Aachen: Vortrag über das jüdische Leben in Aachen

Aachen : Vortrag über das jüdische Leben in Aachen

Wie ist es eigentlich, im Jahr 2015 als Jude in Deutschland zu leben? „Wenn man als Außenstehender an der Synagoge vorbeigeht, sieht man Kameras und gelegentlich auch Polizeipräsenz“, schildert der Schulleiter des Kaiser-Karls-Gymnasiums (KKG), Jürgen Bertram, seine Beobachtungen.

Dies sei alles andere als eine schöne Sache. Um seine Schüler für das Thema jüdisches Leben in Aachen zu sensibilisieren, hat er sich etwas ausgedacht. Zusammen mit Maria Boymenblit, angehende KKG-Abiturientin und Jüdin, entwickelte er die Idee zu einem Vortrag zu Juden in Aachen. Über die wechselvolle Geschichte der Aachener Juden referierte die 18-jährige Schülerin nun vor rund 100 Oberstufenschülern während einer Sonderveranstaltung im KKG.

Allzu viel wusste man über jüdisches Leben in Aachen lange Zeit nicht. Bis auf einige Nennungen — beispielsweise durch Karl den Großen — fanden Juden wenig Beachtung. Ihre Zahl war lange Zeit verschwindend gering. Mit der französischen Revolution gingen für viele Juden erhebliche Verbesserungen in der Rechtslage einher. So wurden sie zwar als vollberechtigte Staatsbürger anerkannt, dennoch lag ihre Zahl im Jahr 1805 in Aachen nur bei 55.

Fortan wurde jüdischer Einfluss in Aachen spürbarer: 1822 wurde der jüdische Friedhof an der Lütticherstraße errichtet, zwei Jahre später ein Gemeinde- und Gebetssaal angemietet. „Die Verbundenheit der Aachener Juden mit der deutschen Kultur war nicht von der Hand zu weisen, Ärzte waren weit über die Grenzen hinaus bekannt“, sagt Maria Boymenblit. Weiter erklärt die Schülerin, hätten Juden eine wichtige Stellung im wirtschaftlichen Leben eingenommen.

Zu radikalen Veränderungen kam es mit der Machterschleichung der Nazis. Die NSDAP wurde auch in Aachen stärkste Kraft und versuchte von nun an alles, um Juden zu boykottieren. „Es kam zu Überfällen und willkürlichen Verhaftungen. Durch Propaganda versuchte man, den Boykott zu popularisieren“, sagt die Schülerin. In der Reichspogromnacht 1938 zerstörten Nazis auch die Aachener Synagoge. Zudem versuchten sie, die wirtschaftliche und soziale Existenz der Juden zu untergraben — mit Erfolg.

Und so kam es, dass immer mehr Juden immer ärmer wurden. Viele Aachener Juden wurden nach Theresienstadt deportiert und kamen dort um.

1937 verschwunden

Auch auf dem KKG gab es nach der Machtergreifung der Nazis Schüler jüdischen Glaubens. „Es gab einzelne als ‚israelitisch‘ vermerkte Schüler in Schulregistern aus den 1930er Jahren“, sagt Schulleiter Bertram. Die Jugendlichen seien neben den überwiegend katholischen Jungen noch von Jahr zu Jahr mit ihrem Bekenntnis in den Klassenlisten vermerkt worden. Ab 1937 aber seien sie aus den Registern verschwunden — einfach so und ohne, dass man etwas über Hintergründe in den Akten nachvollziehen könnte.

„Wir können also nur glücklich sein, dass wir heute in einer so bunten Gesellschaft leben dürfen“, mahnt Bertram sein junges Publikum. Und Maria Boymenblit wurde vom jungen Publikum mit großem Applaus für ihren interessanten Vortrag belohnt.

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