Aachen: Was Varnenum war: Neue Stele klärt jetzt auf

Aachen : Was Varnenum war: Neue Stele klärt jetzt auf

Seit mindestens zwölf Jahren steht der gallorömische Tempelbezirk Varnenum auf der Liste. Schaubs Liste. Schon als Andreas Schaub damals Stadtarchäologe in Aachen wurde, war klar: das Bodendenkmal am Rande Kornelimünsters braucht eine Infotafel, die Besucher darüber aufklärt, was sie da genau vor sich haben.

Nun ragt eine Infostele vor den Resten der rund 2000 Jahre alten Anlage aus dem Gras. Das Bodendenkmal von der Straße aus zu finden ist allerdings immer noch Glückssache. Die Frage sei immer, sagt Schaub: Wie lange wartet man mit dem Aufstellen einer Infotafel, wenn immer wieder neue Infos auftauchen, die eigentlich eine Korrektur der Tafel nötig machen?

Stadtarchäologe Andreas Schaub (3. v. l.) und Ulrike Müssemeier vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege (3. v. r.) stellen am gallorömischen Tempelbezirk Varnenum die Infostele vor. Foto: Harald Krömer

Ständig ändern könne man die Tafel ja schließlich auch nicht. Diese Frage begleitet den Stadtarchäologen, seit er in Aachen begann. Die Antwort lautete schließlich: Man wartet, bis Informationen und Funde aus den Ausgrabungen am Platz wieder auftauchen. In den Jahren zwischen 1907 und 1924 wurde Varnenum erstmals ergraben. Fotos, Skizzen und Notizen verschwanden jedoch ebenso wie ein Großteil der ausgegrabenen Fundstücke. Lange waren die Sachen verschollen, bevor sie vor kurzer Zeit wiederentdeckt wurden. In einer Kiste im Stadtarchiv waren Fotos, Skizzen und Notizen zum Vorschein gekommen, etliche Fundstücke fanden sich im Depot des Landesmuseums Bonn wieder.

Geomagnetik, -elektrik, -radar

Zwei weitere Gründe sprachen dafür, jetzt in die Presche zu springen und die Infostele vor den antiken Mauern zu installieren — wenn es schon keine Beschilderung im Ort und von der Straße aus gibt. Zum einen war da Manuela Broisch, die seit 2016 auf dem Areal Untersuchungen durchführte, um Lage und Ausdehnung der den Tempel umgebenden Bebauung zu erfassen. Die Messungen mittels Geomagnetik, Geoelektrik und Georadar wurden im Januar 2018 gerade abgeschlossen. Ihre Forschung werden auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Broisch wird die Ergebnisse ihrer Arbeit am 29. Mai um 19 Uhr im Fachzentrum Paradies, Benediktusplatz, vorstellen.

Zur „ArcheoRegion Nordeifel“

Der vielleicht entscheidende Auslöser für die Aufstellung der Stele aber war die Idee von Ulrike Müssemeier vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege, den Tempelbezirk Varnenum in die „ArcheoRegion Nordeifel“ zu integrieren. Die Infotafel hat das Design erhalten, wie es fast alle Infotafeln vor archäologischen Denkmälern der „ArcheoRegion“ tragen.

Mit Varnenum werden es insgesamt 44 sein. Die Entdeckertipps der „ArcheoRoute“ umfassen Denkmäler aus etlichen Erdzeitaltern, vom Mitteldevon vor rund 380 Millionen Jahren bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Der gallorömische Tempelbezirk liegt mit dem Alter zwar nicht genau, aber irgendwo dazwischen. Aufgrund der Funde können die Archäologen eine erste Nutzung des Areals für 20/15 vor bis 20/30 nach Christus belegen. Im Rest des ersten Jahrhunderts nach Christus reißen die Funde aus bisher unerklärlichen Gründen ab. Anschließend waren Römer auf dem Gelände wohl bis ins vierte Jahrhundert und damit spätrömische Zeit hinein beschäftigt.

Infos, die nun jeder Spaziergänger und Besucher von Varnenum auf der rund 1300 Euro teuren Tafel aus witterungsbeständigem Material lesen. Finanziert wurde sie aus Mitteln der Stadtarchäologie Aachen. Beteiligt hatte sich auch das Stadtarchiv mit historischen Fotos.

Den nächsten Schritt, der Varnenum zuliebe nun zu tun ist, den legte Jakob von Thenen, Bezirksbürgermeister von Kornelimünster, bei der Vorstellung der Stele am Dienstag fest: „Eine richtige Ausschilderung ist unser nächster Kampf. Schön, dass Sie hergefunden haben.“