Aachen: Wahre Worte des Widerstands, vorgetragen von der Tochter

Aachen : Wahre Worte des Widerstands, vorgetragen von der Tochter

Gegen Faschismus und Militarismus macht sich die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes — Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) schon seit 70 Jahren stark. Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg begannen auch in Aachen entsprechende Aktivitäten.

Die VVN setzt sich hier seit 1947 für „die Vernichtung des Faschismus mit seinen Wurzeln“ sowie für den „Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit“ ein — ein Leitsatz, der laut VVN auch heute noch aktuell ist.

Zur 70-Jahresfeier hatte sich die VVN im Ludwig-Suermondt-Museum eingefunden, um den Worten von Alice Czyborra zu lauschen. Ihr Vater, Peter Gingold, Antifaschist und Widerstandskämpfer, hat seine Erfahrungen in einem Buch (Paris — Boulevard St. Martin No. 1 — Ein jüdischer Antifaschist und Kommunist in der Résistance der Bundesrepublik) niedergeschrieben, aus dem Alice Czyborra nun vorlas.

Schon in der Jugend eingesetzt

Peter Gingold macht sich schon als Jugendlicher gegen das faschistische Hitler-Regime stark. Als er aus Deutschland ausgewiesen wird, folgt er seiner Familie nach Frankreich ins Exil und schließt sich dort später der französischen Résistance an.

Obwohl er und seine Familie als Juden immer wieder unter dem Hitler-Regime zu leiden hatten, kehrt Gingold nach dem Krieg wieder nach Deutschland zurück. „Seine Freunde und Bekannten konnten das nicht verstehen“, sagte Alice Czyborra bei der Lesung. Doch für ihren Vater ist die Rückkehr offenbar selbstverständlich gewesen. Er will den Neuanfang in Deutschland aktiv mitgestalten und ist eines der Gründungsmitglieder des VVN. Dass er und seine Familie dann laut Czyborra fast zwei Jahrzehnte erneut gegen Repressalien zu kämpfen hatten, ließ die Zuhörer hier und da nach Luft schnappen. „Die junge Bundesrepublik wollte die Gräueltaten unter Hitler so schnell wie möglich vergessen, und einstige Nazis saßen bald wieder in Führungspositionen“, so Czyborra.

Was sie und ihre Familie vielleicht am meisten schmerzt, ist, dass es bei den Nürnberger Prozessen „keine Spur der Reue bei den Angeklagten gab“.

Die VVN wurde zu einem unbequemen Bestandteil der neuen Demokratie. „Sie hat die Erinnerung an das Geschehene immer wieder wach gehalten“, sagte Czyborra. Abschließend verlas sie den „Appell an die Jugend“, den ihr Vater 1997 gemeinsam mit Esther Bejarano verfasst hat. „Wir hoffen auf euch. Auf eine Jugend, die das alles nicht stillschweigend hinnehmen wird! Wir bauen auf eine Jugend, die sich zu wehren weiß, die nicht kapituliert, die sich nicht dem Zeitgeist anpasst, die ihm zu trotzen versteht, und deren Gerechtigkeitsempfinden nicht verloren gegangen ist.“

Nach diesen hoffnungsvollen Worten sorgte die Gruppe „Odessalavie“ aus Belgien für Feierstimmung. Die vier jungen Frauen spielten unter anderem Musik der Roma vom Balkan und ihre Lieder kamen beim Publikum richtig gut an.

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