Aachen: Wahl-Aachener hat den Terrorakt in Boston miterlebt

Aachen: Wahl-Aachener hat den Terrorakt in Boston miterlebt

Als die beiden Bomben am vergangenen Montag den fröhlichen Marathonlauf in Boston in eine blutige Katastrophe verwandelten, war Axel G. Schaffrath nur wenige 100 Meter entfernt. „Wir haben die Detonationen deutlich gehört“, sagt der Wahl-Aachener, der derzeit beruflich in Boston ist, „aber wir haben gedacht, das gehört irgendwie mit zum Marathon.“

Dass dem nicht so ist, wurde dem selbstständigen Unternehmensberater schon kurze Zeit später klar. „Eine Teilnehmerin unseres Meetings kam herein und erzählte, was passiert ist.“ Und auf dem Weg in sein Hotel wurde der 51-Jährige rund zwei Stunden später dann unmittelbar mit dem Geschehen konfrontiert. „Es fuhren keine Taxis mehr, also musste ich zu Fuß gehen und kam direkt an den Absperrungen vorbei, da wusste ich bereits, dass dort Menschen ums Leben gekommen sind.“

Etwa zu dieser Zeit erreichte ihn auch die erste besorgte Nachricht aus Aachen. „Meine Tochter hat mir eine SMS geschickt und gefragt, ob alles okay ist.“ Allein, antworten konnte Axel G. Schaffrath nicht. „Ich wollte sie sofort anrufen, aber das Handynetz war abgeschaltet.“ Damit wollten die Behörden verhindern, dass möglicherweise noch weitere Bomben per Handy gezündet würden. „Also habe ich gleich einige SMS geschickt, aber ich weiß gar nicht, ob die angekommen sind.“

Die Menschen, die der 51-Jährige an der Strecke traf, kamen ihm „sehr verstört“ vor. „Es waren Läufer dabei, die ihren Marathon nicht zu Ende laufen konnten und jetzt nicht wussten wohin. Andere suchten ihre Angehörigen oder Freunde. Es war eine sehr beklemmende Atmosphäre.“ Inzwischen entwickele sich zwar so etwas wie eine Trotzreaktion in der Bevölkerung von Boston, „aber die Stadt hat sich schon etwas verändert.“ Schaffrath ist regelmäßig beruflich dort und hat festgestellt: „Boston ist eigentlich eine extrem offene Stadt, die mächtig stolz auf ihren Marathon am Patriots‘ Day ist.“ Doch nun sei unglaublich viel Polizei und Militär in der Stadt, es gebe kein anderes Gesprächsthema mehr, und über allem schwebe eine riesige Ratlosigkeit. „Die Anschläge haben die Menschen hier wirklich ins Mark getroffen.“

Sein Rückflug ist unsicher

Betroffen ist auch Axel G. Schaffrath, den einst sein Studium an der RWTH nach Aachen geführt hat. Ursprünglich wollte er am Mittwoch nach Deutschland zurückkehren. Doch ob das auch klappen würde, wusste er Mittwochmorgen (Ortszeit) noch nicht. „Es gibt eine Sicherheitszone rund um den Flughafen und eigentlich auch ein Flugverbot über Boston“, erzählt er. Und vom Flughafen habe er lediglich gehört, dass er bitte früh kommen solle, da das Einchecken wegen erhöhter Sicherheitsvorkehrungen wahrscheinlich länger dauern könnte — wenn es denn überhaupt klappe.

Unterdessen muss Axel G. Schaffrath einräumen, dass „man schon kein wirklich gutes Gefühl hat, wenn man beispielsweise mit der U-Bahn fährt“. Und er fügt hinzu: „Wenn ich dann endlich wieder in Deutschland bin, dann werde ich froh sein.“