Aachen: Weniger Einbrüche als im Vorjahr, Aufklärungsquote bleibt gering

Aachen : Weniger Einbrüche als im Vorjahr, Aufklärungsquote bleibt gering

Drei Mal in nur anderthalb Jahren ist nach Informationen der „Nachrichten“ in einem Mehrfamilienhaus am Rande der Aachener Innenstadt eingebrochen worden. Ein hoher Schnitt, wenn man bedenkt, dass das Haus an einer vielbefahrenen Straße steht und alle drei Einbrüche am helllichten Tag stattfanden.

Die Bewohner des Hauses möchten nicht genannt werden und auch nicht den Namen der Straße verraten, in der sie wohnen. Aber sie wundern sich, denn das Haus wirkt von Außen unscheinbar. Die Ecke, in der sie wohnen, ist keineswegs unbelebt, und es wurden zudem seltsame Dinge entwendet — zumeist am Wochenende.

Dieser Fall ist trotz der hohen Quote als Ausnahme zu betrachten. Denn die Einbruchszahlen in Aachen sind rückläufig. Während im Jahr 2016 noch 1799 Einbrüche angezeigt wurden, waren es 2017 nur noch 1455. Das sind 344 Taten weniger. Aufgeklärt wurden davon in beiden Jahren allerdings nur zwischen 17 und 18 Prozent aller Taten. 627 aller Wohnungseinbrüche waren dabei sogenannte Tageswohnungseinbrüche, darunter versteht die Polizei alle Einbrüche, die in der Zeit zwischen sechs Uhr morgens und 21 Uhr abends stattfinden. So auch geschehen im oben beschriebenen Beispiel.

Beim ersten Mal brachen die Diebe in die Kellerräume des Hauses ein, nahmen ein Fahrrad, Werkzeug, Wein, eine Flasche Limonade und eine volle Packung Waschmittel mit. Beim zweiten Mal — ob es dieselben Täter waren oder andere, ist nicht bekannt — durchwühlten sie eine Wohnung. Beim dritten Mal gingen sie leer aus. Dennoch hebelten sie die Haustür auf und versuchten erneut, die Kellerräume zu öffnen. Inzwischen wurden diese allerdings mit deutlich sichereren Türen ausgestattet, wie die Anwohner mitteilten. So konnten die Täter nur eine Tür öffnen. Doch in diesem Kellerabteil befand sich außer ein wenig Staub: nichts.

Keller sind laut Petra Wienen von der Pressestelle der Polizei ein leichtes Ziel. In der Regel gehe die Polizei nicht vom selben Täterkreis aus, es liege vielmehr daran, dass sich Diebe schnellen Zutritt in Mehrfamilienhäuser verschaffen können und Kellerräume oft einfacher zu betreten sind. „Durch die üblichen Rufe wie ,Post‘ oder ,Paket‘ öffnen viele Bewohner die Türen.

Außerdem kriegt man Kellerverschläge schnell auf“, so Wienen. Die Einbrecher suchen darin Gegenstände, die sie flott zu Geld machen können. Darunter eben Fahrräder, Werkzeug, aber auch „Spirituosen und Leergut“, sagt Wienen. „Auf der Straße, in Hinterhöfen und kleinen Geschäften werden die Sachen dann oft für wenig Geld verkauft“, so Wienen weiter. Beschaffungskriminalität heißt das im Fachjargon. Dass dann schon mal Waschmittel mitgenommen wird, wenn die Packung groß und noch voll ist, klingt verwunderlich, führt aber zum Ziel: Sie bringt Geld ein.

Die Täter sind laut Wienen oft in der Nähe zu finden. Vermutlich halten sie sich in der Gegend regelmäßig auf oder wohnen gar nicht weit weg. Dann fällt auch die Beobachtung des Zielobjektes leichter. Verlassen die Bewohner das Haus, geht es los. Auch am Wochenende und eben auch an belebten Straßen. „In Mehrfamilienhäusern kennen die meisten ja nicht mal alle Nachbarn. Wenn die Täter bemerkt und angesprochen werden, und clever sind, merken sie sich einen Namen auf der Klingel und sagen: ,Ich bin der Enkel von Frau Schmitz‘“, sagt Wienen.

Das könne im Zweifel niemand nachvollziehen. Und wenn der „Enkel“ dann eben das Waschmittel oder den Wein aus dem Keller mitbringen soll, dann klinge das zunächst plausibel. Um die Einbruchszahlen weiter zu senken und solche Fälle zu verhindern, warnt die Polizei immer wieder davor, einfach die Türen zu öffnen. Das zeigt offenbar auch im Januar und Februar dieses Jahres Wirkung. Denn laut Wienen haben sich in den beiden Monaten die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent reduziert. Um diesen Trend fortzusetzen, sollten die Türen zudem auch immer abgeschlossen werden. Und „wenn jemand einem fremd ist, dann sollten die Bürger nicht zögern, die 110 zu wählen. Lieber einmal zu viel, als zu wenig“, sagt Wienen.

(lwe)