Weiterbildungskolleg: Marliese Schopen neue Leiterin

Weiterbildungskolleg : Marliese Schopen will den Wandel weitertreiben

Marliese Schopen sorgt auch gut einen Monat nach Schuljahresbeginn immer noch für Überraschungen. Das liegt ein Stück weit sicherlich an der Kreativität und dem Einfallsreichtum, die der neuen Leiterin des städteregionalen Weiterbildungskollegs (WBK) nachgesagt werden. Manchmal ist aber auch ihre bloße Präsenz die Ursache. Schließlich hat sich das Verfahren zur Neubesetzung der Stelle im Sommer nahezu unbemerkt vollzogen.

Außerdem hatten nicht wenige Menschen eine ganz andere Person auf dem Chefposten erwartet: Matthias Herrmann. Aber der ist nun wieder das, was er schon mal war, nämlich Stellvertreter. „Ich habe den Entschluss gefasst, mich nicht auf die Stelle zu bewerben“, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit dem Rückzug aus der ersten Reihe ist auch seine Mission der kommissarischen Leitung, die er in der Phase der Zusammenführung von Euregio-Kolleg und Abendgymnasium im vergangenen Schuljahr übernommen hatte, beendet.

Vom Prozess als solchem kann man das noch nicht behaupten. „Im Kollegium ist schon viel passiert. Aber wir haben jetzt zwei Schulen mit langer Tradition unter einem Dach, die sich schrittweise annähern müssen“, betont Herrmann und ergänzt: „Da ist es sicherlich kein Nachteil, wenn jemand von außen kommt, der einen anderen Blick auf die Dinge hat.“

Seit ihrem Dienstantritt in den Sommerferien hat Marliese Schopen diesen Blick zunächst schweifen lassen und dann an vielen Stellen genau hingeguckt. Was sich ihr geboten hat, hat ihr durchaus gefallen, stellt sie in einem ersten Resümee fest: „Ich habe von Anfang gemerkt, dass sich die Kollegien der beiden ehemals eigenständigen Schulen mit sehr viel Respekt und Verständnis begegnen.“ Das schließe eine kritische Auseinandersetzung mit Sachfragen nicht aus: „Hier herrscht ein Klima, in dem auch Diskussionen geführt werden dürfen.“

Gesprächs- und Diskussionsbedarf dürfte es immer noch genug geben. Schließlich mussten und müssen alle Beteiligten eine ganz besondere Herausforderung stemmen: die Verschmelzung einer privaten und einer öffentlichen Bildungseinrichtung, um die politisch lange und intensiv gerungen worden ist. Unbegrenzt Zeit haben sie nicht, denn schon in drei Jahren will die Städteregion den nächste Schritt machen. Dann soll auch die derzeit noch eigenständige Abendrealschule in den Verbund aufgenommen werden. Erste Gespräche, so berichtet Marliese Schopen, haben inzwischen stattgefunden. „Doch ehe wir uns intensiv mit der zweiten Fusion beschäftigen, müssen wir zunächst die erste abgeschlossen haben“, gibt sie die Marschroute vor.

Bei diesem Unterfangen kommen der neuen Leiterin ihre bisherigen beruflichen Erfahrungen zugute. Als ehemalige Gymnasiallehrerin (in Schleiden) und Leiterin einer Abendrealschule (in Bonn) kennt sie die beiden Bildungswege, die das WBK in seinem Angebot hat. Es war auch diese Kombination, die Schopen dazu bewogen hat, sich auf die ausgeschriebene Stelle in Würselen zu bewerben. „Ich wollte wieder in den gymnasialen Bereich zurück, aber auch im zweiten Bildungsweg bleiben.“ Die Ausschreibung für das Weiterbildungskolleg passte somit für sie perfekt. Und, das war zumindest das Ergebnis des Auswahlverfahrens, Marliese Schopen für das WBK auch.

Dass ihr gerade der zweite Bildungsweg sehr am Herzen liegt, wird im Gespräch schnell deutlich. Sie schwärmt von einem „Angebot der besonderen Art, das sehr viel leistet“, und verweist auf die unzähligen in der Praxis erlebten Fälle, „in denen Menschen ihre Bildung und ihren Beruf vernachlässigt oder gar keine Chance bekommen haben, ihren Weg zu gehen.“ Gerade diesen biete das Weiterbildungskolleg mit seinen Studiengängen Kolleg, Abendgymnasium und Abitur online viele Möglichkeiten, das Verpasste nachzuholen.

Das Angebot kommt an, auch wenn die Verantwortlichen keinen Hehl daraus machen, dass sie auf eine noch bessere Bilanz gehofft haben. Immerhin aber ist die Zahl der Studierenden mit gut 470 – davon rund 150 Neuaufnahmen - an den Standorten Würselen (Friedrichstraße) und Aachen (Eintrachtstraße) gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben. „Damit trotzen wir dem Trend“, zeigt sich Marliese Schopen zufrieden. Und betont zugleich, dass sie sich damit nicht zufrieden geben will. Schopen kündigt an, noch intensiver mit dem Jobcenter zusammenarbeiten zu wollen. Außerdem will sie die Angebote des WBK noch stärker auf die Bedürfnisse der Studierenden ausrichten. Nicht zuletzt ist auch die offene Sprechstunde, die jetzt immer mittwochs von 10.15 bis 12 Uhr in der Eintrachtstraße stattfindet, in diesem Kontext zu sehen - verbunden mit einem klaren Bekenntnis: „Der Standort Aachen ist uns sehr wichtig.“

Dass sie mit dieser Aussage weniger überraschen kann als mit ihrer Präsenz, ist wiederum ein Beleg dafür, dass die beiden Einrichtungen tatsächlich immer mehr zusammenwachsen. Immerhin liegen die Zeiten, in denen darüber gestritten wurde, wo das Weiterbildungskolleg angesiedelt werden und wo es seinen Hauptstandort haben sollte, noch nicht allzu lange zurück.

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