Aachen: Weniger Freikarten und weniger Leute an der Kasse?

Aachen: Weniger Freikarten und weniger Leute an der Kasse?

Von Kaputtsparen ist die Rede, von schmerzhaften Eingriffen in die Strukturen und natürlich vom Wert der Kultur überhaupt: Wenn die Politik um die Finanzierung des Theaters ringt, gehört eine gewisse Portion Dramatik dazu. Hinter den Kulissen hat die Theaterverwaltung derweil ein paar „Konsolidierungsansätze“ ersonnen, die unspektakulär daherkommen, aber auch ein hübsches Sümmchen einsparen könnten.

„Das sind nur ein paar Ideen, die man weiterdenken könnte“, betont Lothar Lennartz, der stellvertretende Verwaltungsdirektor am Theater Aachen. Die könnten aber im Falle ihrer Umsetzung unter dem Strich einen Konsolidierungsbeitrag von rund 300.000 Euro einbringen.

Zwei Drittel davon wären durch höhere Eintrittspreise zu erzielen, wobei Lennartz aber zur Vorsicht rät. So sei das Mörgens als Spielstätte eher auf ein jüngeres Publikum mit teils schmalem Geldbeutel ausgerichtet, „da müssen wir aufpassen.“

Wenn höhere Eintrittspreise zu geringeren Besucherzahlen führen würden, sei am Ende schließlich nichts gewonnen. Das Theater sei eben nicht mit dem Stadtbetrieb vergleichbar, der etwa seine Kosten in die Müllgebühren einkalkuliere, die dann jeder bezahlen müsse. Die Theaterverwaltung prüft noch verschiedene Berechnungsmodelle, um mit höheren Ticketpreisen mehr Einnahmen zu erzielen, ohne die Kundschaft zu verprellen.

Ein bestimmtes Publikum könnte dagegen recht unproblematisch etwas stärker zur Kasse gebeten werden: „Abschaffung der Freikarten und Verteuerung der Dienstkarten“ listet das Papier auf. Ratsvertreter und Mitglieder des Betriebsausschusses können derzeit „für lau“ die Vorstellungen besuchen, für Beschäftigte des Theaters gebe es ermäßigte Personalkarten, wenn noch Restkontingente zur Verfügung stünden, erklärt Lennartz. Wenn hier etwas mehr Geld verlangt würde, sollten jährlich rund 60.000 Euro mehr Ertrag drinstecken.

Internetverkauf nimmt zu

Derweil könnten die Ausgaben um etwa 40.000 Euro gesenkt werden, wenn die Theaterkasse etwas anders organisiert würde. „Immer mehr läuft da über Internetverkauf“, weiß Lothar Lennartz. Zwar sei vielen Besuchern die Beratung wichtig, nicht zuletzt deshalb müsse Personal an der Kasse vorgehalten werden. Es ginge womöglich mit weniger Leuten, wobei Lennartz klarstellt, das niemand um seinen Job fürchten müsse.

„Betriebsbedingte Kündigungen sind sowieso ausgeschlossen“, die Beschäftigten würden dann zur Theaterverwaltung wechseln. Manche hätten da schon Interesse bekundet. „Wenn das ginge, könnte man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, sagt Lennartz.

Daneben sieht die Theaterverwaltung weiteres Potenzial zur Ertragssteigerung in einem „Preis-/Leistungskatalog für die Zurverfügungstellung von Sach- und Dienstleistungen“. Was so sperrig klingt, kann Lennartz an einem Beispiel schlüssig erklären: Die Werkstatt des Theaters, die sonst Bühnenbilder baut, habe auch die Tribüne für das Pressezentrum im Haus Löwenstein zusammengezimmert — zum reinen Materialkostenpreis.

Die Arbeitsleistung könnte künftig in Rechnung gestellt werden, zwischen anderen Abteilungen der Verwaltung sei das üblich, erklärt Lennartz. So bezahle das Theater auch die Feuerwehr, wenn deren Mitarbeiter gemäß Versammlungsstättenverordnung bei Brandsicherheitswachen im Großen Haus oder in der Kammer Dienst schieben.

Neben dem jährlichen Konsolidierungsbeitrag von 300.000 Euro listet das Papier der Theaterverwaltung einen „Einmaleffekt“ in Höhe von 250.000 Euro auf, zu erzielen durch die Festlegung einer festen jährlichen Spielzeitpause. Um echtes Geld, das in der Theaterkasse klingelt, gehe es da nicht, erklärt Lennartz.

Dahinter stecke ein kompliziertes Berechnungsverfahren für Urlaubsrückstellungen, weil der Wirtschaftsplan des Theaters sich an der Spielzeit und nicht am Kalenderjahr orientiere. Das seien Bilanzposten, erklärt Lennartz, „eine rein buchhalterische Angelegenheit“.

Echtes Geld verdient das Theater Aachen mit Pausen also nicht.

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