Aachen: Weiher war eine Brutstätte für Malaria

Aachen: Weiher war eine Brutstätte für Malaria

Erst muss die Sache die Bezirksvertretung Aachen-Mitte passieren. Die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen und Mitarbeiter des Geologenbüros ahu wollen die Straßenschilder, die sich auf Aachens Bäderwelt beziehen, mit erklärenden Zusatzschildern versehen.

Damit soll das Projekt Thermalwasserroute einmal mehr nach außen verdeutlichen, wie wichtig für Aachen die vielen Quellen, Brunnen und Bäche sind, die vielfach gar nicht mehr zu sehen sind.

Am Mittwoch, 11. Juni, wird den Politikern der Gemeindevertretung die Idee von Adelheid Siebigs und Nadine Lennartz vorgestellt. Die beiden haben sich so richtig ins Zeug gelegt und recherchiert, was es mit den bestimmten Straßennamen auf sich hat.

Die Kosten für diese Zusatzschilder sollen durch Spenden aufgebracht werden, so könnten Bürger beispielsweise ein Drittel, die Hälfte oder eben ein ganzes Schild „kaufen”.

Ein Zusatzschild kostet um die 75 Euro, mal mehr, mal weniger, je nachdem, was draufsteht. Aber erst müssen die Bezirksvertreter ihre Zustimmung geben, dann kann die Beschilderung beginnen, die der Stadt immerhin ein wenig mehr Prestige bringt und sie keinen Cent kosten soll.

Zwei Bäche

Dann wird dem Straßenschild Bachstraße zu entnehmen sein, dass die Wurm in Richtung Zollernstraße entlangfließt. Die Wurm fließt dort in zwei parallelen Läufen, als „warmer Bach” durch die Aufnahme überschüssigen Thermalwassers aus den Bädern und als „kalter Bach” - einem künstlichen Abzweig der Wurm.

Und wer wusste denn schon, dass sich bis vor exakt 150 Jahren an der tiefsten Stelle der Warmweiherstraße tatsächlich ein Weiher befand, in dem das überschüssige heiße Wasser der Burtscheider Bäder gesammelt wurde?

Seltene, exotische Pflanzen wuchsen in diesem Klima. Allerdings, Stechmücken sorgten regelmäßig für schreckliche Malaria-Epidemien. Deshalb wurde der Weiher im Jahre 1858 zugeschüttet.

Vielen Aachenern ist auch nicht mehr im Bewusstsein, dass die Kurhausstraße von mehreren großen und prachtvollen Kurhäusern und Hotels gesäumt war. Sogar ein prächtiger Kurgarten lud dort zum Aufenthalt auf.

Der europäische Adel gab sich hier die Klinke in die Hand, Könige und Kaiser, Fürsten und Grafen hielten sich in Aachen auf. Da durfte auch ein gewisser Casanova nicht fehlen. Von den Prachtbauten steht nur noch das Alte Kurhaus, das 1781 als Neue Redoute errichtet wurde. Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde es wieder aufgebaut.

Auch die Komphausbadstraße war im 17. und im 18. Jahrhundert ein Mittelpunkt des europäischen Kurwesens. Benannt ist die Straße nach dem Komphausbad, das seit dem 14. Jahrhundert nachgewiesen ist.

Die heißen Quellen wurde als Tuchwalke genutzt. Die Tuche wurden im Bottich, im Komp, gewalkt, im benutzten Wasser durften dann die Armen ihrem „Badevergnügen” nachgehen. Weitere mit dem Quellen-, Brunnen-, Bäder- und Kurwesen verbundene Straßen werden wir noch vorstellen.

Mehr von Aachener Nachrichten