Diskussion in Haus Löwenstein: Was macht die Marke Aachen aus?

Diskussion in Haus Löwenstein : Was macht die Marke Aachen aus?

Wer und was sind wir eigentlich? Wir, die Stadt Aachen. Was ist ihr unverwechselbares, wiedererkennbares Gesicht? Um diese Fragen ging es im Haus Löwenstein. Der Förderverein „aachen-fenster“ hatte eingeladen zum Thema: „Die Marke Aachen als Impulsgeber für das Stadtgeschehen?“

„Ein definiertes Bild von Aachen: abgestimmt, einheitlich, kompakt.“ So beschreibt der städtische Fachbereich für Presse und Marketing die „Stadtmarke“. Was sie näher betrachtet meint, erläuterten Presseamtsleiter Bernd Büttgens und Marketing-Chefin Jutta Bacher. Sie stellten noch einmal – wie schon im Hauptausschuss – den unter ihrer Federführung stehenden „Markenprozess für Aachen“ vor. Es geht um die Untersuchung, in der in Stadt und Region sowie bundesweit repräsentativ das Image von Aachen abgefragt wurde.

Was kann Aachen besonders gut?

Was macht die Stadt zu etwas Besonderem oder sogar einzigartig? Welche Aspekte fallen spontan zu Aachen ein? Die Antworten auf solche Fragen wurden in Workshops zu den Kernthemen Wissenschaft und Wirtschaft, Lebensqualität und Lebensgefühl sowie Geschichte und Tradition analysiert.

Das Ergebnis sind drei „Markenbausteine“ für Aachen: Wegweisendes Zukunftslabor (exzellente Hochschulen, agile Forschungs- und Start Up-Kultur), Europäischer Mikrokosmos (grenzenlose Nachbarschaft, entspannte Urbanität), Historischer Hot Spot (epochale Geschichte, prägnantes Lokalkolorit).

Der „Aachen-Charakter“ gilt als „gelassen, unaufgeregt dynamisch, innovativ weltoffen, zugewandt“. „Kluge Köpfe, kurze Wege, Karls Erbe“ seien „prägnante Leitmotive“.

Und jetzt? „Wohin soll Aachen aufbrechen?“ provozierte Stadtplanerin Ina-Marie Oraviec vom Vorstand des „aachen-fensters“, die bestens auf die Thematik eingestellt die Veranstaltung für den verhinderten Vorsitzenden Hans-Dieter Collinet moderierte. Solle Aachen etwa auf „Be Berlin!“ machen, „Sei Stadt, sei Wandel, sei Berlin“?

Es geht nicht um einen Slogan

Doch um einen Slogan, ein neues Logo oder eine Werbekampagne ging es beim „Markenprozess“ nicht, machten Büttgens und Bacher deutlich. Der Prozess beschreibe den „Ist-Zustand“. Er beantworte die Fragen: „Wo stehen wir, welche Marken existieren?“ Auf ihnen sei aufzubauen. Bei der Marke „Wegweisendes Zukunftslabor“ mit der exzellenten RWTH und den anderen Aachener Hochschulen gehe es jetzt beispielsweise darum, „die Hochschulgesellschaft und die Stadtgesellschaft zusammenzubringen“, so Büttgens. „Ein Thema, das uns in den nächsten Jahren beschäftigen wird.“

Während in der Diskussion ein Teilnehmer „den Aufbruch“ vermisste – „Was kann ich mit dieser Marken jetzt anfangen?“ -, sprach Marketing-Fachmann Till Schüler von einem „Super-Ergebnis“. Es umzusetzen werde „sicher ein paar Jahre dauern, wir müssen Geduld haben“. Fred Quarten, Ex-Chef des Stadtplanungsamts, vermisste etwas, „das Herz oder Bauch warm macht. Wo bleibt das Aachener Lebensgefühl?“

Ratsherr Michael Rau von den Grünen sprach von der „Sehnsucht, dass (in Aachen) etwas passiert“. Die Marken könnten dazu „ein Werkzeug sein“. Raus Kritik: „50.000 Studierende kommen in der Analyse zu knapp weg.“

Richtschur für die Politik

Der Markenprozess gebe „eine Richtschnur“ für Stadt und Politik zum Thema „Wer sind wir, wer könnten wir sein“, bilanzierte Oraviec. „Was sind die nächsten Schritte, wer muss jetzt arbeiten?“ fragte sie. „Wir werden ganz praktisch zusammenarbeiten mit allen Leuten, die auf den Gebieten der Marken wirken. Mit den Hochschulen sind wir im guten Austausch. Wir müssen die Themen in die Stadtgesellschaft hineintragen. Gute Impulse erwarten wir aus dem politischen Bereich“, umriss Büttgens das weitere Vorgehen. Kollegin Bracher ergänzte: „Wir werden dicke Bretter bohren müssen.“

Das Bohren kann bei der Stadtgesellschaft – sprich den Bürgern – beginnen. 20 Besucher hatten den Weg ins Haus Löwenstein gefunden.

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