Aachen: Weiter Unfriede im Friedenspreis

Aachen: Weiter Unfriede im Friedenspreis

Drei Wochen vor der Verleihung des Aachener Friedenspreises 2011 hat der Verein alle Mühe, sich auf seine wichtigste alljährliche Veranstaltung zu konzentrieren. Überschattet werden die Vorbereitungen von internen Querelen und dem Rückzug der beiden Friedenspreis-Mitglieder Hilde Scheidt und Matthias Fischer aus der Vorstandsarbeit.

Äußerer Anlass für diesen Schritt sind die Auseinandersetzungen um den Friedenspreisträger des Jahres 1998, Walter Herrmann, Initiator der „Kölner Klagemauer”. Wie mehrfach berichtet, werden Herrmann antisemitische und antiisraelische Ausfälle vorgeworfen, von denen sich der derzeitige Vorstand des Friedenspreises aus Sicht von Scheidt und Fischer nicht deutlich genug distanziere.

Während Fischer seine Arbeit als Beisitzer bereits vor knapp zwei Wochen beendete, dies aber aus Rücksicht auf den Verein nicht öffentlich machen wollte, folgte ihm die grüne Bürgermeisterin Scheidt nach längerem Überlegen am Montag. Entscheidender Auslöser war in beiden Fällen eine Solidaritätserklärung für Herrmann, die der Vorsitzende Karl Heinz Otten, seine Stellvertreterin Vera Thomas-Ohst und der frühere Vorsitzende Gerhard Diefenbach verfasst hatten. Besonders heikel: Das Schreiben entstand wenige Tage nach einer Mitgliederversammlung, auf der sich der Friedenspreis mit Ach und Krach auf eine Haltung zu Herrmann verständigt und sich deutlich von jeglichen antisemitischen Äußerungen, Karikaturen und Botschaften distanziert hatte.

„So kann man im Vorstand nicht arbeiten”, kritisiert Scheidt, die von dem Schreiben erst nach der Veröffentlichung erfuhr. An die Adresse des Vorsitzenden und seine Stellvertreterin fügt sie hinzu: „Jeder muss sich fragen, ob man im Vorstand für sich oder für den Friedenspreis arbeitet.”

Derweil hält Otten die Antisemtismus-Vorwürfe gegen den Friedenspreis-Verein für ungerechtfertigt und konstruiert. Er glaubt, Scheidt und Fischer hätten dem Verein eine völlig unnötige Debatte eingebracht. „Es kann doch nicht um die Nuancen gehen, wer sich noch ein bisschen mehr distanziert.”

Zu Scheidts und Fischers Rückzug aus dem Vorstand sagt er: „Das ist logisch und konsequent.” Darüber hinaus will er keine weiteren Erklärungen abgeben, „damit endlich Ruhe einkehrt”. Schließlich gehe es jetzt darum, die Aufmerksamkeit auf die diesjährigen Preisträger, den Pazifisten und Rüstungsgegner Jürgen Grässlin sowie die Informationsstelle Militarisiserung, zu lenken. „Wir haben gute Preisträger und gute Laudatoren”, blickt Otten auf die Preisverleihung am 1. September in der Aula Carolina. Dort werde er auch etwas zu der derzeit alles überschattenden Antisemtismus-Debatte sagen.

Der Verein habe nach wie vor „ein wunderbares Renommee nach außen”, sagt Otten, „aber nach innen ist Krieg”. Er ist überzeugt, dass die derzeitige Diskussion „von interessierter Seite lanciert” sei, um den Verein in Verruf zu bringen. „Hier will jemand dem Friedenspreis Böses.” Namen will Otten nicht nennen. Dass die Solidaritätserklärung für Herrmann ein Fehler gewesen sein könnte, glaubt er hingegen nicht.

Ob er zur Vorstandswahl am 25. November nochmals antritt, ist für Otten noch offen. „Mit 67 denkt man schon darüber nach, ob man sich diesen Ärger noch antun muss. Andererseits hätten dann die gewonnen, die das losgetreten haben.”

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