Aachen: Wenig Freude am Projekt „Barbarossapark”

Aachen: Wenig Freude am Projekt „Barbarossapark”

Zwei Drittel aller Wohnungen sind bereits verkauft, freut sich Michael Kayser von der Architektengruppe Ziegelmayer-Kayser, über den sich abzeichnenden Erfolg des Projekts „Barbarossapark” im Dreieck Pontstraße, Neupforte, Hirschgraben.

Im Herbst sollen die luxuriösen Eigentumswohnungen, die vor allem ältere Leute ansprechen sollen, bezugsfertig sein. Was die neuen Bewohner freuen wird, stößt unterdessen im Umfeld zunehmend auf Kritik.

Plötzlich im Schatten

Denn mit dem Baufortschritt ist nun auch für Laien erkennbar, welche Dimensionen das Projekt hat. „Auf dem Plan sieht es nicht so kolossal aus wie jetzt in der Realität”, sagt Anni Basev, die in unmittelbarer Nachbarschaft ein Haus besitzt. Wo ihre Mieter einst vom Hinterhof aus den Himmel sehen konnten, blicken sie nun auf eine Betonwand.

Dass brachliegende Grundstücke in der Innenstadt bebaut werden, findet Anni Basev in Ordnung - „aber nicht in diesem Umfang”. Sie ist nicht die einzige, die die Ausmaße des Bauprojekts zunächst unterschätzt hat.

Am Hirschgraben ärgern sich Mieter, dass ihnen durch den Neubau Licht und Sonne genommen werden. „Ein Monstrum” schimpfen sie. Die schönen Plakate mit parkähnlicher Zufahrt und See empfinden sie als Frechheit: „Wo soll da denn noch ein Park hin?”

Derlei Kritik hält Kayser für überzogen, kann sie aber nachvollziehen. „Wer jahrelang auf 3500 Quadratmeter Freifläche geschaut hat, ist immer verblüfft, wenn da plötzlich was steht.” Er betont, dass nur gebaut wird, was auch geprüft und genehmigt sei. „Dabei bleiben wir wirklich bescheiden”, sagt er. So bleibe das Projekt noch unter dem, was rechtlich möglich wäre. Bebaut würden lediglich 1000 Quadratmeter - „weniger als ein Drittel, der Rest bleibt Freifläche”.

Dennoch hat es bereits im Vorfeld der Planungen Kritik an dem Projekt gegeben - weniger allerdings wegen seiner Größe als wegen seines Aussehens.

In den politischen Gremien stimmten die Grünen seinerzeit gegen das Vorhaben, weil es ohne eigenes Bebauungsplanverfahren verwirklicht wurde. Ärgerlich findet Michael Rau, Mitglied im Planungsausschuss, auch den Entwurf selbst: „Ein Solitär, der keinen Bezug zur historischen Bebauung hat.” Die Fassade selbst hält er für eine „Katastrophe” und „kitschig historisierend”.

Kurzer Kontakt

Ähnlich hat es wohl auch der Architektenbeirat der Stadt gesehen. Deren Vorsitzender Rolf Westerheide verweist auf die beratende Rolle des Beirats, um eine qualitätvolle Gestaltung in „sensiblen” und „stadtbildprägenden” Bereichen zu erreichen.

In diesem Fall sei der Kontakt „bedauerlicherweise sehr kurz” gewesen, sagt Westerheide zurückhaltend. Er hätte sich weitere Gespräche und verschiedene Lösungsansätze gewünscht.

Weil der Bauherr andere Ziele verfolgte, blieb der Architektenbeirat zahnlos. Rund zehn Millionen Euro investiert die Delius-Gruppe in das Projekt. Dafür entstehen rund 200 Meter Luftlinie vom Marktplatz entfernt 29 Eigentumswohnungen zu einem Quadratmeterpreis von im Schnitt 2600 Euro.

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