die Bischofsmesse am Sonntag, 28. September, im Dom zelebrieren.

Schon im März hatte Poqué die Altersgrenze von 75 Jahren erreicht und hätte eigentlich aus dem Domkapitel ausscheiden müssen. Seine Kollegen Domkapitulare und der Bischof aber baten ihn, „halte noch ein paar Monate bis Ende September durch, damit die Heiligtumsfahrt und das Karlsjahr gut über die Bühne gehen können“, erzählt ein aufgeräumter Chef des Kapitels.

Chef von 100 Mitarbeitern

Sechseinhalb Jahre ist der hohe Geistliche, vom Papst zum Monsignore ernannt, dann Vorsitzender des Domkapitels gewesen. Dieses Gremium leitet die Gottesdienste im Dom und verwaltet die irdischen Güter des Münsters, darunter auch etliche Immobilien. Als „Chef“ des Domkapitels ist Poqué der Chef von ungefähr 100 Mitarbeitern, „vom Dombaumeister über die Verwaltungsleute bis hin zur den Lehrerinnen und Lehrern der Domsingschule“. Die residierenden Domkapitulare wählten Poqué im März 2008 zu ihrem Chef, Bischof Mussinghoff akzeptierte diese Wahl.

Der nächste Dompropst wird dann wieder vom Bischof vorgeschlagen, das Kapitel akzeptiert diesen Vorschlag. So steht es im mit dem Vatikan durch das Land Preußen geschlossenen Konkordat, einem staatsrechtlichen Vertrag, der auch für Nordrhein-Westfalen als Nachfolgestaat des Landes Preußen gültig ist.

Der Dompropst ist nicht nur Sprecher des Domkapitels, sondern genießt auch rechtliche Privilegien: Wenn er wollte, könne er auch den Dom verkaufen, erklärt Poqué verschmitzt lächelnd. Und auch der Bischof könne dann nicht eingreifen, denn das Domkapitel ist eine eigene „Körperschaft des öffentlichen Rechts“. Deshalb kann ihm keiner irgendetwas vorschreiben. Allerdings ist er seinem Bischof und den Kapitularen gegenüber rechenschaftspflichtig.

Noch hat der Bischof keinen neuen Dompropst vorgeschlagen, was aber mit dem Rückzug des jetzigen Domchefs bald passieren muss. „Ich habe keine Ahnung, wer nachfolgen wird. Aber da halte ich mich auch vollkommen raus“, versichert der Dompropst.

Seine Wohnung allerdings wird er weiterhin behalten: „Die liegt direkt an der Ecke Klosterplatz und Johannes-Paul-II.-Straße.“ Hintergründig und humorvoll kommentiert er: „Dort habe ich den direkten Überblick, was der Bischof so macht und was sich in der Domsingschule tut und ob die Domschatzkammer pünktlich öffnet.“ Dabei lacht er herzlich. Nach seiner Emeritierung, der Pensionierung also, wird er zwar nicht mehr dem leitenden Klerus angehören, jedoch wird Poqué als Priester im Prälatenstand seine Aufgaben im Dienste des Öcher Münsters weiterführen. Er liest Messen, zelebriert Hochämter, nimmt Beichten ab. Außerdem freut er sich schon auf neue Aufgaben beim Cellitinnenorden zur heiligen Gertrud in Niederau bei Düren. Die Ordensfrauen wird er ab dem 1. Oktober geistlich betreuen.

An Ruhestand denkt der Geistliche noch lange nicht, dazu ist er zu fit. Und ein Amt wird er auch auf jeden Fall behalten: „Ich bleibe Feldkurat der Stadtgarde Oecher Penn.“ Das Amt liegt ihm, er ist gerne bei Aachens ältestem und größten Karnevalsverein. Obwohl er kein Mitglied ist und auch keines werden will.

Im „Mariannen“ geboren

Der 1939 im Mariannen-Institut geborene und in Brand aufgewachsene Helmut Poqué besuchte als Sohn eines Schusters nach dem Volksschulabschluss das Kaiser-Karls-Gymnasium, studierte nach dem Abitur im Jahr 1960 bei den Jesuiten in St. Georgen und an der Maximilians-Universität in München. Nach dem Besuch des Priesterseminars wurde er 1966 in Krefeld durch Bischof Johannes Pohlschneider zum Priester geweiht, von 1979 bis 2004 war er Regens des Bischöflichen Priesterseminars des Bistums Aachen.

Im April 2004 wurde Poqué zum Ehrendomherrn ernannt. Zwischenzeitlich war er auch als Administrator mehrerer pfarrerloser Sprengel, vor allem in Heilig Geist, tätig.