Aachen: Warmweiherstraße: Lärm lässt die Anwohner verzweifeln

Aachen: Warmweiherstraße: Lärm lässt die Anwohner verzweifeln

Der Horror beginnt kurz nach fünf. Schwere Laster werden dann durch das schmale obere Stück der Warmweiherstraße manövriert. Fahrer werden lautstark eingewiesen, Motoren dröhnen, Türen schlagen, Fenster vibrieren. Morgen für Morgen.

Nur sonntags ist Ruhe, weil dann auch der Discounter geschlossen bleibt und ausnahmesweise mal keine neue Ware braucht. Jetzt schlagen die Anwohner Alarm - „in größter Verzweiflung”, wie es in einem Hilferuf an die Stadt heißt. Die Situation sei einfach nicht mehr zu ertragen.

Durch den Anlieferverkehr werden sie um Schlaf und Lebensqualität gebracht, klagen die Nachbarn, die ihren Unmut inzwischen per Unterschriftensammlung bei der Stadt kundgetan haben. Auch mit der verantwortlichen Firmenzentrale haben sie Kontakt aufgenommen, ernstgenommen aber fühlen sie sich in ihrer Not bislang nicht.

Seit gut 20 Jahren gibt es im Gebäude einer ehemaligen Tuchfabrik an der Ecke Bismarckstraße/Warmweiherstraße eine Discounter-Filiale. Schon in der Planungsphase hatte es Befürchtungen gegeben, dass es in dem ohnehin stark verkehrsbelasteten Viertel zusätzliche Anlieferprobleme geben könnte.

Die Stadtverwaltung hat dies seinerzeit zurückgewiesen: Art und Größe des Betriebes füge sich „in die nähere Umgebung ein”, die Rede war von einem „Einzelhandelsbetrieb, der der wohnungsnahen Versorgung von Verbrauchern dient”.

Inzwischen ist daraus jedoch ein veritabler Supermarkt geworden, der neben dem Lebensmittel-Sortiment zeitweilig auch Elektrogeräte, Gartenmöbel, Matratzen und ähnliche Artikel im Angebot hat. Die Umsätze sind so groß, dass Tag für Tag neue Ware angeliefert werden muss - meist in Dreiachsern, die sich nur mit Mühe den Weg durch die enge Gasse bahnen können.

Über Jahre hinweg hatten darunter zunächst die Anwohner der Bismarckstraße zu leiden. Deren Proteste gegen die Lärmbelästigungen waren inzwischen erfolgreich. Seit Mitte des Jahres darf der Laden nicht mehr über die Bismarckstraße beliefert, sondern nur noch von der Warmweiherstraße aus angefahren werden. Das Problem wurde damit allerdings nicht gelöst, sondern nur verlagert.

Angeblich habe die Stadt verfügt, dass die Filiale nur mit kleineren Transportern beliefert werden soll. Doch die Firma widerspricht: „Das Verwenden von kleineren Fahrzeugen ist leider nicht möglich, da das Warenaufkommen in dieser Filiale zu groß ist und von Seiten der Stadt Aachen die Auflage an uns herangetragen worden ist, die Anzahl der Anlieferungen zu reduzieren.”

In dem gleichen Schreiben an eine beschwerdeführende Anwohnerin heißt es, „die Lärmwerte befinden sich innerhalb der zulässigen Toleranzen”, die „jetzt gefundene Lösung der Anlieferung” sei daher „für die Anwohner als hinnehmbar befunden” worden.

Behörden eingeschaltet

Das sehen die Betroffenen grundlegend anders, die bereits von gesundheitlichen Beeinträchtigungen sprechen. An Schlaf sei ab fünf Uhr nicht mehr zu denken, von Nachtruhe könne keine Rede mehr sein. Ein solcher Laden gehöre schlicht nicht in dieses Wohngebiet, meinen sie.

Den städtischen Behörden sind die Klagen bekannt, wie Pressesprecher Hans Poth erklärt. Und sie würden auch ernstgenommen. Dass eine Lösung gefunden wird, sei auch im Interesse des Discounters, meint Poth. Demnächst sollen Lärmmessungen durchgeführt werden. Welche Konsequenzen dies nach sich ziehen könnte, ist offen. Tatsache aber ist, dass sich bereits das Rechtsamt mit der planungs- und baurechtlichen Seite des Falls befasst.

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