„WE@AC“ untersucht Vernetzung nachhaltiger Initiativen in Aachen

Zu wenig Kooperation : Viele kochen ihr eigenes Nachhaltigkeitssüppchen

„Fridays for Future“, „Klimanotstand“, „Stopp Tihange“: Wer alle Aachener Organisationen nachhaltiger Themen auflisten möchte, der braucht ein großes Stück Papier. In der Städteregion gibt es inzwischen knapp 200 solcher Gruppen, Initiativen und Vereine.

„Und nach wie vor kommt fast wöchentlich eine hinzu“, erklärt Madeleine Genzsch, Projektkoordinatorin der Studie „WE@AC“. Unter dem Motto „Gemeinsam. Nachhaltig“ versucht diese, die Vernetzung und Professionalisierung umweltbewusster Organisationen in der Region zu untersuchen.

Ob Mobilität, Ernährung, Müllvermeidung, erneuerbare Energien oder fairer Handel – Nachhaltigkeit hat viele Facetten. Trotzdem widmen sich oftmals gleich mehrere Organisationen demselben Thema. „Es ist auffällig, wie wenig dabei kooperiert wird“, meint Genzsch. Statt gemeinsam an einem Aachener Rezept zu arbeiten, kochen viele lieber ihr eigenes Süppchen. Die Gründe: Nichtwissen, Egoismus oder die Angst vor Bevormundung. „Jeder fängt sozusagen bei null an“, erläutert Dr. Raphaela Kell, die unter anderem bei der Regionalen Resilienz Aachen tätig ist. „WE@AC“ will die Kräfte der Initiativen bündeln und Synergien schaffen. „Nicht jeder ist zum Beispiel in der Lage, gute Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben“, sagt Jan Salzmann vom Eine Welt Forum.

Im Mai dieses Jahres startete die anderthalbjährige Studie. Insgesamt rund 100.000 Euro pumpt die Stiftung Umwelt und Entwicklung in das Kooperationsprojekt des Eine Welt Forums und – des an die RWTH angegliederten Vereins – der Regionalen Resilienz Aachen. Nachdem zu Beginn vor allem administrative Hürden überwunden wurden, soll in naher Zukunft die Außenwahrnehmung der Organisationen ermittelt werden – per Fragebogen. Im Anschluss verhelfen Interviews dazu, etwas über die Selbstwahrnehmung der Gruppen herauszufinden.

Was nützt die Studie also? Einerseits könnte bis zur Abschlusspräsentation im November 2020 ein Maßnahmenkatalog entstehen, der die Politik mit konkreten Vorhaben unter Druck setzt. Andererseits habe das Projekt „eine Signalwirkung für andere Städte“, versichert Kell. Aachen könnte demnach eine vorbildliche Stadt werden, die nicht nur viele, sondern auch gut vernetzte nachhaltige Organisationen hat. „Für das Nachhaltigkeitsthema sind hier eh längst alle begeistert“, sagt Genzsch und ergänzt: „Jetzt müssen wir sie füreinander begeistern.“

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