Wanderausstellung „Mensch Du hast Recht(e)!“ gastiert in der Nadelfabrik Aachen

„Mensch Du hast Recht(e)!“: Wanderausstellung zeigt: Auch Demokratie will gelernt sein

„Asylant“, „Zigeuner“ – das sind diskriminierende Begriffe. Aber wie steht es mit „Schwarzarbeit“? Ist die Werbe-Musterfamilie, bestehend aus Vater, Mutter, Tochter, Sohn und Golden Retriever eigentlich normal? Ist das Leben in einem Bauwagen eine alternative Wohnform oder doch eher ein absurdes Lebenskonzept? Und für welche Themen des gesellschaftlichen Diskurses würde ich mich eigentlich engagieren? Und in welcher Form? Wer durch die Ausstellung „Mensch, Du hast Recht(e)!“ in der Nadelfabrik geht, kann eigene Einstellungen und Haltungen mit Lust hinterfragen.

Im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus haben die Volkshochschule (VHS) sowie die kommunalen Integrationszentren der Stadt und der Städteregion die Wanderausstellung der Bildungsstätte Anne Frank – die erste interaktive zu den Themen Menschenrechte und Diskriminierung – nach Aachen geholt.

Seit Mittwoch können sie Schulklassen ab Klasse 8 sowie andere interessierte Gruppen nach Anmeldung in der Nadelfabrik besuchen. Multiplikatoren stehen den Besuchern zur Seite. „Allerdings geht es nicht darum, große Diskussionen zu führen. Jeder soll die Möglichkeit bekommen, seine eigene Position zu finden“, erläutert Sonja Verschütz, stellvertretende Leiterin des Projektes „Demokratie leben!“ der VHS.

Das funktioniert vor allem durch Selbermachen: Hier schieben, da aufhängen, dort abstimmen – an jeder Station lässt sich aktiv werden. In der Datenkabine kann man seine eigenen Vorlieben einstellen, also neudeutsch liken: Gummibärchenliebhaber, Bob-Marley-Fan und Outdoor-Sportler? Daraus wird im Netz sehr schnell ein drogenabhängiger Fettleibiger ohne Krankenversicherung. Auch Demokratie-Dilemmata werden thematisiert. Steht das Recht auf freie Meinungsäußerung über dem Schutz vor Diskriminierung? Und ist ein Mehrheitsentscheid das einzige demokratische Instrument? Oder hinterlässt er nicht eigentlich ziemlich viele Verlierer? „Hier geht es nicht um den erhobenen Zeigefinger, sondern darum, selbst kritisch nachzudenken und so demokratische Einstellungen zu stärken“, so Stefanie Uerlings vom kommunalen Integrationszentrum der Stadt.

Das Thema (Rechts-)Extremismus wird deshalb auch nur an der letzten Station thematisiert: Ein Vorhang zeigt einen Naziaufmarsch. „Nach allen anderen Stationen können die Besucher den hier durchbrechen“, erklärt Uerlings.

Auch wenn jeder Interessierte in „Mensch, Du hast Recht(e)!“ willkommen ist, werden besonders Jugendliche in der Ausstellung mit den Themen ihrer Lebenswelten angesprochen. Schließlich gilt: „Wir können gar nicht früh genug anfangen zu sensibilisieren“, findet Michaela Degener, Programmverantwortliche für die Bereiche Gesellschaft, Politik und Geschichte in der VHS.

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