Aachen: Was ist der Stadt das Theater wert?

Aachen : Was ist der Stadt das Theater wert?

Wie sehr hängt Aachen an seinem Theater? Oder besser gefragt: Wie sehr bekennt sich die Aachener Kommunalpolitik zum Theater? Diese Frage wird in absehbarer Zeit in den Fraktionen diskutiert werden müssen. Dann nämlich, wenn die finanzielle Rücklage des Hauses aufgebraucht ist.

Dieser Punkt ist am Horizont bereits zu erkennen. Und er rückt immer näher. Zum 31. Juli vergangenen Jahres betrug die Höhe der verbleibenden Rücklage 1,06 Millionen Euro. Nach der aktuellen Spielzeit und der anstehenden Tariferhöhung wird davon nur ein kleiner Rest bleiben. Ist das Polster aufgebraucht, soll nach dem Willen der Kulturpolitik die Stadt in die Bresche springen und ihren Betriebskostenzuschuss aufmotzen (19,44 Millionen Euro zur Spielzeit 2014/2015). Margrethe Schmeer (CDU), Mitglied im Theaterausschuss und Vorsitzende des Kulturausschusses: „Wenn die Stadt uns kein Geld gibt, stehen wir vor einem Riesenproblem.“

Ein Prozent beträgt der Lohnanstieg, mit dem die Stadt pro Jahr in den Eigenbetrieben, wozu auch das Theater gehört, standardmäßig rechnet. Wie realistisch das im Einzelnen ist, darüber lässt sich streiten. Unstrittig ist: In der jüngsten Tarifrunde sind die Erhöhungen im Öffentlichen Dienst fast fünfmal so hoch ausgefallen, verteilt auf die Schritte jeweils 2016 und 2017. „Gerade der Betrieb Theater ist unheimlich personalintensiv“, sagt Kulturdezernentin Susanne Schwier. Und so kommt ein fetter Batzen Mehrkosten auf das Haus zu: etwa 800 000 Euro nur durch die Lohnkostensteigerung. Nach Adam Riese und Theater-Verwaltungsdirektor Udo Rüber wird der kleine Rest, der von den 1,06 Millionen Euro bleibt — rund 260 000 Euro ohne weitere zusätzliche Aufwendungen mit eingerechnet — in der kommenden, spätestens der übernächsten Spielzeit geschmolzen sein. Damit wäre das Theater blank, zumindest was die eigenen Rücklagen betrifft.

„Die Situation spitzt sich zu“, sagt Kulturpolitiker Hermann Josef Pilgram (Grüne). Die Stadt jedenfalls werde kein zusätzliches Geld ins Theater stecken, ist er überzeugt, und denkt an ein klares Statement der Kämmerin, an das er sich erinnert: Die Budgets seien festgelegt, alle Eigenbetriebe müssten Mehraufwendungen oder sinkende Einnahmen selbst ausgleichen. Für das Theater schwierig bis unmöglich. Kulturdezernentin Schwier: „Ich sehe im Moment keine Chance, dass der Eigenbetrieb Theater die Steigerung der Personalkosten durch die Tariferhöhungen selbst stemmen kann, wenn alle Leistungen und Angebote erhalten bleiben sollen.“ Es sei überhaupt nicht möglich, so abzuspecken, dass die Kosten aufgefangen werden. Im Orchester etwa gebe es 66 Stellen, feste Verträge. Die auslaufen zu lassen mache keinen Sinn, weil das Orchester dann nicht mehr spielfähig sei.

Auch Pilgram will zwar keine Veränderung am Theater, glaubt aber, dass die sich nicht mehr vermeiden lässt. Man müsse Wege finden, Kosten zu sparen oder die Einnahmen zu erhöhen. Und: „Wir müssen mittelfristig über die Organisation des Theaters nachdenken.“ Das wäre eine Strukturdebatte, die seine Kollegin Schmeer nicht wieder führen will. Schließlich habe die Strukturkommission vor gar nicht langer Zeit erst zusammengesessen. Anders als Pilgram glaubt sie fest daran, dass zusätzliches Geld aus dem gesamtstädtischen Haushalt bereitgestellt werden wird, wenn es soweit ist. „Denn warum sollten die Angestellten der städtischen Eigenbetriebe anders behandelt werden als die Angestellten der Stadt selbst?“

Laut Auskunft von Kämmerin Annekathrin Grehling ist „die Auskömmlichkeit im Moment nicht in Frage gestellt“. Das Problem aber existiere in der Tat. Mit einer Lösung müsse sich jedoch die Kommunalpolitik in den Beratungen zum Gesamthaushalt auseinandersetzen.

Dort — wenn es darum geht, die Geldbörse für den Betrieb zu zücken — werden sich die Kommunalpolitiker entscheiden müssen, wie sehr sie sich zum Aachener Stadttheater bekennen möchten.

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