Aachen: Weniger Mord und Totschlag, aber Zunahme bei Kellereinbrüchen

Aachen: Weniger Mord und Totschlag, aber Zunahme bei Kellereinbrüchen

Von Natur aus ist eine Kriminalstatistik kein Quell der Belustigung. Dennoch enthält die Datensammlung interessante Entwicklungen und Details. Insgesamt konnte sich Polizeipräsident Klaus Oelze entspannt zurücklehnen, als er den jährlichen Pflichttermin absolvierte: „Wir schreiben wieder ganz gute Zahlen.“

Das gilt auch für die Entwicklung in der Stadt (die Behörde ist für die Stadt und die Städteregion zuständig) und war im Jahr 2011 durchaus anders.

In 2012 aber liegt die Stadt im positiven Gesamttrend: Die Zahl der Straftaten sank um 768 Taten (gleich 2,3 Prozent) auf 32 416, davon wurde etwas mehr als jede zweite (16 666) aufgeklärt. Deutlich weniger wurde etwa der Missbrauch von Kindern angezeigt (27 statt 35), die Rauschgiftdelikte sanken sogar um gut 20 Prozent auf gut 2000. Der Diebstahl von Mopeds und Motorrädern in der Stadt ging ebenfalls deutlich zurück, der von Pkw aber dagegen ist um ein Viertel gestiegen (auf 352). Bei den Metalldiebstählen zeigt die Tendenz stark nach unten (280 statt 600 in 2011). Rückläufige Zahlen im Gesamtbereich auch bei Mord (fünf statt zehn im Jahr zuvor) und Totschlag (14 statt 16). Alle Tötungsdelikte sind bis auf eines aufgeklärt: Im Januar wurde ein Belgier, der bei einem Streit in der Antoniusstraße schlichtend eingreifen wollte, durch eine Stichverletzung schwer verletzt.

Allerdings gibt es in anderen Deliktfeldern auch die gegenteilige Entwicklung. Die Zahl der Wohnungseinbrüche, die den Betroffenen besonders nahe gehen, hat um drei Prozent (26 Taten) zugenommen, die der Kellereinbrüche (1391) sogar fast verdreifacht. Dies führen die Verbrechensexperten auch die Beschaffungskriminalität zurück, Drogenabhängige, die vorher Autos knackten, hätten ihre Masche geändert. Die Beute aus den oft nur durch Lattenverschlägen gesicherten Untergeschossen von Mehrfamilienhäusern sei nämlich leichter zu ergattern und zu verhökern. Die Gewaltkriminalität, erläuterte Kripo-Chef Frank Hoever, sei gleichfalls im Stadtgebiet um 2,3 Prozent gestiegen, so liegt die Zahl gefährlicher Körperverletzungen bei 852 — trotz verstärkter Präsenz im Ostviertel oder Pontviertel und der Arbeit der 20-köpfigen Sonderkommission Flex. Viele dieser Gewalttaten („jugendtypische Delikte“ wie Überfälle auf Geschäfte, Handtaschenraub, aber auch das berüchtigte Abziehen) werden verübt von Tätern unter 21 Jahren.

Über Seniorenberater und in Gesprächen mit Banken versuchen die Ordnungshüter die Latte für die sogenannten Enkelbetrüger höher zu legen, die vorgeben, dass ein naher Verwandter in Not geraten sei und dringend einer größeren Bargeldsumme bedarf. Um fünfstellige Beträge werden ältere Mitbürger da trotz aller Warnungen immer noch geprellt, einmal lag die Summe bei 45 000 Euro. Dennoch scheitern auch viele dieser niederträchtigen Bereicherungsversuche — ein Erfolg auch polizeilicher Aufklärungsarbeit.

Zugenommen haben auch Internet-Delikte, etwa das Bestellen von Ware, ohne zu bezahlen, und Tankbetrügereien, sicherlich, so Oelze, zurückzuführen auf die wirtschaftliche Situation. Besonders stolz sind die Ermittler auf 19 860 Tatverdächtige - das höchste Ergebnis der letzten zehn Jahre.

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