Aachen: Weniger Einbrüche im Vergleich zu 2013

Aachen: Weniger Einbrüche im Vergleich zu 2013

Weniger eingeschlagene Scheiben, weniger aufgehebelte Türen und Fenster: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist im Vergleich zum Vorjahr um etwa 20 Prozent zurückgegangen — zumindest im Stadtgebiet Aachen. Im gesamten Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion betrug der Rückgang zehn Prozent. Eine Nachricht, die erst einmal positiv klingt.

Aber: Hüben wie drüben eine Zahl „auf einem viel zu hohen Niveau“, stellt Polizeipräsident Dirk Weinspach fest. Gemeinsam mit dem Leiter der Direktion Kriminalität, Ulrich Flocken, und Wilhelm Sauer, Leiter der Kriminalinspektion 1, stellte er Zahlen und Entwicklungen zum Thema Wohnungseinbrüche vor. Die Polizei wolle gegen die traditionell steigenden Fallzahlen in der dunklen Jahreszeit „mit geballter Wucht vorgehen“, sagte Flocken.

Einbrecher haben sich verändert

Neben aktivem Vorbeugen, etwa durch Autokontrollen und aufgestocktem Personal (zwölf statt acht Sachbearbeiter, die sich nur um Wohnungseinbrüche kümmern), ist die Polizei auf die Mitarbeit von Bürgern, vor allem aber auf genaues Wissen bezüglich Täter- und Tatprofilen angewiesen.

Welche kriminelle Klientel für die Ermittler mittlerweile zu einem echten Problem herangewachsen ist, beschreibt Flocken mit Hilfe eines Beispiels: Im Treppenhaus begegnet ein Hausbewohner zwei jungen Mädels. Sie sind total freundlich, grüßen nett. Unten auf der Straße ziehen die beiden sich die Haarnadeln aus der Frisur. Nun haben sie langes wallendes Haar, sehen völlig anders aus als vorher.

Später kommt raus: Im dritten oder vierten Stock haben sie eine Wohnung aufgemacht. „Die haben einen Schraubenzieher unten im BH eingeklemmt“, sagt Flocken. Sie hebeln Wohnungen auf, schnappen sich die Beute und sind im Handumdrehen wieder raus. Sie verhalten sich vollkommen unauffällig, cool und unverdächtig wenn sie auf Leute treffen. Jemand, der seine Wohnung aufgebrochen vorfindet und die Polizei alarmiert, bringe das meist nicht mit netten jungen Mädchen in Verbindung. Schon fehle den Ermittlern ein wichtiger Hinweis.

Täterprofil

Das Täterprofil insgesamt verändert sich. Die Zahl der durch Kinder, Jugendliche und Frauen begangenen Taten nimmt zu. Es sei „eben nicht nur der dunkel maskierte Mann, der mit dem Brech­eisen in der Hand Richtung Wohnung läuft“, erklärt Flocken. Oft seien die jungen Täter in Gruppen unterwegs, fragten nach dem Weg oder ähnlichem, um derweil Gelegenheiten zum Einbruch auszubaldowern.

Immerhin seien in diesem Jahr schon mehr als 200 Fälle aufgeklärt worden, sagt er. 40 Einbrecher wurden vorläufig festgenommen, 20 gingen in Untersuchungshaft. Die Täter stammten vor allem aus dem osteuropäischen Raum, aus Bosnien, Rumänien oder Albanien. 2013 registrierte die Polizei in Aachen bis November 1145 Fälle, im laufenden Jahr steht der Zähler bis Ende November bei 900.

Aachen, Kapitelstraße, 28. November 2014: Bei der Polizei geht ein Notruf ein. Am helllichten Tag sollen Einbrecher in eine Wohnung eingestiegen sein. Eine Streife ist schnell vor Ort. Den Beamten fallen zwei Jugendliche auf, die gerade versuchen, sich aus dem Staub zu machen. Auf der Flucht werfen sie einen Beutel in den Müll. Die Flucht misslingt, in dem Beutel finden die Beamten Goldschmuck. Die beiden Diebe können sich nicht ausweisen, geben an, 12 und 13 Jahre alt zu sein.

Die Polizisten vermuten eine Lüge und fahren mit den Delinquenten in die Klinik, um ein Altersgutachten vornehmen zu lassen. Ergebnis: Die beiden sind zwischen 15 und 17 Jahre alt und damit strafmündig. Altersgutachten lässt die Polizei mittlerweile regelmäßig erstellen, weil jugendliche Kriminelle immer öfter behaupten, unter 14 Jahre alt zu sein. So wollen sie einer Bestrafung entgehen.

Die geraubten Schmuckstücke konnte die Polizei bisher nicht zuordnen. Sie bittet die Bevölkerung um Mithilfe, um herauszufinden, wo die zum Teil auffälligen Stücke gestohlen wurden (siehe Box).

Falsche Einschätzung

An welchen Informationen die Polizei im Zusammenhang mit Einbrüchen besonders interessiert ist, das schätzten Zeugen und Opfer laut Wilhelm Sauer oft falsch ein und reagieren dementsprechend falsch. Sein Appell: Wenn etwas Ungewöhnliches auffällt, sollte man sofort die 110 anrufen! „Genau da liegt noch ein Haar in der Butter“, sagt Flocken.

Die Menschen tauschten sich über verdächtige Beobachtungen viel lieber via Facebook aus. „Das bringt uns nichts“, erklärt er. Und schließlich schätzen viele die Tatzeit, zu der eingebrochen wird, falsch ein. Die liege keinesfalls nur in der Nacht, um als Täter im Schutze der Dunkelheit agieren zu können. Die Täter kämen häufig am Vor- oder Nachmittag, wenn die Bewohner bei der Arbeit sind.

Genau wie die geschnappten Jugendlichen aus der Kapitelstraße. Was aus denen wurde? Sie wurden nach der Tat in eine Pflegefamilie gegeben. Der aktuelle Aufenthaltsort der beiden ist unbekannt.

Mehr von Aachener Nachrichten