Aachen: Was wird aus dem Kurwesen in Burtscheid?

Aachen : Was wird aus dem Kurwesen in Burtscheid?

Von den elf Badehotels, die es in Burtscheid im 19. Jahrhundert zur Blütezeit des Kurwesens gegeben hat, ist heute nicht mehr viel zu sehen. Dass die Stadt den Titel „Bad Aachen“ trotzdem tragen darf, ist unter anderem zwei Reha-Einrichtungen zu verdanken: der Rosenquelle der katholischen Stiftung Marienhospital und dem Schwertbad der Salvea GmbH, hinter der die Inoges Aktiengesellschaft steckt.

Die Kliniken sind in die Jahre gekommen, brauchen mehr Platz. Dass sie diesen auf Burtscheider Boden bekommen, dafür setzen sich derzeit verstärkt Kommunalpolitiker ein. Am Mittwoch kommt das Thema „Nachhaltige Sicherung des Kurstandorts Burtscheid“ auf die Tagesordnung der Bezirksvertretung Aachen-Mitte, in der kommenden Woche beschäftigt sich der Stadtrat mit der Sache.

„Das Schwertbad will sich erneuern, kann das aber in den bestehenden Räumlichkeiten in Burtscheid nicht tun“, erklärt Harald Baal, Fraktionsvorsitzender der Aachener CDU, im Gespräch mit den „Nachrichten“. Auch die Rosenquelle an der Kurbrunnen-straße müsse über kurz oder lang saniert werden. So würde derzeit auch darüber gesprochen, ob die beiden Kliniken Rosenquelle und Schwertbad eventuell in einem Neubau gemeinsam unterkommen könnten.

Standorte werden geprüft

Seit mehreren Monaten wird in Aachen über mögliche neue Standorte für das Schwertbad diskutiert. Ein Grundstück an der Jägerstraße, das sich im Besitz des Landes befindet und derzeit von der RWTH genutzt wird, wäre von der Lage und der Fläche her zwar optimal. Wie die Verwaltung erklärt, wird das Gebäude aber frühestens im Jahr 2024 vollständig geräumt werden können — für das Schwertbad könnte das zu spät sein.

Auch über das Kloster an der Michaelsbergstraße, das derzeit bewohnt wird, gibt es Gespräche — auch zwischen der Inoges AG und den Ordensschwestern. Wie die Stadtverwaltung erklärt, gibt es Überlegungen, das Schwertbad in das teils denkmalgeschützte Klostergebäude einziehen zu lassen und dazu noch einige neue Gebäude im Klostergarten zu errichten. Der Standort wäre jedoch so begrenzt, dass Teile des Schwertbads ausgelagert werden müssten nach Bardenberg. Das alte Krankenhaus befindet sich ebenfalls im Besitz der Inoges.

Keine Option, so heißt es in der Vorlage der Aachener Stadtverwaltung, ist der Standort der auslaufenden Gemeinschaftshauptschule an der Malmedyer Straße. Auch wenn die Hauptschule selbst in den kommenden fünf Jahren ausläuft, werden die Räume vom Käthe-Kollwitz-Berufskolleg sowie für die Erzieherinnen-Ausbildung der Stadt Aachen genutzt. Auch wolle man sich vor dem Hintergrund der Weiterentwicklung der Aachener Schullandschaft keine Möglichkeiten verbauen, heißt es aus der Verwaltung.

Natürlich sind die Kommunalpolitiker und die Verwaltungsfachleute nicht die einzigen, die sich Gedanken über den Kurstandort Burtscheid machen. „Auch zwischen den Akteuren der Aachener Reha-Kliniken gibt es selbstverständlich Gespräche über die Zukunft des Standorts Aachen“, sagt Reinhard Strauch, Geschäftsführer des Schwertbads, auf Anfrage. Auch sei ein runder Tisch eingerichtet worden mit allen Beteiligten, der bald in die zweite Runde gehe. Für ihn steht weiter fest: „Für uns wäre ein Verbleib in Burtscheid natürlich die ideale Lösung. Doch es gibt eben auch einen entsprechenden Raumbedarf.“

Bereits im März hatte der Vorsitzende der Inoges AG, Wolfgang K. Hoever, in einem Pressegespräch erklärt, dass man in Aachen bis zu 100 Millionen Euro in ein neues Schwertbad investieren wolle. Damit will der Unternehmer nicht nur das bisher bestehende Reha-Angebot auf den neuesten Stand bringen, sondern in Aachen ein Pilotprojekt starten. Gerade für Neurologiepatienten, so argumentierte Hoever, gibt es eine Versorgungslücke zwischen dem Aufenthalt in der Intensivstation eines Krankenhauses und der klassischen Reha. Diese Lücke soll in Aachen mit einem neuen Konzept geschlossen werden.

Rosenquelle wird saniert

„Die katholische Stiftung Marienhospital ist an dem Fortbetrieb der Reha interessiert“, sagt Thorsten Keuschen, Geschäftsführer des Marienhospitals. Auch sollen die bestehenden Gebäude nach und nach saniert werden, dafür hätten sich auch die unterschiedlichen Gremien der Stiftung ausgesprochen. Auch Keuschen bestätigt, dass es Gespräche mit der Inoges gegeben habe. „Dabei ging es allerdings nicht um ein gemeinsames Konzept, sondern um die Übernahme der Rosenquelle durch die Inoges“, sagt Keuschen. Ergebnisse zu diesen Gesprächen gebe es bislang jedoch noch keine.

„Wir sind sehr daran interessiert, dass der Kurstandort Burtscheid erhalten bleiben kann“, erklärt auch Karl Schultheis, Vorsitzender der Aachener SPD, der das Thema auch auf Landesebene begleitet. Die Stadt solle auch in Zukunft Kur-, Bade-, Reha- und Gesundheitsstandort bleiben, das sei fraktionsübergreifend Konsens.

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