Aachen: Wabe: Fahrradwerkstatt „ist Totalschaden“

Aachen: Wabe: Fahrradwerkstatt „ist Totalschaden“

Das Feuer, das in der Nacht zum 3. Januar in der Haarener Friedenstraße auf dem Gelände der Wabe wütete, hat ganze Arbeit geleistet: „Dieser Gebäudeteil ist Totalschaden“, sagt Alois Poquett, Geschäftsführer des Dakonisches Netzwerks. Besonders die Abteilung Fahrrad-Recycling hat es ins Mark getroffen.

„Das was hier drin ist, muss alles weg und ist schwer wieder zu beschaffen“, sagt Werkstattleiter Jürgen Aelmanns. Normalerweise arbeiten in dem etwa 150 Quadratmeter großen Raum 15 bis 20 Beschäftigte, die gespendete oder gefundene Räder aufarbeiten und der Wiederverwendung in der Fahrradstation am Hauptbahnhof zuführen. Sie sind zurzeit noch in Urlaub, so dass die Wabe-Verantwortlichen noch einige Tage nach einer neuen Bleibe suchen können.

Die Polizei ging schon am Tag nach dem weithin sichtbaren Feuer von Brandstiftung aus, der laut Alois Poquett auch auf der Hand liegt. „Vor dem Gebäude lagen Fahrradreifen und brannten, die entzünden sich nicht so einfach.“ Die Flammen griffen dann auf das überstehende Holzdach über, irgendwann brannte das gesamte Gebäude, dessen Statik durch den Brand angegriffen ist, es muss komplett erneuert werden.

Verschiedene Gutachter haben schon den Brandort in Augenschein genommen und die schlimmsten Erwartungen übertroffen. So ist nicht nur das Gebäude schwer in Mitleidenschaft gezogen, auch im Innern kann kaum etwas weiterverwertet werden. Sogar das Werkzeug und die 150 Fahrräder, die gerade aufgearbeitet werden, müssen weggeworfen werden, „wegen toxischer Verseuchung“. Das haben die Messungen eines Chemikers ergeben, der auch Proben in den angrenzenden Büroräumen gezogen hat. Deren Ergebnisse stehen noch aus. Darunter befinden sich auch viele Dinge mit Erinnerungswert, etwa alte Alemannia-Plakate oder Mitbringsel von Messen oder Kursen. Oder Spezialwerkzeug und Ersatzteile. Aelmanns: Manche Abzieher bekommt man gar nicht mehr.“ Ein trauriges Bild gibt auch sein Maskottchen ab, ein kleines Hollandrad: „Das war das erste, was ich hier gemacht habe.“

Aelmanns hofft nun auf Unterstützung der Fahrradhändler, „mit denen wir immer schon gut zusammenarbeiten“. Und aus der Bevölkerung. 50 bis 80 Räder verkaufen die Wiederverwerter im Schnitt pro Monat, zu Preisen zwischen 40 und 75 Euro. Entweder bringen Menschen ihre ausgedienten Drahtesel in der Friedenstraße vorbei, manche werden auch auf den Straßen von der Stadt als Sperrmüll aufgelesen, viele auch anlässlich von Spendenaktionen gestiftet.

Oder sie werden eingesammelt. „Wir fahren mit dem Lkw durch Aachen und holen sie aus dem Keller. Das braucht viel Vorbereitung, Räder zu beschaffen.“ So hofft man jetzt nicht nur auf Ausweichräume, sondern auch Nachschub an ausrangierten Rädern.

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