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Aachen: Vorschläge des Landschaftsbeirats erhalten mehr Gewicht

Aachen : Vorschläge des Landschaftsbeirats erhalten mehr Gewicht

Es dauert ein wenig, bis Alexander von Frantzius sein Ehrenamt erklärt hat. Seit Anfang September 2015 ist er Vorsitzender des Landschaftsbeirats der Stadt Aachen — und davon haben nur wenige Leute schon einmal etwas gehört.

Doch ob der Themen, die er und seine Kollegen bearbeiten, hat sich schon so manches Gemüt erhitzt. Im Beirat wird etwa über Baugenehmigungen im Umland beraten — und über Standorte für neue Windkraftanlagen.

„Alles, was im Gebiet Aachen die Landschaft verändert, wird von uns fachlich begleitet“, erklärt von Frantzius den Zweck des Fachgremiums. Und diese Landschaft liegt ihm schon seit Kindestagen am Herzen. 1971 in Oldenburg geboren, zog es seine Familie schon bald nach Aachen.

„Ich bin dort bei meiner Großmutter, einer bekannten Bildhauerin, groß geworden und habe meinem Großvater bei Arbeiten im Wald geholfen“, erinnert er sich. Später sollte er selbst den kleinen Wald seiner Familie übernehmen, um den er sich bis heute kümmert.

Damit waren die Weichen für seinen beruflichen Werdegang bereits gestellt. Nach Grundschule und Abitur in Bonn studierte er in Cottbus Bauingenieurwesen sowie Stadt- und Regionalplanung. Es folgten schließlich zwei Jahre im Baureferendariat des Freistaats Thüringen und die Ernennung zum Bauassessor, ehe er sich 2004 endgültig in Aachen niederließ und ein Planungsbüro für Baurecht gründete.

Seit sechs Jahren ist er nun im Landschaftsbeirat und mittlerweile als Vorsitzender tätig. Seine Ziele sind so pragmatisch wie seine Arbeitsweise. „Wir wollen wieder mehr Aufklärung für die Öffentlichkeit leisten“, so von Frantzius. „Viele Leute wissen beispielsweise überhaupt nicht, was es bedeutet, wenn eine Gegend als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, und lassen etwa ihre Hunde frei dort herumlaufen.“

Mensch und Umweltschutz

Er sei aber zuversichtlich, dass der Beirat effizient arbeiten könne, ohne dabei den Umweltschutz zu vernachlässigen. Das dürfte insbesondere den Bauern im Umland zugute kommen, die sich oft über die langen Bearbeitungszeit ihrer Anträge beschwerten, wie von Frantzius sagt.

„Manchmal muss man gegenüber den Landwirten einfach Zugeständnisse machen. Etwa wenn sie Hallen ausbauen müssen, um die größeren Maschinen unterbringen zu können.“ Man könne schließlich nicht einfach alles unter Schutz stellen, sondern müsse auch die Interessen der Bevölkerung im Auge behalten.

Solche Abwägungen zu treffen, ist eine der Hauptaufgaben der 16 ehrenamtlichen Mitglieder des Landschaftsbeirats, in dem sowohl die Schützer als auch die Nutzer der Natur vertreten sind.

Nicht einfach übergehen

Besonders freut von Frantzius das neue Landesnaturschutzgesetz, welches in diesem Jahr im nordrhein-westfälischen Landtag beschlossen werden soll. Demnach werden die Vorschläge des Beirats künftig nicht mehr einfach vom Umweltausschuss der Stadt übergangen werden können. Das sei eine schöne Anerkennung für die Arbeit des Beirats.

„Wir müssen uns dann nicht mehr die Zeit nehmen, in unserer Freizeit Ortsbesichtigungen zu machen und einen fachlich fundierten Beschluss zu fassen, nur um danach vom politischen Gremium überstimmt zu werden.“