Aachen: Wenn die Bagger am Hof schweigen, wird musiziert

Aachen : Wenn die Bagger am Hof schweigen, wird musiziert

„Es macht ja keinen Sinn, dass wir den Kopf in den Bausand stecken“, sagt Milos Sous vom Domkeller-Team. Vielmehr sorgten er und die umliegenden Gaststätten und Geschäfte des Hof-Viertels gemeinsam mit dem Team der Pfarre Franziska von Aachen dafür, dass demnächst Köpfe nicht in den Sand, sondern aus den Fenstern gesteckt werden.

Und das kam so: Die langjährige Baustelle der Stawag, die im Hof die Kanäle sanieren muss, lässt für die üblichen Hofkonzerte in diesem Jahr keinen Platz. Bühnenpodeste können nicht aufgestellt werden, Musiker und Publikum finden keinen Platz für ausgedehnte Konzertabende. Es nützt also alles nichts: Der vielleicht schönste Platz der Stadt ist zum Saisonbeginn der Außengastronomie in eine Baustelle verwandelt worden. Das lässt sich nicht übersehen und auch nicht ändern. Also hat die Hofgemeinschaft kurzerhand beschlossen, die Konzerte einfach drum herum stattfinden zu lassen. Und weil nicht allzu viel Platz da ist, werden für die Musiker die schmucken kleinen Fenster der angrenzenden Häuser geöffnet.

„Das ist ein Experiment“

Mit Unterstützung der Stawag und der Stadt Aachen werden an den kommenden Wochenenden „Fenster zum Hof“-Konzerte geboten. Immer dann, wenn die Bagger schweigen, wird es im Hof musikalische Aktionen geben. Mal treten Trios auf, mal Duos, mal Einzelkünstler. Es kommt ganz darauf an, wie viel Platz im jeweiligen Häuschen ist. Zu hören gibt es Folk, Jazz, Pop, Reggae, Weltmusik und Klassik.

Nach sechs Jahren in der Reihe der Hofkonzerte gibt es also nun die „Fenster zum Hof“-Konzerte — und Sous sagt: „Wenn es gut läuft, könnte es auch weitergehen.“ Aber er gibt zu: „Das ist ein Experiment.“ Es wird jeweils kleinere Besetzungen geben, dennoch sollen Licht, Ton und Qualität wie gewohnt hochwertig sein. Los geht es am kommenden Samstag, 12. Mai, ab 14 Uhr mit dem Renaud Marquart und Martin Rohdich Duo, Hessam Rassouli und dem Farah Rieli Trio aus den Fenstern der Galerie S. ( siehe Infobox). „Wir haben an drei Wochenenden ein buntes Programm quer durch alle Genres“, so Sous weiter. Allerdings höchst kurzfristig. Es stehen noch nicht alle Programmpunkte komplett fest, es könnte sich auch noch etwas ändern. Daher werden auch keine exakten Uhrzeiten verraten. Man muss eben einfach vorbei kommen und schauen, aus welchem Fenster welcher Künstler spielt. Infrage kommen neben der Galerie S. das Café zum Mohren und das Kafarna:um sowie das Zeitfenster.

„Wir haben ja noch etwas Zeit, das Programm wächst noch“, so Sous weiter. Mit dabei sind aber auf jeden Fall Aachener Größen wie Christina Fischer, Moses und I Finton. Und Sous verspricht, dass es „Kultur ohne Kirmes“ gibt. Sprich, kein Karussell, keine externen Buden. „Hier gibt es genug Gastronomie“, so Sous weiter. „Wir arbeiten hier alle zusammen, es gibt keine Konkurrenz. Daher stemmen wir auch dieses Projekt gemeinsam.“ „Es ist eine attraktive Stelle — trotz Baustelle“, sagt Eva Wußing, Sprecherin der Stawag.

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