Wegen Nebenjob: Aseag-Vorstand in der Kritik

Michael Carminckes Nebenjob: Linke kritisieren Nebentätigkeit des Aseag-Chefs

Nachdem sich bereits der frühere Fraktionschef der Grünen in NRW, Reiner Priggen, öffentlich empört über die Nebentätigkeit des Aseag-Chefs Michael Carmincke geäußert hat, legte nun auch Leo Deumens, Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat, nach. „Unsäglich“ nannte er den Nebenjob.

MIchael Carmincke habe genug mit der Aseag zu tun, er solle daher nicht noch nebenher weitere Arbeiten annehmen, erklärte Deumens während der jüngsten Sitzung des Stadtrats, die am Mittwochabend stattfand. Schon am Dienstag zuvor hatte sich Reiner Priggen in einem Brief an Oberbürgermeister Marcel Philipp in ähnlicher Weise geäußert. Er verstehe nicht, wie jemand in einer solch verantwortlichen Position die Zeit für zusätzliche Geschäftsführungen in privaten Unternehmen habe. Er verwies zugleich auf die großen Herausforderungen, vor denen die Aseag im Zuge der Verkehrswende steht, und die vielen Probleme, die seit Einführung der neuen E-Tickets zu bewältigen sind. Den OB hat er aufgefordert, „derartige Sachverhalte in städtischen Gesellschaften“ zu beenden.

Für die CDU hat Ferdinand Corsten die Kritik im Rat umgehend als „unfair“ und fehl am Platze zurückgewiesen, zumal sie sich nur auf einen Pressebericht berufen könne, ohne weitere Hintergrundkenntnisse zu haben.

Unsere Zeitung hat Anfang der Woche die vor zwei Jahren vom Aufsichtsrat der Aseag genehmigte Nebentätigkeit Carminckes als Geschäftsführer für den Kölner Bauträger „PlanBar“ öffentlich gemacht. Einen Konflikt mit seinen Aufgaben als Aseag-Vorstand sieht Carmincke (Jahresgehalt rund 264\.000 Euro) nicht. Man könne ihm „als Allerletztes vorwerfen, dass ich den Problemen hier zu wenig Zeit widme“, erklärte er. Er sei sich seiner Verantwortung bewusst.

Nicht alle Politiker scheinen das ebenso zu sehen. Auch in Reihen von CDU und SPD soll der Ärger über die Zweit-Geschäftsführung durchaus groß sein. So kursieren auch Gerüchte, wonach dem jetzigen Alleinvorstand womöglich ein gleichberechtigter Partner an die Seite gestellt werden könnte.

Davon wisse er nichts, erklärte allerdings auf Anfrage Heiner Höfken, SPD-Ratsherr und Vorsitzender im Aseag-Aufsichtsrat. Er betonte, dass die Nebentätigkeit der Politik seit zwei Jahren bekannt und im Aufsichtsrat ausführlich erörtert worden sei. Da die Tätigkeit seines Wissens nach „ohne Entlohnung und mit minimalem Aufwand“ erfolge, sei sie für niemanden ein Problem gewesen. Einzig der Grünen-Vertreter habe dagegen gestimmt.

Die derzeitigen Pannen bei der Aseag haben auch aus Sicht von Höfken nichts mit der Nebentätigkeit von Carmincke zu tun. „Das einzige, was man ihm vorwerfen kann, ist, dass er das Funktionieren der eingekauften Software zu optimistisch eingeschätzt hat. Aber ich kann nicht sehen, dass er nicht seine volle Arbeitskraft dem Unternehmen zur Verfügung stellt.“

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